TEST: ALPHA PROTOCOL
Orks erschlagen oder Aliens wegpusten, mit kauzigen Zauberern oder verschrobenen Space-Piraten verhandeln – damit sind Rollenspieler vertraut. Aber was, wenn sie sich auf einmal mit einem Szenario konfrontiert sehen, das sonst die Domäne von "Call of Duty"- und "Splinter Cell"-Spielern ist? Was, wenn statt eines monströsen ein menschlicher Gegenspieler zum verbalen bzw. kämpferischen Tanz lädt? Dann spielen wir vermutlich"Alpha Protocol" vom amerikanischen Rollenspiel-Spezialisten Obsidian – und das ist ganz nebenbei der erste Titel des Entwicklers, der keine Fortsetzung (wie "Knights of the old Republic 2", "Neverwinter Nights 2"), sondern ein eigenständiges Produkt und Konzept darstellt. Und leider hat man gerade diesen Titel ordentlich in den Sand gesetzt: Nicht, dass diese erste Mission eines jungen Spezialagenten gar keinen Reiz hätte. Nein, tatsächlich ist die Kombination aus Bioware-verwandten Gretchenfragen, Third-Person-Kawumm und reichlich Rollenspiel-Regelwerk extrem verheißungsvoll – zumindest in der Theorie.
Praktisch hapert es bei der Ausführung aller Genre-Einschläge so massiv, dass weder die einzelnen Versatzstücke, noch das große Ganze für Stimmung sorgen: Die Mini-Games sind unnötig fummelig bis absolut enervierend, die Action ausgesprochen fade präsentiert, und obendrein wird das Ganze von einer rekordverdächtig konfusen Steuerung bzw. Menüführung sabotiert.
Zugegeben: Wer sich für die zumindest einigermaßen interessante Agenten-, Terror- und Spionage-Story begeistet, der kann sich mit viel Geduld so weit einarbeiten, dass er "Alpha Protocol" aller Schwächen zum Trotz in den Griff kriegt und die (verdammt gut) verborgenen Qualitäten dieses tragisch verunglückten Genre-Cocktails entdeckt.
Ergo: Kein Totalausfall – aber verdammt dicht dran.
Unsere Wertung: 5 von 15 Punkten (ausreichend)