Eindrücke von der Gamescom 2010, Teil 5

Hunted – The Demon's Forge (PC, Xbox 360, PS3):

Früher sind wir in "Bard's Tale" bzw. "Wizardry", wenige Jahre später mit "Dungeon Master" und "Eye of the Beholder" durch Fantasy-Dungeons gekrabbelt, um tüchtig Monsterpelze zu versengen oder zu versohlen. Zu dieser Zeit blätterte die Pseudo-3D-Grafik Schritt für Schritt um, Polygone gab ebenso wenig wie all die anderen Annehmlichkeiten einer modernen 3D-Welt. Immerhin durften wie bei "Dungeon Master" und "Eye of the Beholder" bereits in Echtzeit das Schwert schwingen, Feuerbälle schleudern oder das vom Boden auflesen, was die derart besiegten Monster hinterließen. 

 

Aber wie hätten die Dungeon-Crawler dieser Epoche ausgesehen, wenn die Designer bereits auf die technischen Möglichkeiten von heute hätten zurückgreifen können? Vermutlich hätten sie ausgesehen wie "Hunted" – denn das stammt von keinem geringeren als von Interplay-Mitbegründer und "Bard's Tale"-Miterfinder Brian Fargo. Stellt Euch ein mittelalterliches "Gears of War" vor und ersetzt zumindest einen der Bodybuilder durch ein blähbusiges, rolliges Elfenweibchen. Letzteres spickt schmierige Orks und Goblins am liebsten mit Pfeilen oder haut ihnen aus sicherer Entfernung ein paar gesalzene Angriffszauber um die Ohren, während der Mann fürs Grobe mit gezücktem Bihänder vorneweg prescht und Köpfe rollen lässt. Das funktioniert entweder alleine und mit einem KI-Kameraden oder als vollwertiges Multiplayer- bzw. Koop-Gespann. Wie in "GoW" verkrümeln wir uns beim Fernkampf am liebsten hinter einer Schutz verheißenden Deckung – wie z.B. einem feuchten Mäuerlein oder einem umgestürzten Karren. Aktuell macht das dezent mit RPG-Elementen garnierte Action-Fest besonders grafisch eine imposante Figur. Definitiv ein Titel, den sich Fantasy-Fans vormerken – vorausgesetzt, sie scheuen keine handfeste Keilerei.

 

 

Gray Matter (Xbox 360, PC):

Das neue Point'n'Click-Adventure von "Gabriel Knight"-Autorin Jane Jensen geistert schon lange als Ankündigung durch die Presse – jetzt steht es (endlich) kurz vor seiner Veröffentlichung. Allerdings sind die Helden – der Neurobiologe Styles und die süße Jahrmarkts-Zauberin Samantha – nicht mehr wie auf den ersten Screenshots gezeichnet, stattdessen agieren jetzt polygonale Protoganisten vor vorgerenderten Kulissen. Allerdings sind die Figuren inzwischen dermaßen detailliert und stilvoll (ganz anders als die groben 3D-Trolle, die wir zwischenzeitlich in div. Trailern zu sehen bekommen haben), dass ihr dreidimensionales Naturell der Atmosphäre keinen Abbruch tut. Und die lebt nicht zuletzt von der herrlich schwermütigen Geschichte: Weil Dr. Styles seine bereits in jungen Jahren verstorbene Frau aus dem Reich der Toten zurückholen will, hat er sich ganz der Jenseits-Forschung verschrieben… und ist zu einer verschrobenen, weltfremden, gefürchteten Gestalt geworden. Die junge Samantha dagegen will eigentlich einer Gilde aus Trick-Magiern betreiten, macht dann aber einen Zwischenstopp bei Styles, um sich als dessen neue Assistentin auszugeben und sich so ein paar Groschen für ihre Reisekasse zu verdienen. Ein besonderes Feature sind ihre Zauberkunststücke, die wir Minigame-artig streng nach Zauberbuch ausführen und die z.B. dabei helfen, andere abzulenken. 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0