TEST: DEATHSPANK
Ron Gilbert: Adventure-Fans bekommen bei diesem Namen leuchtende Augen – zumindest dann, wenn sie die frühe Ära der LucasArts-Abenteuer miterlebt haben, denn aus Gilberts begnadeter Feder stammen drei große Klassikers des Genres: "Maniac Mansion", "Zak McKracken" und "The Secret of Monkey Island" (Teil 1 und 2) sind allesamst bei diesem Hersteller erschienen und gelten als Initialzündung für das moderne Point'n'Click-Adventure. (Wer mehr über Ron Gilbert erfahren möchte, der studiert am besten den entsprechenden WIKIPEDIA-EINTRAG).
"DeathSpank" ist nach den beiden "Penny Arcade Adventures" die dritte Zusammenarbeit der Entwickler-Legende mit dem auf Download-Games spezialisierten Team von HOTHEAD-GAMES. Hothead selber beschreibt den rüpelhaften Ritter "DeathSpank" als 'fehlgeleiteten Helden' – verblödeter Rabauke trifft es aber noch besser. Wie die meisten Charaktere von Gilbert ist auch die schwertschwingende Blechdose ein Schussel mit hehren Absichten. Eigentlich will er das Böse bekämpfen, doch tatsächlich lässt er sich immer wieder von Schurken dazu überreden, ihre Drecksarbeit zu erledigen.
Drecksarbeit, die den dummschwätzenden Rittersmann ausnahmslos in brenzlige Situationen bringen, die er dann in flotter "Diablo"-Manier und mit nackter Gewalt meistert. Schwert, Axt, Armbrust und Schild werden alle mit einem anderen Button bedient und in Echtzeit gezückt, geschwungen, abgeschossen sowie vorgehalten, um die Angriffe von monströsem Gesocks (wie dem gemeinen Goblin, Skeletten oder infernalisch gackernden Todeshühnern) zu kontern.
Für die Präsentation des Comic-Gemetzels hat Hothead eine knallbunte Bilderbuchwelt gebaut, in der Bäume, Häuser und Dungeon-Pforten bloße Kulissen sind – ganz so, als hätte man sie aus einem Bogen Pappe geschnitten. Kurzum: "DeathSpank" sieht aus wie ein interaktives POP-UP-BUCH.
Für die Level-weise Steigerung der Charakterwerte setzen die Entwickler auf ein Spielkarten-artiges System: Bei jedem Stufenaufstieg dürfen wir eine neue Karten ziehen, die unserem Helden entweder bessere Statuswerte oder neue Fähigkeiten beschert.
Obwohl Gilbert einmal mehr mit einer humoristischen Breitseite, herrlich schrägen Dialogen und aberwitzigen Wortspielen brilliert (ACHTUNG: "DeathSpank" gibt's nur auf Englisch!), überzeugt sein Action-Rollenspiel nicht in jeder Hinsicht: Die an sich launige Pop-Up-Optik ist zu futzelig geraten, viele Details sind auch auf den zweiten und dritten Blick kaum erkennbar. Obendrein hat man sich so sehr darauf konzentriert, das Genre auf die Schippe zu nehmen, dass man seine wichtigsten Zutaten eher ungeschickt aufeinander abgestimmt hat und sich die für Action-Rollenspiele essentielle Sammelwut nur bedingt einstellt. Schade.
Unsere Wertung: 9 von 15 Punkten (befriedigend)
| Entwickler | Hothead |
| Anbieter | Electronic Arts |
| System | XBLA, PSN |
| Veröffentlichung | als Download verfügbar |
| Multiplayer | 1 - 2 (Koop, online) |
| Website | LINK |



