"Unreal Engine 4" wird Hardware-hungrig

Bereits im Laufe des vergangenen Jahres ging Technologie-Papst Epic mit einer imposanten Demo hausieren, die das Potential der nächsten "Unreal Engine" zeigen sollte  – u.a. in der Hoffnung, ein Ableben der aktuellen und fast schon vergreisten Hardware-Generation beschleunigen zu können. Epic hat bekanntgegeben, die fertige "Unreal Engine 4" noch dieses Jahr zu präsentieren. Im Rahmen des 'Dice Summit 2012' erklärte Epic-Chef Tim Sweeney, dass für die Darstellung 'perfekter' fotorealistischer Grafik eine Rechenleistung von fünf TeraFLOPS pro Sekunde fällig wäre – das von Epic bereits vergangenes Jahr gezeigte "Samaritan"-Demo dagegen benötigte 'nur' 2,5 TeraFLOPS und wäre auf aktuellen Videospielkonsolen trotzdem nicht mal ansatzweise realisierbar. Gamestar.de spekuliert anhand dieser Zahlen über die potentielle Rechenleistung der kommenden Konsolen-Generation: Die Xbox 360 bspw. beherrsche nur schwachbrüstige 0,25 TeraFLOPS und wäre modernen Spiele-PCs damit gnadenlos unterlegen. Um mit dem Rechner gleichziehen zu können, auf dem Epic seine Demo zeigte, müsste die nächste Generation wenigstens über die zehnfache Leistung der aktuellen Daddel-Gerätschaften verfügen. Obwohl Epic selber kein Hardware-Hersteller ist, so hat man doch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die technische Entwicklung: Als der 3D-Engine-Lieferant Nummer 1 bestimmt man die kommende Generation von Entwickler-Tools maßgeblich, vor allem in Hinblick auf die für Drittanbieter essentielle Multiplattform-Strategie ist die Performance der Epic-Software essentiell. Entsprechend hat man die Position, um auf die Entwicklung neuer Hardware einen gewissen Druck auszuüben oder zumindest die damit verbundenen Notwendigkeiten aufzuzeigen und auf Drittanbieter-Seite für eine 'gesunde Mobilmachung' zu sorgen. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Chräcker Heller (Montag, 13 Februar 2012 18:10)

    So sehr mich solche Engines theoretisch begeistern: ich bin eigentlich heilfroh, das die Grossen drei noch ihre "veralteten" Konsolen am Markt halten. So laufen die Spiele alle auch auf meinem PC, den ich vielleicht das erste mal länger als drei Jahren "am Stück" unaufgeschraubt lassen durfte.

    Klar ist es toll, wenn eines Tages in jedem Tautropfen sich die ganze Welt perspektivisch verzerrt darstellen lässt und wirklich jede Schneeflocke einzeln berechnet wird um dann eine individuelle Schneedecke zu bilden, aber: wichtig für gefühlte 99% aller Spiele ist das nicht wirklich, finde ich.

  • #2

    Robert Bannert (Montag, 13 Februar 2012 21:04)

    Zweischneidiges Schwert: Ein langer Konsolen-Lebenszyklus hat auch einiges für sich – z.B. für die Entwickler, die nicht wieder in neue Tools, Technologie usw. investieren müssen und die etablierte Technik bedienen können, an die sie sich gewöhnt haben. Aber irgendwann ist immer ein Punkt erreicht, an dem man sich am aktuellen Standard satt gesehen hat und der PC gegenüber den Konsolen so weit vorangeschritten ist, dass einfach etwas passieren MUSS, damit sich beide Seiten wieder einander annähern. Aktuell häufen sich einfach diejenigen Spiele, die auf dem PC VIEL besser aussehen und selbst mich alten Hardcore-Konsolero dazu bewegt haben, den Gaming-PC wie eine Konsole an den HDTV zu stöpseln und das XBox-seitige Gamerscore-Sammeln zugunsten der deutlich schöneren PC-Versionen zu unterlassen. Gerade für Multiplattform-Hersteller ist es wichtig, wenn sich die Plattformen Performance-seitig nicht zu weit voneinander unterscheiden – und momentan wollen PC-Spieler eben immer mehr Titel und Features sehen, die ihre Investition in einen teuren Gaming-PC rechtfertigen… verständlich. Umgekehrt gibt es Marken, die klassisch vom PC kommen und dort richtig gut performen müssen, aber heute gleichzeitig den Konsolenmarkt mitnehmen müssen – was ziemlich schwer fällt, wenn diese Plattform so viel schwächer ist. Dann ist der Port entweder kacke – oder man muss extra viel Geld reinstecken, um ihn trotz schwächerer Hardware aufzuhübschen.

    Und mal ehrlich: Viele Genres leben einfach vom grafischen Fortschritt – und da sind Xbox 360 bzw. PS3 einfach am Limit des Machbaren angekommen. Wie viele "Call of Duty"- oder "Gears of War"-Episoden brauche ich denn noch… wenn sie nicht dadurch überzeugen, dass sie viel, viel besser aussehen als ihre Vorgänger? Grafik ist nun mal ein zentrales Verkaufsargument – das lässt sich bei Blockbustern insb. aus dem Action-Genre einfach nicht weg diskutieren. Und ich glaube, die Leute wollen jetzt langsam wieder eine Steigerung sehen.

  • #3

    Chräcker (Mittwoch, 15 Februar 2012 08:10)

    Hehe, genau daraus knüpf ich ja eine etwas andere Arguementenkette. Wenn sich diese ganzen Megaserien fast nur dadurch unterscheiden, das noch mehr verschiedene Palmwedel in ihre eigene Richtung wackeln, dann kann an dem Spiel selbst nicht so viel dran sein.

    Ich kann den grundsätzlichen Hintergrund natürlich verstehen, aber ich denke dann: wie viel wohltuender ist es doch, aktuelle Spiele spielen zu können und dennoch Geld für andere schöne Dinge übrig zu haben. Das mag die paar, die neue Grafikkarten (berechtigt) für sich schon attraktiv finden, wenig überzeugen, aber ich gehe lieber dazu noch gut essen oder kauf mir ein nettes neues Objektiv oder fahre davon übers Wochenende mal weg. Und konnte in den letzten Jahren dennoch "neue Spiele" spielen. Weil der Markt hier eben stagnierte.

    ABER: ich kann es ja grundsätzlich verstehen und es wird eine neue Investitionsrunde kommen müssen. Nur für mich bräuchte es das nicht. (und ich sage mal wertend: die Spiele brauchen es meist auch nicht... und klar: wenn ich EIN Spiel mit einfacherer Grafik habe, und das selbe Spiel mit besserer, nehme ich auch letzteres...)