TEST: RUNE FACTORY FRONTIER
Eine possierliche Kombination aus bäuerlicher Lebens-Sim und fernöstlichem Hack'n'Slay-RPG beschert uns einmal mehr Nippon-Entwickler Neverland: "Rune Factory" wird seit jeher als Spinoff von Nintendos erfolgreicher "Harvest Moon"-Reihe vermarktet.
Tatsächlich ist die Verwandtschaft überdeutlich: Wie beim Nintendo-Spiel sind wir hauptsächlich damit beschäftigt, unsere Felder zu bestellen, um die Ernte anschließend in die bequem neben dem Acker gelegene Transportbox zu verfrachten. Dort wird sie am frühen Abend von der Händlerin unseres Vertrauens abgeholt und gegen klingende Münze eingetauscht.
Je nachdem, welches Gemüse bzw. welche Blumensorte wir anbauen (u.a. von der Saison abhängig – im Sommer wächst bspw. kein Frühlingsgemüse), haben mir mehr oder weniger Mühe damit, die zarten Pflänzlein zu pflegen und zu bewässern.
Als hilfreich entpuppt sich hierbei ordentliches Handwerkszeug: Während wir mit der billigsten Gießkanne nur je ein Ackerfeld besprenkeln, können wir bei Einsatz der Deluxe-Version gleich mehrere Parzellen auf einmal unter Wasser setzen. Ähnlich verhält es sich mit Utensilien wie Hacke, Hammer oder Axt: Je mehr das jeweilige Hilfsmittel taugt, desto effizienter ist unsere Landwirtschaft.
Wie gehabt gibt es hochwertiges Werkzeug entweder bei den örtlichen Händlern – oder als Belohnung für Rollenspiel-artige Quests.
Denn: Hammer und Axt helfen uns nicht nur bei der Feldarbeit – nein, mit ihrer Hilfe beseitigen wir auch in den Dungeons Hindernisse, um auf diese Weise zuvor unpassierbare Regionen freizulegen. Mindestens genauso unentbehrlich ist hier das typische Handwerkszeug des professionellen Monsterjägers – in diesem Fall wuchtige Zweihandschwerter und neckische Bratspieße.
Wie das Bestellen unserer Felder funktionieren auch die Gefechte gegen Kobolde, Monsterspinnen und überdimensionierte Eichhörnchen in Echtzeit: "Knöpfchen drücken und zuhauen!" ist die Devise.
Allerdings geht's auch pazifistischer: Wer die Monster nicht killen, sondern lieber zähmen will, der greift statt zum Schwert zur Bürste und striegelt die Kerlchen. Manchen Monsterlein gefällt diese Vorzugsbehandlung so gut, dass sie friedlich werden und schnurstracks zu unserem Anwesen dackeln, um sich dort niederzulassen – vorausgesetzt allerdings, wir haben vorher beim ansässigen Schreiner eine Monster-taugliche Behausung in Auftrag gegeben.
Letztere gibt's aber – ebenso wie einen Ausbau unserer Hauses, eine schicke Schmiede oder ein größeres Schlafzimmer – nur gegen eine stattliche Menge Geld bzw. anderweitige Ressourcen (darunter Holz und Steine, die wir bei der Bereinigung unserer Feldes, aber auch in den Dungeons gewinnen können). Der eifrige Handwerker ist zwar ein rechter Trauerkloß und foltert uns allenthalben mit elendig langer Litanei über das Unglück seines Lebens – aber wenigstens macht er einen guten Job. Ergo: Ohne Moos nix los – und die für ein luxuriöses Abenteurer-Dasein nötigen Mittel bekommen wir nur, wenn wir Tag für Tag brav säen, gießen, den Acker pflügen und uns auch sonst als fleißiger Landwirt beweisen.
Will heißen: Wer in erster Linie ein Rollenspiel mit ausgeklügeltem Kampfsystem und epischer Geschichte sucht, der ist hier falsch. Goldrichtig ist dagegen, wer ein zuckersüßes und liebevoll präsentiertes Abenteuer mit einem Hauch Simulation will - und sich beim "Harvest Moon"-Zock schon immer ein handfestes Abenteuer gewünscht hat, um Hacke und Spaten für zumindest ein paar Stunden stecken zu lassen. Wenn es darum geht, uns zu verraten, an welcher Stelle das Abenteuer weitergeht, lässt uns "Rune Factory" dann und wann ordentlich im Regen stehen - aber an dieser Stelle meldet sich ein inzwischen fast schon vergessener Spiel-Mechanismus zurück, der bei japanischen RPGs früher quasi zum guten Ton gehörte: Wir müssen jeden Bewohner das knuffigen Kaffs so oft wie möglich anquatschen – auch wenn er scheinbar nichts Interessantes zu sagen hat. Denn früher oder später spielt jeder Bewohner der lauschigen Fantasy-Siedlung eine zumindest einigermaßen gewichtige Rolle.
Der sympathische Comic-Look des bäuerlichen Action-Rollenspiels hat uns übrigens vor allem an Square Enix' späten PS2-Titel "Radiata Stories" erinnert. Gemessen an dem, was das Genre Wii-seitig
sonst zu bieten hat, ist die kuschelige "Rune Factory"-Provinz ein echter Hingucker. Obendrein wird sie von derart niedlichen Charakteren und putzigen Monstern bevölkert, dass insbesondere Anime-
und Manga-Fangirls vor Begeisterung laut losquietschen. Darum lassen sich die gelegentlichen Kontroll-Ungenauigkeiten (insbesondere bei der Feldarbeit) ohne Weiteres verschmerzen.
Unsere Wertung: 12 von 15 Punkten (gut)
| Entwickler | Neverland |
| Hersteller | Rising Star Games |
| System | Wii |
| Veröffentlichung | im Handel |
| Multiplayer | nicht möglich |
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