Kickstarter Forever

Beliebter Adventure-Opi: "Leisure Suit Larry"-Macher Al Lowe wünschte sich 500.000 Dollar für ein Remake seines Klassikers.
Beliebter Adventure-Opi: "Leisure Suit Larry"-Macher Al Lowe wünschte sich 500.000 Dollar für ein Remake seines Klassikers.

 

Seit dem Erfolg von Tim Schafers "Double Fine"-Adventure kommen immer mehr Entwickler-Größen vergangener Zeit auf den Geschmack: Jane Jensen ist besonders Freunden der Point'n'Click-Kultur ein Begriff, hat sie doch die in Adventure-Kreisen prominente "Gabriel Knight"-Reihe und jüngst das Abenteuer "Gray Matter" zu verantworten. Per Kickstarter will die 49jährige Adventure-Queen 300.000 Dollar zusammen bekommen, um nicht nur ein einzelnes Projekt, sondern gleich drei Spiele anzustoßen, von denen eines – so Jensen – eine Fortsetzung zu "Gray Matter", ein anderes eine Mixtur aus Historie und Fiktion werden könnte, durch die sich besonders "Gabriel Knight"-Fans angesprochen fühlen sollen. Jensen möchte für das ehrgeizige Adventure-Dreigestirn 300.000 Dollar sammeln, bisher hat man 121.000 Dollar beisammen. Wer das Projekt unterstützen bzw. beobachten will, wird HIER fündig.

 

Auch der zweite im Bunde wird vor allem Adventure-Fans kein Unbekannter sein: Al Lowe – seines Zeichens Erfinder des kleinen Point'n'Click-Playboys "Leisure Suit Larry". Nachdem die letzten Abenteuer des prominenten Adventure-'Stelzbocks' eher durchwachsene Mini-Game-Sammlungen denn erquickliche Abenteuerspiele waren, will Al Lowe mit seinem Kleinst-Entwickler-Studio 'Replay Games' jetzt eine Neuauflage des Serien-Erstlings inszenieren. In einem gewohnt sympathischen Video erklärt Lowe, warum er für dafür 500.000 Dollar braucht. Bisheriger Stand der Fan-Finanzierung: Mehr als 261.000 Dollar. Wer die verbleibenden 21 Tage der Kollekte nutzen will, um Replay-Games und den charmantesten Casanova der Spiele-Welt zu unterstützten, klickt HIER

 

Das vermutlich bis dato am wenigsten prominente Spiel, das jüngst über Kickstarter monetarisiert werden will, ist die Weltraumschlacht "Starlight Inception": Garry Gaber und sein Studio 'Hatch Entertainment' möchten mit dem für PC bzw. PS Vita geplanten Weltraum-Scharmützel ein in Vergessenheit geratenes Sub-Genre der Action- bzw. Simulationssparte wiederbeleben, das durch Spiele wie "Wing Commander" und "Tie Fighter" groß geworden ist. Gaber selber hat für Lucas Arts als Grafiker an "Rebel Assault 2" gearbeitet, aber auch für die Special Edition von "Das Imperium schlägt zurück" einige Raumschiffmodelle beigesteuert. Trotzdem ist der auf SciFi-gepolte Grafik- und 3D-Künstler der am wenigsten bekannte Entwickler, der jüngst per Kickstarter ein ehrgeiziges Projekt in Gang bringen möchte: Bisher sind knapp über 24.000 von angepeilten 150.000 Dollar in der Kickstarter-Kasse. Wer ein Herz für Raumschiffe hat, zückt HIER die Kreditkarte. 

 

Unsere Meinung hierzu: Wir wünschen allen dreien (und auch allen künftigen Projekten) das Beste, würden uns über ein neues altes "Larry" ebenso freuen wie über ein Jensen-Adventure oder einen zünftigen Space-Combat-Simulator, aber der aktuelle Crowd-Funding-Hype läuft Gefahr, das gesamte Monetarisierungs-Modell zu zerbröseln. Nun beteuern einstige Entwickler-Promis wie Lowe oder Jensen zwar (einigermaßen) glaubhaft, warum sie erst jetzt auf den Crowd-Sourcing-Plan kommen, aber die zeitliche Nähe zum überproportional erfolgreichen "Double Fine Adventure" und Fargos "Wasteland 2" ist überdeutlich. Frei nach dem Motto "Schmieden wir das Eisen, so lange es noch heiß ist!" wird das Modell aktuell dermaßen überstrapaziert, dass den Fans bald nicht nur das Geld, sondern außerdem die Lust ausgehen könnte. Ein paar 'große kleine' Spiele weniger von einstigen Entwickler-Größen würden es auch tun. Trotzdem halten wir es für eine gute Idee, die Designer-Helden von damals zu unterstützen: anders als junge Kleinst-Entwickler haben sie die nötige Erfahrung, um auch ein ehrgeiziges Projekt zu verwirklichen. 

