TEST: PRINCE OF PERSIA – DIE VERGESSENE ZEIT (Wii)-Version
Ein springfideles Abenteuer wie aus eintausend und einer Nacht – das ist nicht nur das NextGen-"Prince of Persia". Nein, auch die Wii-Version von "Die vergessene Zeit" (alias "Forgotten Sands") lässt das orientalische Jump'n'Run-Märchen wieder aufleben und versetzt es mit einer gehörigen Portion Action. Dabei handelt es sich hier nicht nur um eine abgespeckte Umsetzung des großen Xbox-360- und PS3-Bruders: Die Wii-Version ist ein völlig eigenständiges Abenteuer mit eigenen Spielelementen, eigenem Level-Design und eigener Geschichte – das übrigens nicht von Ubisoft Montreal, sondern von den ebenfalls in Kanada angesiedelten Quebec-Studios des Konzerns entwickelt wurde.
Die haben sich eine Geschichte einfallen lassen, die zwar nicht ganz so dramatisch ist wie der Kampf gegen den Über-Dschinn Ratash – aber dafür umso märchenhafter: Weil sich der Prinz ein eigenes Königreich nebst Königin wünscht, tut er sich mit einer kleinen Dschinn-Dame zusammen. Die führt ihn ins versunkene Land ihrer Ahnen – eine reichlich ramponierte Welt im Würgegriff einer dämonischen Schlingpflanze.
Also setzt unser Prinz alles daran, das teuflische Unkraut zu vernichten: Wie auf Xbox 360 bzw. PS3 darf unser Perser per 'Wall-Walk' buchstäblich die Wände hochgehen – allerdings müssen wir hierfür nicht wie auf der NextGen-Hardware einen extra Button betätigen, vielmehr hat man Sprung sowie Wandspaziergang auf ein und den selben Knopf gelegt. Für einen Hopser tippen wir den Button kurz an, für einen Wall-Walk halten wir ihn gedrückt. Auch alle anderen grundlegenden Spielmechanismen von der Microsoft- und Sony-Hardware sind intakt: Wir weichen Fallen wie Sägeblättern oder rotierenden, stachelbewehrten Säulen aus…
… schwingen uns behände von Stock zu Stock, krabbeln wie ein Eichhörnchen selbst die höchsten Säulen empor und springen so lange von Wand zu Wand, bis wir einen Halt finden, an dem wir uns hochwuchten können. Einen ganzen Katalog an Fertigkeiten und Zauberkunststücken, aus dem wir beliebig wählen können, gibt's auf der Wii zwar nicht – aber Magie steht uns trotzdem zu Gebote: Jedes mal wenn wir ein Heiligtum der Dschinn finden, wird ein neues magisches Talent freigeschaltet, mit dessen Hilfe wir bisher unerreichbare Areale bereisen – und zwar, indem wir eine mystische Kachel mit der Wii-Fernbedienung markieren und aufladen. Danach dürfen wir z.B. an einem neu entstandenen Greifring weiter nach oben kraxeln oder einen kleinen Wirbelrind reiten.
Auch die Kämpfe weichen von dem ab, was wir auf Xbox 360 und PS3 erleben: Während wir auf den großen Konsolen bis zu 50 Gegner gleichzeitig mit "God of War"-artigen Manövern verdreschen, stehen wir auf der Wii lediglich einer Hand voll Widersacher gegenüber – allesamt von dem Dämonen-Unkraut korrumpiert und in pflanzenartige Unholde verwandelt. Ob die Entwickler damit auf die zahlreichen morgen- wie abendländischen Mythen und esoterischen Gedankenmodelle anspielen, nach denen unser Körper auch pflanzliche Aspekte bergen soll, sei dahingestellt… fest steht, dass Ubisoft Quebec durch diesen erzählerischen Kunstgriff für genau die Sorte Atmosphäre sorgt, die bereits in den alten Sindbad-Filmen von Effekt-Guru Ray Harryhausen für ein Gefühl von Verlorenheit im Angesicht vergangener Größe gesorgt hat.
Die Gefechte gegen die verwunschenen Bewohner dieses verlorenen Reiches kämpfen wir (wie so oft auf der Wii) fast ausnahmslos aus dem Handgelenk: D.h. ein paar Schlenker mit der Remote sorgen dafür, dass unser Prinzlein den Säbel zückt und munter um sich drischt. Um besonders hartnäckigen Feinden in den Rücken zu fallen, rollen wir uns via Digi-Steuerkreuz ein paar mal zur Seite.
Allerdings sind die vereinzelten (und meist recht simpel gehaltenen) Gefechte nicht das Kernstück des Abenteuers: Noch mehr als auf Xbox 360 und PS3 geht es vor allem darum, die Fallen in den Palastruinen zu umgehen und die eine oder andere Kopfnuss zu knacken. Obwohl uns wie bei so vielen Wii-Abenteuern reichlich Kameraprobleme dazwischenfunken (zumal sich der Blickwinkel nur dann frei justieren lässt, wenn wir stehenbleiben und bewusst den Blick schweifen lassen), gehört das neue "Prince of Persia" zu den besten Genre-Vertretern für die Nintendo-Konsole: Hübsche, farbenprächtige Grafik erinnert an die alte "Sands of Time"-Trilogie für Xbox, PS2 und Gamecube… und die Steuerung macht intelligent Gebrauch von den Eigenheiten der Wii-Controller-Kombi, ohne es mit dem 'fuchteligen' Gebrauch von Remote und Nunchuk zu übertreiben. Wirklich genervt hat uns allein die dürftige deutsche Synchro, die entweder zu bemüht oder schlichtweg affig klingt. Ansonsten ein Wii-Abenteuer, bei dem auch diejenigen gerne zugreifen, die bereits die 'große Version' ihr Eigen nennen.
Mehr Informationen über das neue "Prince of Persia" gibt's HIER in unserem PDF-Magazin und dem Test zur WII-VERSION.
Unsere Wertung: 10 von 15 Punkten (gut)
| Entwickler | Ubisoft Quebec |
| Anbieter | Ubisoft |
| System | Wii |
| Veröffentlichung | im Handel |
| Multiplayer | nicht möglich |