Eindrücke von der Gamescom 2010, Teil 1

Laut, schrill, bunt und voll: Das ist die weltweit größte Spielemesse, wie vor allem die Fans sie kennen, wenn sie sich vier Tage lang und zwischen abertausenden von anderen Zockern durch die Hallen quetschen, um Demos und Merchandise-Goodies abzugreifen oder sich schlicht einen Eindruck von dem zu verschaffen, was in den kommenden Monaten gespielt wird. Wir geben gerne zu, dass wir als ausgesprochene Klaustrophobiker nur die ersten drei Tage der Messe mitgenommen und noch vor dem Wochenende (also zur Zeit des größten Besucheransturms) Fersengeld gegeben haben. Einen Eindruck vom sog. 'Showfloor' (also demjenigen Areal, zu dem jedermann Zugang hat) haben wir uns vor allem am Mittwoch verschafft. An diesem Tag wurden wie jedes Jahr nur Fachbesucher, Aussteller und Presse eingelassen – man konnte sich also in (zumindest relativer) Ruhe einen Eindruck von dem verschaffen, was den weiter unten Fans präsentiert wird. An den darauf folgenden Tagen tummelte man sich als Medienvertreter vorzugsweise in der nur mit speziellem Pass zugänglichen 'Business Area', um Terminen nachzugehen, alte Bekannte aus der Branche zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen und natürlich den zahlreichen exklusiven Spiele-Präsentationen beizuwohnen, die meistens von den Entwicklern höchstpersönlich begleitet worden sind. 

Trotzdem haben wir uns auch Donnerstag und Freitag oft genug auf den 'Showfloor' gewagt, um über zumindest eines stutzig zu werden: Die Angewohnheit der Publisher, ihre interessantesten und begehrtesten Titel fast ausschließlich im Rahmen exklusiver Präsentationen vorzuführen. Die fanden meist im Stunden- bzw. Halbstunden-Takt statt und boten nur einer sehr beschränkten Zuschauerzahl Platz. Entsprechend waren sämtliche Vorführungen brechend voll – und vor ihren Pforten warteten ganze Scharen von Fans sehnsüchtig darauf, eingelassen zu werden. Wartezeiten von bis zu vier Stunden waren da keine Seltenheit. Verständlich also, dass nicht wenige Besucher ihrem Unmut über diese Taktik lautstark Luft gemacht und nicht nur lange Gesichter gezogen haben. Auf diese Weise konnte der jeweilige Publisher zwar den Exklusivitäts-Charakter des Produkts steigern – aber bedenkt man, dass es bei der Messe vor allem darum geht, die künftigen Titel einem möglichst großen Personenkreis schmackhaft zu machen, dann erscheint diese Taktik zunächst wenig sinnvoll.

 

Nun war unser Team 'hinter den Kulissen' vor allem mit Kontaktpflege und Entwickler-Gesprächen beschäftigt – aber trotzdem hat die Zeit gereicht, der Präsentation einiger Highlights beizuwohnen. 

 

Hier unsere Favoriten:

 

Bioshock Infinite

Diese Fortsetzung von 2K's prominentem Ego-Shooter-Adventure ist eigentlich eher ein Prequel und ist zwischen 1900 bzw. 1915 angesiedelt. Statt einer Unterwasser-Metropole erkunden wir hier eine noch skurrilere Luftstadt, die mit Hilfe von gigantischen Ballons und Propellern zwischen bzw. über den Wolken schwebt (wir fühlten uns unwillkürlich an Jule Vernes "Propellerinsel" erinnert) Einmal mehr bestimmen genetisch veränderte Freaks und ihre Psi-Fähigkeiten das Bild, obendrein kam allem Anschein nach eine neue und wesentlich leistungsfähigere Engine zum Einsatz. Leider erscheint der Titel erst in etwa zwei Jahren... und zwar für PC bzw. die beiden NextGen-Konsolen.

 

Assassin's Creed Brotherhood

Obwohl wir uns das Konzept einer Multiplayer-orientierten Gruppen-Meuchelei zunächst etwas skeptisch gestimmt hat (immerhin sind Assassinen für gewöhnlich alleine unterwegs), macht auch dieser Teil der erfolgreichen Verschwörungs- und Mittelalter-Abmurks-Serie eine überragend gute Figur. Held ist einmal mehr der aus Teil 2 bekannte Ezio, der hier an der Seite einer ganzen Meuchelmörder-Armee ebenso große Templer-Truppen konfrontiert.