 

Will mit gerade mal 300.000 Dollar gleich drei Adventure-Projekte realisieren: Adventure-Mystress und "Gabriel Knight"-Erfinderin Jane Jensen.
Will mit gerade mal 300.000 Dollar gleich drei Adventure-Projekte realisieren: Adventure-Mystress und "Gabriel Knight"-Erfinderin Jane Jensen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Rolf (Mittwoch, 11 April 2012 09:43)

    Von Kickstarter hatte ich noch nie etwas gehört. Erst als Double Fine dort auf dem Portal Geld für sein Adventure-Projekt einnahm und das durch die Presse ging, habe ich Kickstarter kennengelernt. Ich weiß nicht, ob es noch weitere solcher Internetseiten gibt, die sich um die Finanzierung von Games kümmern. Auch kann ich nicht einschätzen, wie erfolgreich diese Art des Geldsammels in der Vergangenheit war. Ich kann nur vermuten, dass bei diesen Portalen recht wenig Geld fließt im Verhältnis zum Gesamtumsatz der Gamesindustrie.

    Ich habe mich gefreut, dass Double Fine ein neues Spiel erstellen will. Von Double Fine habe ich "Brütal Legends" gespielt. Weil mir das Spiel so gut gefiel habe ich mir zwischenzeitlich Psychonauts, Costume Quest und Stacking gekauft. Bislang hatte ich nur wenig Zeit (im Moment spiele ich Mass Effect 2) und konnte die Games leider nur anspielen. Mir gefallen die teilweise ungewöhnlichen Spielideen und Elemente. Ich wünsche dem Adventure-Projekt viel Erfolg. Hoffentlich werden die Erwartungen der Fans nicht enttäuscht. Wenn das Spiel für Konsole erscheint, dann werde ich mir den Kauf überlegen - aber bislang habe ich nur von einer PC-Version gelesen.

    Soviel ich weiß, war "Brütal Legends" kommerziell nicht sehr erfolgreich. Ich kann die Publisher verstehen, wenn sie sich nicht trauen in ein innovatives aber kostspieliges Spieleprojekt zu investieren. Jedem der ein Projekt auf Kickstarter unterstützt sollte bewusst sein, dass das finanzierte Projekt ein Flop werden kann. Auch ein berühmter Name ist keine Garantie für einen Erfolg.

    Am Anfang dieses Jahres habe ich Gray Matter gespielt. Mir hat das Adventure sehr gut gefallen. Ich hoffe, dass Jane Jensen für einen zweiten Teil genügend Geld sammeln kann und es eine Konsolenfassung geben wird. Meine Freundin war vom ersten Teil total begeistert und würde den Nachfolger am liebsten sofort kaufen.

    elektrospieler schreibt: "der aktuelle Crowd-Funding-Hype läuft Gefahr, das gesamte Monetarisierungs-Modell zu zerbröseln" - mich würde interessieren, was die anderen unbekannten Entwickler dazu meinen. Eigentlich könnte es ihnen doch recht sein, dass Kickstarter und sein Modell bekannter werden. Oder sehen sie die Gefahr, dass sie von den alten Entwicklern "überstrahlt" werden?

  • #2

    Robert Bannert (Donnerstag, 12 April 2012 23:51)

    Nein, die Gefahr besteht wohl nicht… ich denke aber, dass es hier aktuelle eine Art "Mitmach-Welle" gibt, die durch Schafer angestoßen wurde: Spieler, die selber niemals ein Game entwickeln könnten, sehen eine Möglichkeit, sich auf diese Weise doch noch ein Stück weit zu verwirklichen. An etwas Größerem beteiligt zu sein, übt eine große Faszination aus – aber die könnte sich schnell wieder legen, wenn das Modell überstrapaziert wird. Wenn man in den nächsten paar Wochen von zehn weiteren Alt-Stars liest, die auf diese Weise ihr Projekt budgetieren wollen, dann verliert das Ganze einfach seinen Reiz. Hinzu kommt natürlich, dass keiner für ein dutzend attraktive Möchtegern-Spiele den Geldbeutel zücken kann oder will. Ich für meinen Teil finanziere viell. aus Jux ein oder zwei Projekte mit, spende da 100 Euro, um z.B. in den Genuss eines Extras zu kommen und ein gutes Gefühl dabei zu haben. Aber spende ich dann auch noch für ein drittes, viertes und fünftes Spiel, die zur ungefähr selben Zeit mit ihren Sammlungen online gehen?