Leider vermultiplayert: STARHAWK

Wie sein Bruder wurde Emmet Graves von der glühenden Rift-Energie infiziert. Allerdings ist er noch immer Herr über seine Sinne.
Wie sein Bruder wurde Emmet Graves von der glühenden Rift-Energie infiziert. Allerdings ist er noch immer Herr über seine Sinne.

Für die (reichlich verspätete) Fortsetzung der PSOne-Ballerei "Warhawk" werfen Sony und Entwickler Lightbox (von dem einige Mitglieder am dieser Tage via PSN neu veröffentlichten Original gearbeitet haben) gleich mehrere Genres in einen Topf: "Starhawk" versetzt uns in ein von Hinterwäldler-Kauderwelsch sprechenden Space-Truckern bevölkertes Outback-Universum voller Wüsten-Planeten und schrottiger Raumstationen. Obendrein bedient der Titel von der angenehm räudigen Optik bis hin zur Country-inspirierten Mucke sämtliche gängigen Roadmovie-Klischees, um sie dann mit einem wilden Cocktail aus Action, Echtzeit-Strategie und Space-Shooter zu kombinieren. Zugegeben: Während der ersten Spielminuten fühlt sich das genauso chaotisch an wie es sich anhört, denn Lightbox schleudert uns in das (zunächst verdächtig nach "Rage" aussehende") Szenario, ohne uns Hintergrund oder Spielsystem auch nur ansatzweise näher zu bringen – mal ganz davon zu schweigen, dass von den namengebenden War- bzw. Starhawks anfangs weit und breit nix zu sehen ist. Wer allerdings die ersten paar (grottigen) Missionen hintern sich gebracht hat, ohne dabei jede Lust auf Action zu verlieren, der wird urplötzlich von einem ebenso inspirierten wie prachtvoll präsentierten Genre-Zusammenschluss überrascht, der sich eigentlich nur einen Vorwurf gefallen lassen muss: Er ist – ähnlich wie ein "Lost Planet 2" – dermaßen auf Multiplayer-Shootouts getrimmt, dass man den Singleplayer-Modus nicht so recht ernst nehmen kann. 

 

Fühlt sich ein bisschen an wie in "Episode 2": In den Asteroidenfeldern verführen uns jede Menge Donut-förmige Brocken zum riskanten Durchflug-Manöver.
Fühlt sich ein bisschen an wie in "Episode 2": In den Asteroidenfeldern verführen uns jede Menge Donut-förmige Brocken zum riskanten Durchflug-Manöver.

 

Kaum verwunderlich also, dass Held Emmet Graves auch 'Singleplayer'-seitig nie allein ist: Indem er entweder zu Fuß oder hinter dem Steuer eines Starhawks (der wahlweise als Raumjäger abhebt oder sich am Boden in einen rüstigen Battlemech verwandelt) ordentlich Blei und Plasma in Atmos- bzw. Stratosphäre pustet, sammelt er die grün schillernde Rift-Energie. Mit deren Hilfe wird von den Kollegen hinter den Technik-Pulten so ziemlich jede Bestellung prompt geliefert, die der von monströsen Outlaws umzingelte Kämpfer in Auftrag gibt: Einmal per Ringmenü bestellt, landen wenige Momente später massive Autokanonen, Geschütztürme und ganze Festungsmauern an der zuvor bezeichneten Stelle, um Emmet und seinen Mitstreitern das Action-Dasein zu erleichtern. Neben Deckungsmöglichkeiten und Kanonen werden aber auch Vehikel wie Jeeps, Hovercrafts oder eben Starhawks auf den Weg gebracht – vorausgesetzt, wir haben genug Energie. 

 

Aber ganz gleich mit welcher Taktik wir uns auch ins Getümmel werfen: Unsere Waffenbrüder preschen (und das oft gleich dutzendweise) wie aufgescheuchte Hühner durch die Level-Landschaft, tragen wie die (bis zu 35) Mitspieler in einem Multiplayer-Match ihren Namen über dem Kopf zur Schau und unterstützen uns auf diese Weise mit zwar halbwegs patenter KI-Hilfe, zerstören damit aber zugleich jede Form von Kampagnen-Feeling. Story-seitig das gleiche Bild: Obwohl man uns alle paar Einsätze mit stilvoll reduzierten Comic-Sequenzen versorgt, um die Geschichte von Emmet und seinem Outlaw-Bruder zu erzählen, kommt die Geschichte nie so recht in Fahrt, bleibt konfus, beliebig und unspannend.

 

Keine Frage: Erwägt man den derzeit akuten Mangel an hochwertigen Weltraumgefechten, dann sind insbesondere die prächtig aufgemachten Space-Schlachten an Bord des Starhawks Grund genug, die Kampagnen-seitige Schwäche des Titels zu verzeihen: Ähnlich schicke Effekte, Asteroidenfelder, Raumschiffe und spannendere Weltraumverfolgungsjagden gab's schon seit Jahren nicht mehr. 

 

Dennoch: Wer keine ordentliche Portion Begeisterung für Mehrspieler-Modi mitbringt, ist hier falsch, zumal die knackschwer geratenen Großaufgebote mit all ihren taktischen Kniffen und zahlreichen Kombatanten einiges an Übung und noch mehr Geduld erfordern.

 

Fazit: SciFi-Action mit Potential und schicker Aufmachung, die uns anfangs aber all zu sehr alleine und obendrein eine ordentliche Kampagne vermissen lässt. Mal ehrlich: Tolle Multiplayer-Modi sind ja gut und schön, aber die Marketing-seitigen Aufwändungen und Ambitionen, die erforderlich sind, um einen solchen Titel für die Mehrspieler-wütige Community so attraktiv machen, dass sie die etablierten Genre-Größen verlassen, sind erheblich. Unwahrscheinlich, dass "Starhawk" vor diesem Hintergrund große Erfolge feiern oder seine Mehrspieler-Server dauerhaft füllen kann – und das ist ausgesprochen schade.

 

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