Angespielt: "Prototype 2"

"Prototype"-(Anti-)Held Alex Mercer dankt im zweiten Teil ab… zumindest fast. Bei einem Anspiel-Termin in München durften wir uns von den Qualitäten des neuen Alter Egos überzeugen: Der stämmige und stilecht kahl geschorene Afroamerikaner James Heller will sich eigentlich an Mercer rächen, weil er den mutierten Mordbuben für den Mörder seiner Familie hält. Die erste Konfrontation zwischen den beiden endet mit der Infektion Hellers durch Mercer – und damit, dass der ursprünglich vom Rachedurst getriebene Sergeant unweigerlich erkennen muss, dass auch Mercer nur ein Opfer ist (oder so ungefähr). Ab sofort hält sich Mercer selber im Hintergrund, während er die grobe Arbeit Heller überlässt: Dessen übernatürliche, bionisch gepimpte Talente gleichen denen seines 'Schöpfers' aufs Haar (wenn er denn welche hätte…), d.h. er geht buchstäblich die Wolkratzerwände hoch und gleitet wie ein Flughörnchen durch die Häuserschluchten, während sich weiter unten die Passanten furchtsam zusammendrängen… Moment… nein… Korrektur: Bei der vons vorab bedaddelten Version war noch keine wesentliche KI erkennbar: Hier war es den verbliebenen Bewohnern der unter Quarantäne stehenden Stadt herzlich egal, was sich neben ihnen bzw. über ihren strohdummen Köpfen abspielte. Ganz klar: Hier wird hoffentlich noch nachgebessert! 

 

Wie im Vorgänger ist der Ausbau der para- bzw. abnormalen Fähigkeiten unseres Helden ein wesentlicher Motivationsfaktor dafür, noch mehr Soldaten und / oder unschuldige Passanten niederzumähen: Das gibt Kraft (bzw. Lebensenergie)… und Erfahrung, die in Verbesserungen investiert werden darf. 

 

Obwohl "Prototype 2" mit feineren Texturen und Monster-Modellen merklich besser aussieht als sein Vorgänger, hat der Titel aber zumindest spielerisch noch immer schwer am Erbe des Erstlings zu schleppen – zumindest erschien es uns so: Obwohl die Kombi aus extra-viel Bewegungsfreiheit und mutantisch gepoltem Extrem-Schlachten bereits in Teil 1 während der ersten Stunden richtig Laune machte, artete die Metzelorgie zu schnell in nervigen, frustrierenden Stumpfsinn aus, der zu wenig spielerische Akzente setzte, um auf Dauer motivieren zu können. Immerhin: Obwohl Teil 2 an ähnlichen Problemen zu kranken scheint, hat sich Entwickler Radical laut eigener Aussage zumindest des Frust-Problems angenommen und das ganz große Gemetzel feiner ausbalanciert. Ansonsten hat sich zumindest während einer Stunde Testspiel alles sehr bekannt angefühlt: Rennen, schweben, die Form eines zuvor hinterrücks gemeuchelten Agenten annehmen, infiltrieren, schlachten, flüchten, noch mehr schlachten. 

 

Sollte sich der Ersteindruck bestätigen, steht uns einmal mehr ein mutiertes Schlachtfest ins Haus, das Design-seitig nicht die selben Feinheiten vorweisen kann wie sein direkter Widersacher "inFamous", aber zumindest durch ein cool-monströses Design auftrumpft, das den vergleichsweise braven Cole um Längen schlägt. 

 

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