Konsolenkrieg auf der Gamescom

Die GC war in diesem Jahr bereits am Fachbesuchertag besser besucht als sonst – 'schuld' waren vermutlich die Greencards, mit denen auch Endkunden am sonst den Fachbesuchern vorbehaltenen Tag aufs Geände kamen.
Die GC war in diesem Jahr bereits am Fachbesuchertag besser besucht als sonst – 'schuld' waren vermutlich die Greencards, mit denen auch Endkunden am sonst den Fachbesuchern vorbehaltenen Tag aufs Geände kamen.

 

Medien-Rummel, Fan-Ansturm und Warteschlangen aus der Hölle: Satte 340.000 Zocker stürmten in diesem Jahr die Messe Köln, um spektakuläre bis nicht so spektakuläre Spiele-Neuheiten zu begrabbeln und vor allem die neue Konsolen-Generation zu begutachten – fast 100.000 mehr als 2012. Um der ganz großen Zocker-Stampede zu entgehen, habe ich mich in diesem Jahr nur am gemütlicheren Fachbesuchertag aufs Gelände getraut – nach rund 20 Jahren regelmäßiger Messe-Besuche habe ich von meiner Begeisterung für das Medium und seine Neuheiten zwar nichts eingebüßt, doch das stressige Messe-Ritual als solches hat entschieden an Reiz verloren und dafür umso mehr an Sinnlosigkeit gewonnen. Wo große Redaktionen aus Medien-Häusern wie IDG oder Computec mit ganzen Heerscharen von Redakteuren ausschwärmen, um jede noch so unbedeutende Neuheit in das GC-Special zu können, ist man als 'Solo-Player' auf verlorenem Posten – unabhängig davon, ob man nur einen oder drei Tage über die Messe schwadroniert, denn man sieht so oder so nur einen Bruchteil dessen, was geboten ist.

 

Am besten also, man konzentriert sich auf das, was einen dann trotz chronischer Messe-Unlust doch noch dazu motiviert hat, in die Rhein-Metropole zu reisen – nämlich XBox one und PS4. Also auf zu den Messeständen, auf zu den wichtigsten Präsentationen und Gesprächen 'Beyond Closed Doors' im Business Center und auf zu den abendlichen Parties, auf denen man sich so hervorragend zum Thema austauschen oder Wissenslücken füllen kann. 

 

Sony- und Microsoft-Stand waren kaum zu übersehen – beide NextGen-Nebenbuhler haben aus allen Rohren gefeuert und vor allem Flächen-seitig dermaßen geklotzt, dass man gar nicht anders konnte als irgendwo zwischen all den Plyonen, Toren, Bühnen und Anspielstationen in Deckung zu gehen. Schade allerdings, dass bei dem gewaltigen Bombardement größtenteils mit Platzpatronen geschossen wurde. Zugegeben: Spiele wie Ubisofts Cyber-Thriller "Watchdogs", "Assassin's Creed 4: Black Flag" oder das gigantische Open-World-"Witcher" sind allesamt fantastische Spiele, auch ein "Call of Duty: Ghosts" wird seine Zielgruppe befriedigen und zumindest solche Gamer auch technisch faszinieren, die Xbox-360- und PS3-Grafikstandards gewöhnt sind. Wer dagegen bei den letzten Current-Gen-Blockbustern bereits die teils merklich aufgebohrten PC-Versionen vorziehen und auf einem gut gerüsteten Computer bedaddeln durfte, für den wird der Generationswechsel vorerst unspektakulär verlaufen, denn genau das bietet die erste Welle der NextGen – Titel, die aussehen wie die PC-Versionen solcher Spiele, die in erster Linie für die aktuelle Konsolen-Generation entwickelt wurden. 

 

Am Square-Enix-Stand stimmten lebensgroße Chocobo-Figuren auf "FF XIV: A Realm Reborn" ein
Am Square-Enix-Stand stimmten lebensgroße Chocobo-Figuren auf "FF XIV: A Realm Reborn" ein
Problem der Greencard-Politik: Normalerweise kommen nur Branchen-Insider ins sonst abgesperrte Business-Center, doch diesmal verirrten sich auch viele 'Consumer' hinein und wunderten sich, wenn sie an den Countern der Hersteller nicht weiterkamen.
Problem der Greencard-Politik: Normalerweise kommen nur Branchen-Insider ins sonst abgesperrte Business-Center, doch diesmal verirrten sich auch viele 'Consumer' hinein und wunderten sich, wenn sie an den Countern der Hersteller nicht weiterkamen.

