NEWS: Steam-Box chancenlos?

Wird vermutlich die erste "Steambox": Der "Piston"-Wohnzimmer-PC von Xi3
Wird vermutlich die erste "Steambox": Der "Piston"-Wohnzimmer-PC von Xi3
Glaubt, dass die Steambox nur im kleinen Rahmen erfolgreich sein kann: Phil Harrison (Bildquelle: Joistiq.com)
Glaubt, dass die Steambox nur im kleinen Rahmen erfolgreich sein kann: Phil Harrison (Bildquelle: Joistiq.com)

Phil Harrison gehört zu den Games-Größen, die gerne viel zitiert werden, doch als Orakel ist ungefähr so zuverlässig wie Fischgekröse, Kaffeesatz oder Michael Pachter. Seit seinem Weggang von Sony hat er Zwischenstopp bei bei Atari und sogar Gaikai gemacht, zuletzt ist die charismatische Plaudertasche bei Microsoft angekommen – und nach wie vor ist er nicht darum verlegen, dem Rest der Welt mitzuteilen, was er von diesem und jenem hält. Jüngstes Opfer: Die Steambox. Im Gespräch mit eurogamer.net warnt er Valve vor den Risiken des Hardware-Marktes. Er attestiert dem System lediglich Erfolgschancen für einen sehr kleinen Rahmen, denn eine auf digitale Inhalte fokussierte Firma wie Valve verfüge nicht über die entsprechenden Herstellungskapazitäten und Vertriebskanäle. Dafür brauche es – so Harrison – viel Kraft, viel Geld und tausende Mitarbieter.

 

Zugegeben: Da hat er Recht. Doch aller Voraussicht nach will Valve die Steambox gar nicht als konsolischen Konkurrenten zu Xbox, PlayStation & Co. aufstellen, sondern das vergleichsweise offen gehaltene System lizenzieren – wie z.B. an Xi3 (Valve selber hält Anteile an der Firma), die mit dem miniaturisierten Desktop-PC "Piston" vermutlich die erste "Steambox" auf den Weg bringen wird. Misst man diese Strategie an bereits verfügbaren Designer- und Miniatur-Spiele-PCs für den Anschluss am Wohnzimmer-HTDV und für die Joypad-seitige Bespielung, dann dürfte das System nicht unter 800 Euro kosten und trotzdem kaum mit aktuellen (gut belüfteten) Hochleistungs-Spiele-PCs konkurrieren können. Ob es einer neuen Xbox bzw. PlayStation Paroli bieten kann, bleibt abzuwarten: PS4 und Xbox 720 werden keine Wunder vollbringen und vermutlich noch immer hinter modernen Gaming-PCs zurückstehen, doch ihre Eingeweide sind anders als bei einem PC bzw. Desktop-PC (wie der Steambox?) 'custom-made' – d.h. grob gesagt, dass die Konsole mehr kann als die Summe ihrer viell. nicht ganz so eindrucksvollen Teile bzw. als ein PC mit vergleichbaren Bausteinen. Außerdem wird ein handlicher Wohnzimmer-PC wie die Steambox vermutlich noch immer mit PC-typischen Kompatibilitäts- und Treiber-Konflikten zu kämpfen haben, die durch eine Software-Plattform wie Steam zwar stark vereinfacht, aber nicht ganz und gar aus der Welt geräumt werden. Das wiederum verträgt sich so ganz und gar nicht mit der Plug'n'Play-Philosophie hinter einer 'echten' Konsole.

 

Ausgesprochene PC-Gamer und Schrauber wiederum haben mit den auf "Schick" getrimmten Mini-PCs im Hifi/Wohnzimmer-Design meist wenig im Sinn – zumal die Miniaturisierung Performance-seitig ihren Preis hat. Mal ehrlich: Wer einen Gaming-PC haben will, der ein "Battlefield 3" (2011) völlig flüssig abspielt (und das möglichst unter 1080p), der muss noch immer sehr tief in die Brieftasche greifen – darum ist kaum damit zu rechnen, dass Xbox 720, PS4 oder geschweige denn eine "Steambox" dieses Kunststück beherrschen werden. Also: Immer schön auf dem Teppich bleiben! Und ja: Sony will mit seiner PS4 vermutlich den Verkauf von 4K-TVs anheizen – aber wenn die PS4 jedes High-End-Game in 1080p beherrscht (geschweige denn 4K), dann frisst der Autor dieses Beitrags den viel zitierten Besen. (rb)

 

 

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