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TEST: DARK FALL – LOST SOULS

Trickfilm-reife Point'n'Click-Adventures wie "The Whispered World" vom deutschen Abenteuer-Experten Daedalic werden von mehreren dutzend Grafikern, Illustratoren, Animatoren, Programmierern und Designern umgesetzt. Wesentlich weniger Manpower braucht es dagegen für die Sorte Adventure, die dem "Myst"-Pfad folgt: Hier klicken wir uns aus der Ego-Perspektive von Standbild zu Standbild, nur hin und wieder gibt's eine flüssige (und ausnahmslos vorberechnete) Bewegung. Zu dieser Sorte Rätsel-Parcour gehören die "Dark Fall"-Spiele des schottischen Künstlers, Programmierers und DJs Jonathan Boakes, der seine kniffligen Exkurse in die Welt des rätsellastigen Grusels weitgehend alleine auf die Beine stellt. 

 

Wer sonst ausnahmslos Abenteuer in Lucas-Arts-Tradition spielt, der wird mit diesem interaktiven Stillleben nur wenig anfangen können. Sollte er dagegen bereits bei "Myst" mit wachsender Begeisterung Gehirnkrämpfe bekommen haben, dann ist er bei "Lost Souls" vermutlich genau richtig: denn hier wird in erster Linie knallhart geknobelt, gerätselt und das Gehirnzellen-Sortiment aufs Äußerste strapaziert. Jeden einzelnen Pixel mit dem Mauszeiger abzufahren, um solche Elemente der Hintergrundgrafik zu finden, die wir ordentlich durch die Puzzle-Mangel drehen können – diese "Myst"-typische Verfahrensweise gehört hier zum Pflichtprogramm. Nicht zum Pflichtprogramm gehört dagegen zeitgemäßer Luxus wie ein Hotspot-Screen, der eben diese Elemente bereits im Vorfeld entlarvt. Aber was ein Gehirn-Akrobat der alten Schule ist, der ignoriert derlei Hilfestellung sowieso – und knobelt, was die gepeinigten Gehirnzellen hergeben.

 

 

Allerdings wird auch er im Falle "Dark Fall" einen empfindlichen Mangel an Bedienkomfort und Atmosphäre beklagen: Das Interface zur Interaktion mit unseren Ausrüstungsgegenständen mutet nur anfangs arg kryptisch an und lässt sich mit einiger Übung gut in den Griff kriegen. Wesentlich nerviger sind aber die Papierschnipsel, die wir allenthalben zusammen-puzzlen müssen, um auf diese Weise schriftliche Story- und Rätsel-Hinweise zu erhalten. Schwer sind sie nicht – die kleinen Puzzle-Spielchen. Aber dafür ganz schön unzuverlässig: Klicken wir einmal versehentlich an die falsche Stelle, dann löst sich unser ganzer Fortschritt in Wohlgefallen auf. Nochmal! 

 

Ob man sich indes mit einer Spielwelt anfreunden kann, in der vor allem Stillleben herrscht, das muss jeder mit sich selbst ausmachen: Bewegung kommt nur dann ins Spiel, wenn wir Objekte manipulieren oder ein bestimmtes Ereignis auslösen – darunter auch der Auftritt des einen oder anderen (leider nur mäßig gruseligen) Spuks. Die Sound-Kulisse liefert Genre-typisch allenfalls atmosphärisches Geplänkel: Windrauschen, Vogelkreischen, Kinderweinen, ein bisschen Klongklong oder das bemühte Gestammle der deutschen Sprecher – mehr dringt selten ans unser Ohr. 

 

"Dark Fall: Lost Souls" ist also in erster Linie ein Rätsel-Parcours – genau das richtige für alle, die sich gepflegt das Hirn zermartern wollen und zugunsten genialer Knobelistik auf eine zeitgemäße Präsentation verzichten können. Und bedenken wir, dass Mr. Boakes seine Spiele quasi im Alleingang entwickelt, dann ist's natürlich eine großartige Leistung – Respekt! 

 

Unsere Wertung: 8 von 10 Punkten (befriedigend)

 

Entwickler Darkling Room
Hersteller Iceberg Interactive
System PC
Veröffentlichung  im Handel
offizielle Website LINK

 

(Wie unser Wertungssystem funktioniert, erfahrt Ihr HIER.)

 

 

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