 

3DS

Nintendos Nachfolger zum aktuellen Hosentaschen-Primus war ohne Frage das Highlight der Messe, von dem jeder sprach. Obwohl außer spielbaren 'First Look'-Versionen von "Pilot Wings" und dem neuen "Nintendogs" nur selbst laufende Demos zu sehen waren, hat das kleine Schmuckstück so ziemlich jeden im Sturm erobert. Erste Impressionen aus einem neuen "Metal Gear Solid" bzw. "Resident Evil" haben uns ebenso aus den polierten Schühchen gehauen wie die furiose Rückkehr von "Kid Icarus", eine Mario-lastige Tech-Demo und ein "CSI"-artiges Ermittler-Adventure. Sämtliche Demos waren in Echtzeit berechnet und erlaubten den 'Eingriff' per Analog-Controller (erinnert ein wenig an den entsprechenden Steuer-Knubbel der PSP)... und zwar zur Justierung des 3D-Blickwinkels. Auf diese Weise konnten wir uns einen perfekten Eindruck von den stereoskopischen Effekten verschaffen – und die wussten allesamt zu überzeugen. Bei "Metal Gear Solid" und "Resident Evil" fielen uns dezente Geisterbilder auf – doch die ließen sich mit Hilfe des stufenlosen Stereoskopie-Reglers ausmerzen: Einfach den Regler einen Tick nach unten (also weiter in Richtung "ohne 3D-Effekt") schieben – dann ist die Plastizität noch immer überragend und das Bild gleich klarer. 

Zur technischen Leistungsfähigkeit des Geräts: insbesondere "Resident Evil" und "MGS" schienen ihren aktuellen NextGen-Episoden in kaum etwas nachzustehen. Tatsächlich wirken Polygon- und Bildauflösung bzw. Textur-Detailstufe auf dem kleinen Screen derartig hoch, dass man zunächst das Gefühl hat, eine Hosentaschen-PS3 bzw. -Xbox360 mit tollem 3D-Effekt in der Hand zu halten. Was das Gerät wirklich kann, bleibt abzuwarten – auf alle Fälle übertrifft es nicht nur die technischen Fähigkeiten einer PSP, sondern auch die einer Wii. Hier steht uns ganz klar Großes ins Haus. Schön außerdem, dass auch Zocker mit Sehproblemen ein tolles Erlebnis kredenzt bekommen – sie müssen zwar auf die Stereoskopie verzichten, aber auch ohne aus dem Display ragende Dino- und Hundeschnauzen bzw. plastische Wummen ist der Eindruck toll.

 

Castlevania: Lords of Shadow

Mit seiner einstigen Vorzeige-Serie "Castlevania" hatte Konami seit dem Wechsel zur 3D-Grafik nicht viel Glück. Entsprechend hat man die Entwicklung jetzt keinem japanischen Inhaus-Team mehr überlassen, sondern in die Hände eines spanischen Entwicklers gegeben. Das in Madrid beheimatete Team von 'Mercury Steam' ist u.a. für den Clive-Barker-Shooter "Jericho" verantwortlich, jetzt liefert man mit "Lords of Shadow" Effekt- und Kombo-geladene Hauruck-Action mit einem Hauch von Action-Adventure, die zumindest mehr als nur dezent an Capcoms "Devil may cry" erinnert, aber atmosphärisch eine höchst eigenständige und ausgesprochen eindrucksvolle Figur abgibt. Allerdings war der furios präsentierte Titel zumindest spielerisch auf der Messe eher schwer zu beurteilen, denn die Kontrollen sind komplex und die Gegner knackig. 

 

 

Weitere Messe-Highlights folgen!

 

 

Eindrucksvoll: "Kid Icarus Uprising" auf dem 3DS. Auf dem oberen Screen gibt's stereoskopische 3D-Grafik, den unteren Screen befingern wir wie gewohnt mit dem Stylus.
Eindrucksvoll: "Kid Icarus Uprising" auf dem 3DS. Auf dem oberen Screen gibt's stereoskopische 3D-Grafik, den unteren Screen befingern wir wie gewohnt mit dem Stylus.

 

 

 

Wird nicht in Japan, sondern in Spanien entwickelt und erinnert spielerisch an "Devil may cry": Das visuell imposante "Castlevania: Lords of Shadow"
Wird nicht in Japan, sondern in Spanien entwickelt und erinnert spielerisch an "Devil may cry": Das visuell imposante "Castlevania: Lords of Shadow"

 

 

 

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