Gegen wen oder was… 

… kämpfe ich hier eigentlich? 

 

Feiertage oder freie Tage im eigentlichen Sinne kennt man ja gar nicht mehr, wenn man ein Objekt wie elektrospieler schmeißt… Die sind bald nur noch eine vage Erinnerung und "Urlaub" eine bedeutungslose Vokabel. Trotzdem nimmt man sich dann (oder an den "Wochenenden" - noch so ein komisches Wort) hin und wieder Zeit, um diejenigen Titel weiterzuspielen, die im Zuge des Test-Marathons bislang ungelöst im Archiv verwaisen. So kam es dieses Wochenende, dass ich nach dem Besuch von "Drachenzähmen leicht gemacht" (Um 17.00 Uhr. Ein extra pfundiges Dankeschön an die lieben Herrn Kinobetreiber, die mich als Animations-Film-Freak dazu verdammen, mich zur selben Zeit wie kreischende Gören und dämlich dreinschnatternde Mütter ins Kino zu quälen. Das ist fast noch besser als die biersaufenden Trottel, die sich ab 22.45 Uhr einfinden.) zunächst meinen "Dragon Age Origins: Awakening"-Spielstand (zwecks später folgendem, elektrischen Test) pflegte… und danach aus gänzlich privatlicher Vergnüglichkeit das leider noch immer nicht komplett durchdaddelte "Final Fantasy XIII" in die PS3 stopfte. Von den ohrenbetäubenden Sound-Knarzern, die meine arme PS3 immer häufiger verursacht, mal abgesehen, ist mir vor allem eins aufgefallen: Die drastischen Unterschiede zwischen westlichen und asiatischem Gegner-Design. Während ich bei "Dragon Age" vom europäischen Sagenschatz inspirierte Ungetüme und durchweg erdige oder zumindest ansatzweise 'erklärbare' Viecher vertrimme, kämpfe ich in "FF XVIII" gegen skurrile, von Leiterbahnen und Schläuchen überzogene Cyber-Dämonen mit synthetischer Haut und wackelnden Platinen-Ohren. Zugegeben: Für diese logische (aber zugegebenermaßen hervorragend präsentierte) Entgleisung liefern mir die "FF"-Designer immerhin eine (wenn auch äußerst fadenscheinige) Erklärung…

Die einheimische Fauna wurde im Rahmen biotechnischer Militär-Experimente vercyberstückelt. Aha.

Aber mal ehrlich: Waren die Gegner-Designs in japanischen Rollenspielen nicht schon immer reichlich bescheuert? Da brauche ich nur wahllos in meine Sammlung zu greifen – und ganz gleich, ob ich dabei eine SNES-Perle wie "Earthbound" oder ein PS2-RPG á la  "Shadow Hearts" zutage fördere… was immer ich darin auch bekämpfen mag, einer halbwegs logischen Betrachtung hält es ganz bestimmt nicht stand… ebenso wenig das Modell der vom restlichen Spiel losgelösten Kampfbildschirm-Arena, an dem japanische Spiel-Designer so verflucht hartnäckig festhalten. Während wir uns im Westen verzweifelt um konsistente Spielerlebnisse und stimmige Szenarien (möglichst frei von künstlichen Übergängen oder Grenzen) bemühen, pflegen die Japaner noch immer eine Tradition, die bei uns allenfalls noch historischen Wert hat und in die Pionierszeit des Rollenspiel-Genres gehört. Aber kann man den Japanern deshalb Rückständigkeit vorwerfen? Oder haben sie ganz einfach einen stärkeren Hang zur Abstraktion? 

Nun halte ich mich wirklich nicht für einen engstirnigen Spießer, aber wenn ich gegen Stuhlmonster, dämonische Holz-Enten oder bizarre, in keiner wie auch immer gearteten Welt lebensfähigen Gegner-Konstrukte (Marke Marshmallow-Mann macht Baby mit Godzillatrine, und die hatte Sex mit Ultraman) kämpfe, dann fragt sich mein "Dungeons & Dragons"-geprägtes Altrollenspieler-Hirn unwillkürlich "Was zum Teufel… ?". Nicht, dass "FF" & Co. deshalb weniger Spaß machen würden oder eine von Dämonen angeführte "Dunkle Brut" realistisch wäre… aber auffällig ist's dennoch… und fast schon ein Special wert? Oder? (rb)

 

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