KINO: KAMPF DER TITANEN

An dieser Stelle will ich Euch ausnahmsweise kein Spiel, sondern einen Film ans Herz legen – und zwar einen, der mir anders als vielen Pressekollegen vielleicht nicht ausnehmend, aber immerhin ziemlich gut gefallen hat: "Kampf der Titanen" schickt sich an, das Remake des gleichnamigen Kino-Spektakulums von 1981 zu sein, mit dem der große Effekt- und Stop-Motion-Magier Ray Harryhausen damals quasi seine Abschlussarbeit serviert hat. Die sollte gleichzeitig sein bis dato größtes Werk werden – aber leider wirkten rucklig animierte Pappmache-Figuren schon Anfang der 80er antiquiert, das Kino-Publikum war mittlerweile "Star Wars"-verwöhnt. Für eine verspätete Klamotte im Stile eines "Sindbads siebte Reise" oder "Jason und die Argonauten" ließen sich nur noch wenige begeistern. Aber sei's drum: Unter Stop-Motion-Fans genießt diese Klamotte damals wie heute Kultstatus – markiert sie doch das Ende einer Ära… einer Ära, die eigentlich schon Jahre früher endete, aber hier mit viel Nachdruck ein letztes, liebevoll inszeniertes Denkmal erhielt. 

Das Ergebnis ist damals wie heute eine wilde Achterbahnfahrt durch die Sagenwelt der Antike, bei der Mythen, Epochen und Kulturkreis fast schon willkürlich gemixt werden, damit sie sich einmal mehr um die Mär von Medusen-Metzler Perseus und Andromeda gruppieren dürfen. Wie schon 1981 wird das Meeres-Ungetüm Ketos zum vielzahnigen, kilometerhohen und tentakelpeitschenden Kraken. Anders als früher ist man diesmal zumindest so korrekt, uns das possierliche Tierchen nicht als Titanen zu verkaufen – tatsächlich werden wir bereits im Film-Intro darauf hingewiesen, dass die Titanen Väter und Mütter der olympischen Götter (also die Schöpfer der Schöpfer) waren, und keine wildgewordene Platte Meeresfrüchte. 

 

Erstaunlich ist, wie der neue "Clash of Titans" die Elemente alter Sandalen-Trash-Movies mit der Erzählweise der Sagen vermischt: Regisseur Louis Leterrier zeichnet hier aller Effekthascherei zum Trotz ein angenehm unaufdringliches Bild der monsterbewehrten Antike. Sein Abenteuer ist zwar tragisch, leidet aber niemals unter jener Überdosis Kitsch und künstlichem Pathos, den wir inzwischen schon als natürlich hinnehmen, wenn wir Hollywood-Kino schauen. Darum widerspricht der Film unseren natürlichen Sehgewohnheiten und lässt uns zunächst verwirrt zurück, wenn er uns mit seiner fast schon unpersönlichen und erkalteten Welt konfrontiert. Tatsächlich schlägt er aber geradezu virtuous die Brücke zwischen Sagenwelt, Sandalenfilm und modernem Effektkino.

 

Überdies ist er herrlich konsequent: anders als sein Vorbild, bei dem Perseus & und seine Gefährten die Hilfen der Götter dankbar annahmen, erzählt Leterrier hier von der Emanzipation des Menschen als eigenständige Spezies, die sich von ihren urgewaltigen Schöpfern lossagen möchte (hier ist "Der Kampf der Titanen" mit dem unlängst erschienenen "God of War 3" verwandt), dabei aber nur Erfolg haben kann, wenn sie sich ausgerechnet derjenigen Kräfte bedient, die sie so sehr hasst – olympischer Kräfte, die im Halbgott Perseus schlummern. Die Menschen skizziert der Regisseur als sklavische Horde, deren Angehörige gerade erst ihr Potential zur Invidualität erkennen, und die es gewöhnt sind, das Denken den Göttern zu überlassen – darum sind seine Helden blass, unpersönlich und in weitestgehend triste Fummel gewandet, während ihre Schöpfer in einem metaphorischen Himmel gleißende, güldene Rüstungen auftragen und wie unumstößliche Säulen auf Sockeln stehen, während Göttervater Zeus auf einem Ebenbild der Welt herumtrampelt und mit jedem Schritt Wolkenschichten teilt. 

 

Alles in allem ein Bild der Sagenwelt, das nicht jeden zufriedenstellt, das aber in jedem Fall willkommener ist als der xte Bruckheimer'sche, streng nach Action-Fokusgruppe gestrickte Schwachsinn. 

 

Davon abgesehen bietet "Der Kampf der Titanen" nicht weniger als den bisher coolsten Medusen-Kampf der Filmgeschichte und einen angenehm ungewöhnlichen Hades. 

 

Alles in allem anders - und zumindest mir deshalb höchst willkommen. (rb)

 

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