TEST: SPLINTER-CELL CONVICTION
Sam Fischer ist wieder da – und er ist nicht nur (wieder mal) ein paar Jährchen älter… nein, der ergraute Heimlichtuer ist außerdem stinksauer, denn sein Töchterlein ist unter die Räder gekommen. Fast schon unnötig zu erwähnen, dass der vermeintliche Unfall in Wahrheit ein Mord war.
Grund genug für den frustrierten Vater, so richtig schön Amok zu laufen: Um den Verantwortlichen zu finden, zieht der alternde Agent noch mal alle Register seines Könnens – allerdings ist er diesmal deutlich offensiver zugange als sonst. Zwar darf Onkel Sam nach wie vor in dunklen Winkeln rumhängen und sich im Schatten verborgen halten – aber eine ähnlich dominante Rolle wie in den Vorgängern spielt der Schleichgang hier nicht mehr. Vielmehr handelt es sich um eine mögliche Alternative, das Abenteuer zu bestehen – und zwar eine, die uns besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden das eine oder andere "Game Over" erspart. Doch unter dem Strich spielt sich das neue "Splinter Cell" nicht mehr wie die Stealth-Action von einst, sondern wie ein moderner Deckungs-Shooter mit einem Hauch von Heimlichtuerei.
Den einen oder anderen Fan mag diese neue Gangart verschrecken – aber uns gefällt sie außerordentlich, denn sie bedeutet endgültig das Ende der "Try and Error"-Missionen. Die mögen 2002 noch ihren Reiz gehabt haben – aber heute wirken sie überholt, denn inzwischen versteht sich die Möglichkeit zum Anpirschen und Schleichen in fast jedem Action-Spiel von selbst.
Zugegeben: Ganz so ausgefeilt wie in einem "Splinter Cell" oder "Metal Gear" ist es dann meist doch nicht – das Anpirschen und 'Hinterrücks-Meucheln'.
Aber wirklich spannend war dieses Konzept lediglich so lang es neu war. Heute verlangen wir mehr von einem Action-Spiel – und dazu zählen nicht nur jede Menge coole Manöver, sondern vor allem eine cineastische Inszenierung und Erzählweise, die den Titel über die Masse der andere Ballereien erhebt. Über die Konsistenz der "Ich räche den Tod meiner Tochter"-Story kann man sich streiten – aber sie wurde ebenso packend wie imposant aufbereitet. "Splinter Cell Conviction" ist interaktives Action-Kino mit so ziemlich allen Zutaten, die einen spannenden Hauruck-Thriller ausmachen. Eine langweile Auflistung von Sams Bewegungs- und Angriffs-Repertoire wollen wir Euch an dieser Stelle ersparen, denn was Mr. Fischer heutzutage alles kann, das ist an sich nichts Besonderes mehr… aber die Art und Weise, WIE er es macht – die ist es, die uns hier ans Pad fesselt. Hinzu kommen einige grandiose Schauplätze – darunter eine Rückblende zum Irak-Krieg, in der wir uns unter Ölwolken-verhangenem Himmel über zersplitterte Straßenzüge und durch trostlose Ruinen kämpfen. Ein ähnlich atmosphärisches Set haben wir zum letzten mal im ersten "Modern Warfare" gesehen!
Erwähnenswert sind außerdem Sams ausgeprägtes Faible für brutale Verhörmethoden sowie das neue Erfahrungssystem, mit dessen Hilfe wir unsere Waffen in drei unterschiedlichen Kategorien aufrüsten dürfen. Sie machen "Conviction" zwar noch zu keinem epochalen Großereignis – aber sie runden es auf angenehme Weise ab.
Ergo: das bisher beste "Splinter Cell" – vorausgesetzt allerdings, man ist kein fanatischer Fan der Vorgänger, der sich mit Händen und Füßen gegen jede Änderung wehrt.
Unsere Wertung: 13 von 15 Punkten (sehr gut)
| Entwickler | Ubisoft Montreal |
| Hersteller | Ubisoft |
| System | Xbox 360, PC |
| Veröffentlichung | im Handel |
| Multiplayer | online |