SCHATTENSPIELE: BLUE DRAGON FÜR DIE HOSENTASCHE

Die Geschichte rund um Shu und Co geht weiter, doch diesmal ziehen wir mit einem generischen Helden ins Abenteuer: Im zweiten DS-Ableger von Mistwalkers Rollenspiel-Reihe basteln wir uns den Charakter also selber. 

 

Nach der Erschaffung unseres polygonalen Konterfeis wacht letzteres in einem unterirdischen Labor auf – Genre-typisch ohne jede Erinnerung an die eigene Vergangenheit. Wieder auf der Oberwelt, erfahren wir, dass die Bewohner der kuscheligen Fantasy-Provinz ihre magischen Schatten eingebüßt haben –  denn in der "Blue Dragon"-Welt führt das, was das Sonnenlicht auf die Wand bzw. den Boden schmeißt, ein übernatürliches Eigenleben. Diese 'dämonischen Blaumänner' stehen ihren Besitzern sonst mit Rat, Tat und mystischen Fähigkeiten zur Seite – doch jetzt sind die hilfreichen Dschinn auf einmal futsch.

 

Einzig unser Alter Ego hat noch immer seinen magischen Schatten: warum, das sollen wir im Laufe des Abenteuer herausfinden. Wieder mit von der Partie ist das aus dem Xbox360-Erstling bekannte Trio Infernale: Großmaul Shu, die süße Klug und der stille Giro – allerdings spielen die drei diesmal nicht die erste Geige, die Hauptrolle wird an unsere namenlose Eigenkreation abgegeben. 

 

Anders als im großen "Blue Dragon" wird nicht Zug um Zug, sondern in Echtzeit gefochten: Dabei ist das Kampfsystem deutlich gelungener als beim ersten DS-Ableger der Serie – auch wenn wir uns für die Zukunft schlauere KI-Mitstreiter wünschen. Außer den gewohnt mittelalterlichen Mordwerkzeugen gibt's auch wieder futuristische Geschosse – ebenso wie die Schatten unserer Gruppenmitglieder, die wir bereits nach kurzer Einspielzeit wieder heraufbeschwören dürfen. 

 

Letztere sind es dann auch, die in "Blue Dragon: Awakened Shadow" die erste Geige spielen: statt der Charaktere trainieren wir unsere übernatürlichen Kampfgefährten – denn während die menschlichen Kollegen im Team häufig wechseln, bleiben die Schatten immer dabei.

 

Wie schon der direkte Vorgänger ist auch "Awakened Shadow" komplett in 3D gehalten – darum fallen viele Figuren und Objekte DS-typisch grob und pixelig aus. Obendrein fehlt es der Schatten-Hatz an Charme und Individualität: so heimisch wie in der schnieken "Dragon Quest 9"-Welt fühlen wir uns hier nie – obwohl wie beim Square-Enix-Titel Charaktere und Monsterchen aus der Feder von Kult-Pinsler Akira Toriyama stammen.

 

Positiv aufgefallen ist uns die erfreulich unkomplizierte Handhabe des Hosentaschen-Rollenspiels: Wir schubsen unser Konterfei und seine Mitstreiter entweder per Digi-Kreuz oder mit dem Stylus-Pen herum – beides funktioniert sowohl bei Erkundung der Spielwelt als auch im Kampf hervorragend. Während sich Fans des Originals über die Umstellung des Kampfsystems ärgern, finden Genre-Neulinge jetzt umso leichter rein – zumindest Steuerungs-seitig. Denn: Ein stattliches Portfolio aus Spezialtalenten, Zaubern und Gegenständen verlangt uns einiges an Vorausplanung ab. Obendrein ist das Menü-Dickicht nicht immer durchschaubar: Bis wir die Zuteilung von Schatten, Ausrüstung und Talenten im Schlaff beherrschen, gehen einige Stunden ins Land.

 

Wer unbedingt wissen will, wie die Erzählung von Shu & Co. weitergeht, der riskiert einen Blick – alle anderen sind mit "Dragon Quest 9" und dem für Dezember anstehenden "Golden Sun" besser beraten. (Yvonne Fürnstahl)

 

 

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