 

Im Grunde nicht verwunderlich: Viele Entwickler verwenden seit Jahren die selben Tools und mussten ihre Multiplattform-Entwicklungen immer in Hinblick auf die schwächeren Konsolen konzipieren – darum blieben die meisten PC-Versionen hinter den Möglichkeiten ihrer Hardware zurück. Selbst bei solchen Spielen, die explizit für den Heimcomputer entwickelt wurden, haben sich die verantwortlichen Studios oft zurückgenommen: Erfolgstitel wie ein "StarCraft 2", "Diablo 3", "DoTa" und die meisten Adventures sind darauf hin getunt, auf so vielen Endgeräten wie möglichst zu funktionieren – denn je höher die Hardware-Anforderungen sind, desto weniger potentielle Kunden gibt es für den betreffenden Titel. Mit einem High-Tech-Konzept punkten können höchstens solche Spiele, die von vornherein auf die schmale Kundschaft der PC-Techies abzielen, bereits vor ihrer Veröffentlichung als Grafik-Benchmark gehandelt werden und gleichzeitig als Grafik-Demos für die verwendeten Engines fungieren – wie z.B. CryTek, die schon mit ihrem letzten "Crysis" vorgemacht haben, wie ein modernes PC-Spiel aussehen kann, wenn man auf Kunden mit schwachbrüstigen Maschinen keine Rücksicht nimmt. Wer bereits die Gelegenheit hatte, die Konsolen-Version mit dem PC-"Crysis" auf höchster Detailstufe zu vergleichen, der weiß, wie groß der Performance-Unterschied zwischen der noch aktuellen Konsolen-Generation und der an sich schon seit Jahren verfügbaren "NextGen"-Technik wirklich ist. 

Nur logisch also, dass die Titel für die neuen Konsolen, die deren Hardware-Muskeln so richtig spielen lassen, von genau diesen auf moderne Grafik-Performance spezialisierten Entwicklern kommen – nämlich CryTek mit ihrem visuell überzeugenden, altrömischen Brawler "RYSE" und Dice mit "Battlefield 4". Eine echte Überraschung war dagegen (vor allem in technischer Hinsicht) "Skylanders Swap Force": Das wird zwar noch immer von Marken-Erfinder "Toys for Bob" beaufsichtigt, doch die Entwicklung hat das technisch versiertere Studio Vicarious Visions übernommen. Das sorgt jetzt dafür, dass die kleinen Action-Helden vor allem auf NextGen-Systemen eine umwerfend gute Figur machen – ähnlich detaillierte Charaktere, geschmeidige Animationen und brachiale Effekte hatte kein anderes Spiel der Messe zu bieten… ausgenommen vielleicht die kommenden WiiU-Highlights von Nintendo. Neue Hupf- und Raser-Abenteuer um den kleinen Klempner haben sich deutlich mehr nach NextGen angefühlt als ein  PS4-"Knack", das zwar spielerisch neugierig macht und ein technisch eindrucksvolles Partikelsystem auffährt, dessen übrige Inszenierung aber aussieht wie ein PS3-Starttitel. Das vom PS4-Architekten Mark Cerny beaufsichtigte Projekt wird vermutlich eine interessante Funktions- und Performance-Demo für die nächste PlayStation, aber die technischen Qualitäten des Titels erkennen nur Technik-affine Profis bzw. Entwickler – als Verkaufsargument zum Konsolen-Launch wird das feinsinnige Spielchen vermutlich nicht funktionieren, dafür macht es audiovisuell zu wenig Druck. Auch sonst merkt man vor allem Sony an, dass man sich in den letzten Jahren ganz und gar auf die Current-Gen-Technik eingeschossen hat und wohl ähnlich wie Nintendo eine Weile brauchen wird, bis man den nächsten Level erreicht. 

