Völlig schwerelos: GRAVITY RUSH

Gehen wir doch einmal kurz die Klischees durch. Geheimnisvolle Stadt? Check. Attraktive, weibliche Protagonistin? Check. Amnesie? Sowas von Check. Zugegeben. So wirklich spannend klingt die Prämisse von Sonys "Gravity Rush" zunächst nicht. Doch ein genauerer Blick lohnt, denn hinter der zunächst etwas beliebig wirkenden Headline und der generischen Handlungsgrundlage um Heldin Kat verbirgt sich das wohl bislang spannendste Spiel im Line-Up von Sonys PlayStation Vita. Keiishiro Toyama, der kreative Kopf hinter "Gravity Rush" erklärt, dass er die Idee für das Spiel schon seit Jahren mit sich herumträgt: Kat und ihr Abenteuer nahmen im Toyamas Kopf bereits Gestalt an, bevor er an Fan-Lieblingen wie dem ersten "Silent Hill" und der "Siren"-Reihe arbeitete.

 

Es waren vor allem die Comics des kürzlich verstorbenen französischen Comic-Künstlers Jean Giraud, besser bekannt als Moebius, die ihn zu "Gravity Rush" inspirierten. Das Motiv von Menschen, die frei im Raum schweben und die typische Moebius-Ästhethik sind für das Gesamtwerk dabei aber ebenso wichtig wie die Einflüsse der Popkultur von Toyamas Heimatland. Während die Umgebung sich an den Werken des französischen Künstlers orientiert, ist Heldin Kat fest in japanischen Manga-Motiven verwurzelt. Zusammen mit der spannenden Farbwahl ergibt diese Design-Mixtur ein irgendwie vertrautes, aber trotzdem ebenso originelles wie frisches Setting für ein herrlich innovatives Geschicklichkeits-Abenteuer.

Der Name deutet es an: In "Gravity Rush" dreht sich alles um die Manipulation der Schwerkraft im dreidimensionalen Raum. Das liest sich kompliziert, ist es aber nicht. Im Grunde ist das Spielsystem recht einfach zu verstehen: Jeder Fläche der Stadt kann Kat Anziehungskraft verleihen, sie quasi zum Boden der Tatsachen machen. Egal, ob es sich dabei um einen fahrenden Zug, eine Decke, oder eine Häuserwand handelt. All das führt schnell zu atemberaubenden Ansichten der verwinkelten Steampunk-Stadt und einem beeindruckend dynamischen Spielgefühl. Auf Tastendruck erhebt sich Kat in die Luft und sieht sich um: Jede Fläche, auf die sie blickt, kann dann zum neuen Gravitationszentrum bestimmt werden. Das steuert sich recht flott mit dem rechten Analogstick, noch besser fühlt es sich aber überraschenderweise über die Neigungssensoren der Vita an! So steuert sich Gravity Rush einfach noch ein wenig präziser und eleganter. Trotzdem ist es Toyama und seinem Team hoch anzurechnen, dass der Spieler nicht zur Bewegungssteuerung gewzungen wird, sondern ihm die Wahl zwischen Gyroskop und Analogstick bleibt.

So ganz scheint es aber, als würde Keiichiro Toyama der tollen Ästhethik und dem feinen Spielprinzip noch nicht so ganz trauen, denn neben der exzellenten Gravitationswechsel-Mechanik bietet "Gravity Rush" auch noch ein Kampfsystem: Kat kann auf-leveln und neue Talente erlernen, und auch das eine oder andere Subquest wird seinen Weg ins Spiel finden. Ob diese Ergänzungen "Gravity Rush" nun eher verwässern oder vielleicht sogar aufwerten, das werden ausführlichere Anspiel-Sessions zeigen, wenn das Spiel dann endlich am 13. Juni, immerhin gute vier Monate nach der Japan-Veröffentlichung, auch in Europa erscheint. Diesen Tag können sich dann Besitzer von Sonys neuem Edel-Handheld auch gleich dick im Kalender markieren. (tn)

 

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