Treffen der Comic-Kosmen: Das neue "Kingdom Hearts" ist da…

… oder präziser: es kommt – und zwar am 10. September. Wir haben die Preview-Version auf dem Tisch und nehmen die neue Disney/Square-Enix-Mixtur schon jetzt unter die Lupe. 

Nach wie vor gilt: Wenn "Final Fantasy"-artige Wuschelköpfe durch Disney-Szenarien wetzen, dann scheiden sich die Geister. 

Dem einen dreht's bei so viel westlich-japanischem Zuckerguss den Magen um, der andere würde sich die süße Mixtur am liebsten intravenös verabreichen. 

Fest steht: Die "Kingdom Hearts"-Reihe unter der Regie von "Final Fantasy"-Charakter-Designer Tetsuya Nomura ist erfolgreich genug, um nach zwei PS2-Episoden, einem GBA-Spinoff und einem DS-Ableger ihre inzwischen fünfte Inkarnation zu erleben. Die erzählt die Vorgeschichte zu den beiden 'großen' "Kingdom Hearts" und versetzt uns in die Rolle eines Keyblade-Kämpfers: Die süße Magierin Aqua, der verwegene Kämpfer Terra und Wuschelkopf Ventus stehen zur Auswahl – und alle drei erleben ihr ganz eigenes Abenteuer (auch wenn sich die Handlungsstränge dann und wann überschneiden). Worum es geht? Der Geheimbund der 'Keyblades' soll die Disney- und "Final Fantasy"-Universen vor der Dunkelheit bewahren. Doch als die böse Magierin Malefiz Wind davon bekommt, dass sie mit dem Licht der Disney-Prinzessinnen ihre eigene, unheilvolle Macht steigern kann, ist es um die Ruhe im Entertainment-Universum geschehen.

Terra und Aqua werden ausgesandt, um nach dem Rechten zu sehen – der blutjunge Ventus wiederum will seinen Freunden helfen und heftet sich auf eigene Faust an ihre Fersen.

 

Spielkonzept und Kontroll-Mechanismen der beliebten Reihe wurden fast eins zu eins auf die neue Episode übertragen und um einige zusätzliche Features erweitert – darunter z.B. die Möglichkeit, einen 'D-Link' mit einem anderen Charakter herzustellen, um im Kampf von dessen Fähigkeiten und Lebensenergie zu profitieren. Ansosten durchstreifen wir gewohnt geradlinig gehaltene Disney-Welten, verdreschen dabei tüchtig Schattenwesen und entscheiden mit Hilfe eines Echtzeit-Menüs, welche Talente, Angriffs-Specials und Gegenstände wir einsetzen. Das ist zwar mitunter ein bisschen hektisch, aber dafür birgt der Titel einmal mehr ein ganzes Füllhorn taktischer Möglichkeite, mit dessen Hilfe besonders geduldige Menü-Tüftler selbst den hartnäckigsten Obermotz in den Griff bekommen.

Highlight sind einmal mehr die detailreich und vorlagengetreu umgesetzten Disney-Szenarien: So atemberaubend schön waren "Aschenputtel", "Dornröschen", "Schneewittchen" und all die anderen Disney-Mädels schon lange nicht mehr. 

 

Wie viel Sinn die Kombination dieser beiden scheinbar so fremden Comic-Kosmen macht, das muss jeder für sich selbst entscheiden: Fest steht, dass die beiden Firmen bei näherer Betrachtung mehr gemein haben als man zunächst denkt. Beide stehen in ihrem Segment für sauberes, familientaugliches und gefühlsbetontes Entertainment ohne große Gewaltexzesse. Und wer zunächst denkt, es gäbe kaum jemanden, der beide Marken schätzt, der liegt falsch. Eigentlich braucht man nur einen Blick ins Cosplay-Lager zu werfen: Die Anzahl schöner Damen, die sich dort ebenso gerne in die Fummel begehrter Disney-Prinzessinen wirft wie in die prominenter "Final Fantasy"-Schönheiten, ist erstaunlich groß, die Akzeptanz von "Kingdom Hearts" sowieso unbestritten. Nicht umsonst gibt es hier Performance- und Show-Gruppen, die als "Organization XIII" die Bühne betreten und zum "Kingdom Hearts"-Titelthema abzappeln. Bedenklich finden wir dabei eigentlich nur, dass auch hier Girlie-Tugenden wie schicke Outfits, schöner Schmuck und schöne Menschen eine inzwischen größere Rolle zu spielen scheinen als das Game an sich. Das funktioniert zwar auch als Spiel hervorragend, bietet aber eben nicht ganz die Sorte Tiefgang, die sich ausgesprochene RPG-Experten von einem Rollenspiel erhoffen. Nähert man sich der Serie jedoch mit der Erwartung, die grandios präsentierte Aufbereitung und Reflektion von zwei lieb gewonnenen Unterhaltungs-Universen zu bekommen, dann ist "Kingdom Hearts" ein Fest.

Schade nur, dass die Handlung inzwischen all zu sehr 'gewuchert' ist: War das erste "KH" vor allem ein kunterbunter, liebenswürdiger und erzählerisch eher unschuldiger Comic-Reigen, wimmelt es inzwischen nur so von Verschwörungen und selbstreferenziellen Zitaten, bei denen sogar diejenigen Serien-Fans Probleme bekommen, die alle Episoden gespielt haben. Hier noch durchzusteigen, das scheint uns eine ähnliche große Aufgabe zu sein wie das Durchspielen an sich. Denn nach wie vor ist "Kingdom Hearts" trotz seines unschuldigen Äußeren alles andere als Leichtgewicht: wer in "Birth by Sleep" alle Handlungsstränge und Extras sehen möchte, der hat ein gehöriges Stück Arbeit vor sich und muss den Titel zumindest auf 'Normal' durchzocken, denn sonst bleibt ihm so manch interessantes Extra vorbehalten. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0