TEST: Dead Island

Tote Hose auf der Insel der Toten

(PC, Xbox 360, PS3)

 

Eine Bande vergnügungssüchtiger Urlauber erlebt auf einem vermeintlichen Ferien-Paradies den reinsten Horror: Was eine chillige Party unter Palmen werden sollte, entwickelt sich zum Massaker, als untote Horden über die Gäste herfallen und jeden zerfleischen, der ihren (übelriechenden) Dunstkreis kreuzt. Man kennt das ja schon: Knurrende Zombies, die ihren Opfern das Fleisch von den Knochen nagen und sich an ihren offen liegenden Innereien gütlich tun. Stinkende, von Fliegen umsurrte Leichenberge. Und infizierte Tote, die ihren vergammelten Kadaver auf der Suche nach Menschenfleisch durch die Pampa schleppen, obwohl ihre Gebeine eigentlich stumm und reglos in der Sonne bleichen sollten.

 

Das Zombie-Standard-Programm also – seitdem es Genre-Meister Romero aus der Voodoo-Ecke in die Sozialkritik transportiert hat. Zombies im Kaufhaus (oder eben Zombies auf der Ferieninsel) symbolisieren die Konsumwut, Vergnügungssucht und Dekadenz der modernen Gesellschaft bzw. das hirn- und willenlose Monstrum, das sie aus uns machen. Kein Wunder also, dass der gemeine Zombie von einem unstillbaren Hunger geplagt wird – dem Hunger nach Hirn!

 

Von diesen systemkritischen Untertönen indes ist in "Dead Island" nichts zu spüren, auch Horror und Suspense kommen erschreckend kurz. Keine Schockmomente, keine Schauerstimmung, keine Grusel-Effekte: Techlands Ego-Shooter/Rollenspiel-Mix ist ebenso brav wie öde und erlaubt sich derart fatale Stimmungstöter, dass es Genre-Fans Tränen in die Augen treibt: Erfahrungspunkte und Waffen-Bastelei (die für ein Horrorspiel eigentlich undenkbar sind, weil sie ihm zu viel Tempo nehmen) mögen im Online-Modus noch als wertvolles Open-World-Beiwerk durchgehen, aber die Genesung durch den Verzehr von 'Snacks' und Energy-Drinks ist selbst dann unverzeihlich, wenn man sich darum bemüht, das wahrhaft hirntote Gemetzel als Persiflage zu interpretieren.

 

 

Punkten kann "Dead Island" durch das wunderschöne Inselparadies, das besonders auf dem PC und unter höchster Detaileinstellung für virtuelle Urlaubsstimmung sorgt. Angenehm unansehnlich dagegen sind die entstellten und (stink)fauligen Zombies, die stöhnend zwischen Ferienhütten, Cocktail-Bars, Swimming-Pools bzw. Umkleidekabinen umher torkeln und mit viel Hackebeil-Schwung genüsslich zerteilt werden wollen.

Doch rechte Gruselstimmung will aller ekligen Detailverliebtheit zum Trotz nicht aufkommen, im Grunde fungieren die Zombies nur als zerstücklungswürdigere Platzhalter für normal-menschliche Widersacher.

 

Wer zusammen mit seinen Freunden einen effektvoll inszenierten Open-World-Shooter mit viel Upgrade-Spielerei und Erfahrungsstufen genießen will, der ist hier vielleicht richtig – auch wenn er sich darüber ärgern wird, dass Genosse Zombie parallel zu den Helden mit-levelt… und die EP-Sammelei damit nahezu hinfällig macht (der "Oblivion"-Design-Fehler also). Wer sich dagegen gepflegt und vor allem alleine in verdunkelter Zocker-Kemenate fürchten will, der nimmt vom Kauf Abstand, denn Horror-seitig ist "Dead Island" ein unbeholfenes Kasperle-Theater, zusätzlich sabotiert von der dürftigen Helden-Animation und hölzernen Sequenzen, die den grandiosen "Epic Trailer" (siehe unten) weder technisch noch inszenatorisch erreichen.

 

Techland sollte sich endlich darum bemühen, das jeweils versoftete Film-Genre ordentlich zu erforschen und zu VERSTEHEN, bevor man es völlig verkehrt zitiert.

 

Unsere Wertung: 8 von 15 (befriedigend)

 

 

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