Zombiejagd mit Puscheln und Kettensägen: Lollipop Chainsaw

Der japanische Quentin Tarantino des Videospiels ist wieder daa: Goichi Suda, hierzulande besser bekannt unter seinem Pseudonym Suda51, meldet sich mit einer neuen spielbaren Geisteskrankheit zurück – und die heißt "Lollipop Chainsaw". In der Rolle der knackigen Teenie-Chearleader-Dämonejägerin Juliet Starling sollen wir mit Kettensägen und Puscheln die zombifizierte Apokalypse verhindern. Immer mit dabei ist Juliets Freund Nick, der bereits kurz nach Spielbeginn von seinen körperlichen Fesseln befreit wird und jetzt als schwatzhafter Schlüsselanhänger über Juliets Po baumelt – die vermutlich einzige Sache, über die er sich als abgetrennter Kopf noch freuen kann.

 

Sudas Spiele-Schmiede Grasshopper und ihre US-Kollegen von Warner inszenieren hier mit Hilfe der Unreal Engine ein schräges Schlachtfest, das nicht nur Zombie-Streifen, sondern auch gleich ein Gros der Spiele-Landschaft mit heftigen Ulk- und Trash-Attacken aufs Korn nimmt. Außer launigem Kalauer, flotten Sprüchen und knallbunten Special-Moves steht aber vor allem kernige Mucke auf dem Programm: Juliets Trip durch die San-Romero-Highschool nebst angrenzender Gebiete ist eine Art Zeitreise durch unterschiedliche musikalischen Epochen.

 

Von britischem Punkrock über skandinavischen Viking-Metal und gruftige Gitarrenriffs bis hin zu psychidelischen Hippie-Themen wird kaum eine prägende Musikrichtung der letzten Jahrzehnte ausgelassen: Suda & Co. benutzen die groovigen bis metallischen oder elektronischen Riffs aber nicht nur als Soundkulisse, sie bestimmen außerdem die Gestaltung des jeweiligen Levels und seiner untoten Bewohner.

 

Keine Frage, dass bei so viel schrägem Sound-, Set- und Spiel-Design auch ein paar übergroße Bossgegner nicht fehlen dürfen: Wie von Grasshopper-Spielen gewohnt, stehen auch hier weder spielerischer noch technischer Feinschliff im Vordergrund. Stattdessen geht es um Ambiente, treffsichere Verarsche, jede Menge gute Laune und vor allem viel, viel Spielfreude.

 

Hin und wieder leidet diese Spielfreude ein bisschen unter der bockigen Kameraführung oder dem Suda51-typischen Wiederholungsproblem. Doch wie so oft bei Grasshopper-Games ist die Frage nach dem "Lohnt sich das?" vor allem eine des Geschmacks, denn beinahe jeder potentielle Design-Fehler und jede scheinbar zu stark von repetitivem Gameplay geprägte Passage kann nicht nur negativ, sondern auch positiv ausgelegt werden. Will heißen: Vielleicht war's Absicht und man will uns damit etwas Bestimmtes sagen. Denn was wissen wir normalsterbliche Spieler schon, was im vermeintlich brillanten Denkapparat eines japanischen Kuriositäten-Meisters so vorgeht? Eben - gar nichts!

 

So muss am Ende jeder Spieler mit sich selber ausmachen, ob das mehr als nur ein bisschen skurrile "Lollipop Chainsaw" seine Geschmacksnerven ausreichend stimuliert. Aber ganz gleich, wie das persönliche Urteil auch ausfällt, so kann man dem jüngsten Grasshopper-Output eines ganz sicher nicht nachsagen: Einfallslosigkeit! Unzählige Mini-Games, inszenatorische bzw. spielerische Einflüsse aus anderen Genres und nicht zuletzt der herrlich bescheuerte Humor sind genau das, was den meisten anderen Spielen abgeht. Goichi Suda tut abermals einen mutigen Schritt – einen Schritt, mit dem er nicht annähernd bei jedem Gamer landen wird, der die Spiele-Landschaft jedoch einmal mehr um einen angenehm selbstreferenziellen Titel bereichert. Und allein diese Tatsache ist den Kauf eigentlich schon wert. Oder kennt Ihr noch ein anderes Spiel, in dem Ihr einen Lollipop-lutschenden, supersxy Zombiekiller-Chearleader durch einen Pac-Man-Automaten steuern dürft? Wir nicht.

 

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