Alien-Abwehr für Strategen: XCOM ENEMY UNKNOWN

 

"XCom: UFO Defense" bzw. "UFO: Enemy Unknown" – so heißt ein heute längst zum Kultobjekt avanciertes Strategie-Spiel vom inzwischen verblichenen, britischen Taktik-Experten Mythos Games. Die 1994 von Microprose verlegte Alien-Abwehr bediente sich eifrig bei trashigen UFO-Filmen aus Hollywoods Schwarz/Weiß- und Monster-Movie-Ära, verquirlte sie mit einem Hauch von H.P.Lovecraft und garnierte das Ganze mit einem grandiosen Intro-Filmchen in Comic-Machart. 

 

Nach heutigen Verhältnissen ist die komplexe Runden-Strategie schwerfällig und trocken, aber schon 1994 galt Mythos' Titel als ausgesprochenes Schwergewicht – Profikost für die ganz Geduldigen. 

 

Heute ließe sich ein vergleichbarer Titel kaum vermarkten geschweige denn auf Konsole portieren, darum beschreitet das Remake von Civilization-Entwickler Firaxis einen spannenderen, vor allem aber handlicheren Weg: Beim neuen "XCom: Enemy Unknown" ziehen wir nach wir vor Runde für Runde und nach strategischem Diktat. Doch anstatt das Schlachtfeld in Schachfelder zu unterteilen, zeigt man uns die möglichen Marschrouten durch Pfeile. Auf diese Weise bleibt das Spielgeschehen schön dynamisch, außerdem ist es per Joypad genauso kinderleicht bedienbar wie mit der Maus. 

 

Wie im 94er-"XCom" spielt Deckung eine große Rolle: Wer nicht will, dass ihm die ekligen Invasoren das Hirn aus dem Schädel ballern oder ihn in einen der ihren verwandeln, der zieht bezeiten den Kopf ein. Autos, Trümmerteile, Mauern, Müll-Container, Säulen, ganze Häuser: Möglichkeiten, um dem feindlichen Beschuss zu entgehen, gibt es jede Menge – aber wie im Original sind die wenigsten davon unkaputtbar. Will heißen: Verkrümeln wir uns zu lange hinter ein und dem selben Stück Deckung, dann zerbröselt es mit jedem Treffern mehr und lässt und schließlich nackt und verletzlich zurück. 

 

Die 3D-Optik von heute lässt zwar weniger Raum für die eigene Fantasie wie die Pixel-Monsterchen und -Alien-Bekämpfer anno '94, aber dafür hat Fireaxis wunderbar eklige Außerirdische ausgetüftelt: Vielbeinige, spinnenartige Widerlinge gesellen sich zu massiven, bulligen Hulks und natürlich den bekannten, feingliedrigen Greys mit ihren insektoiden Glubschaugen. Und für Horror-Fans gibt's auch noch ein paar zünftige Ekel-Effekte – vor allem dann, wenn die extraterrestrischen Kotzbrocken unsere Mitkämpfer aufspießen, sich an ihren Überresten gütlich tun, sie in Zombies verwandeln oder als Leihmutter für ihre schmierige Brut missbrauchen. 

 

Apropos "Mitkämpfer": Ein weiteres lieb gewonnenes Element des Originals hat man übernommen – und zwar den unwiederbringlichen Verlust getöteter Soldaten. Auf diese Weise steigert Fireaxis die Identifikation mit unseren Kriegern und macht sie einzigartig. Wie im Original kehren wir zwischen den Einsätzen zur Basis zurück, wo wir u.a. neue Truppen rekrutieren dürfen – aber neue Besen kehren eben nicht immer besser. 


 

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