Entsprechend wird der Wechsel von dieser zur nächsten Hardware-Welt anfangs eher gemütlich verlaufen – wer bereits jetzt visuelle Meilensteine erwartet, wird enttäuscht. Obwohl XBox One und PS4 Performance-seitig nicht höher angesiedelt sind als ein muskulöser Spiele-PC, bergen sie das Potential für einen Quantensprung, weil sie endlich den ALLGEMEINEN Performance-Status heben. Damit zwingen sie auch solche Studios zur Weiterentwicklung, die es sich bis dato auf dem 360/PS3-Level gemütlich gemacht haben. Oder anders ausgedrückt: Die Technik gibt es schon länger, aber erst jetzt wird man sie endlich ausnutzen können – sobald man sich mit ihr angefreundet hat. Und das wird wie gewohnt noch ein, zwei Jährchen dauern. 

 

Weniger laut wie Sony und Microsoft, aber nicht weniger interessant: Der Nintendo-Stand
Weniger laut wie Sony und Microsoft, aber nicht weniger interessant: Der Nintendo-Stand
Die 'dunkle' Seite von Kinect: Zappelphilipp-Spiele
Die 'dunkle' Seite von Kinect: Zappelphilipp-Spiele

 

Vor diesem Hintergrund hat die diesjährige Gamescom also nicht sonderlich überrascht, aber trotzdem ein paar längst überfällige Weichenstellungen vorgenommen. Außerdem hat sie bestätigt, was Ubisoft-Chef Yves Guillemot bereits vor einigen Monaten wusste:  Dieses Weihnachten wird nicht das Fest von PS4 und XBox One, sondern das der WiiU. Nintendo hat jetzt die einmalige – und ja, vielleicht auch letzte – Chance, den im stationären Konsolengeschäft verlorenen Boden wieder wettzumachen, denn in Kyoto versteht man es wie nirgendwo sonst, die verfügbare Technologie zu perfektionieren und ihr Höchstleistungen zu entlocken. 

Doch auch sonst hat die Messe offenbart, dass die Würfel für die neue Sitzverteilung im Konsolenmarkt noch lange nicht gefallen sind: Obwohl Microsoft in den vergangenen Monaten den deutlich schwereren Stand hatte, eroberte man auf der GC souverän verlorenen Boden zurück. Ein ungleich wertigeres und griffigeres Joypad (u.a. mit dem bis dato besten Digital-Steuerkreuz überhaupt), die spannendere Präsentation, ein spürbar stärkeres Start-Lineup, ein für Sport-Fans attraktives Bundle (jede Xbox One kommt mit "FIFA 14") und nicht zuletzt ein wegweisendes Bedienkonzept, das die ungeliebte Kinect-Kamera zum Must-Have erheben könnte – all das machte der PS4 mit ihrem "Business as usual"-Konzept und eher durchschnittlichen Launch-Exklusivitäten mehr zu schaffen als man es nach Microsofts desaströsen E3-Auftritt vermutet hätte. 

 

Wäre ich nicht ohnehin von Berufs wegen dazu 'gezwungen', mir alle neuen Systeme sofort zu besorgen, dann würde ich mich in diesem Jahr auf tolle WiiU-Games, ein grandioses 3DS-"Zelda" und eine Xbox One mit "RYSE", "Forza 5" bzw. "Dead Rising 3" freuen, mir "Skylanders Swap Force" besorgen und schon mal für die Xbox-One-exklusive Veröffentlichung von "Titanfall" Anfang 2014 durchladen. Tja, und die PS4? Auf die würde ich warten, bis das erste Spiel von Naughty Dog kommt. Aber vielleicht liegt das ja auch daran, dass ich noch nie verstanden habe, was der Rest der Welt an "Killzone" findet. (rb)

Die Beta-Phase von "Elder Scrolls Online" soll für einige Zeit PS4-exklusiv werden.
Die Beta-Phase von "Elder Scrolls Online" soll für einige Zeit PS4-exklusiv werden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Gabriel (Samstag, 31 August 2013 18:35)

    Guter Einblick in die Messe! Doch kann ich das Fazit nicht ganz nachvollziehen. Bei keinem der großen Drei sind bis zum Weihnachtsgeschäft System Seller dabei. Zudem kaufe ich mir eine Spiele-Konsole, um konstant mit toller Software versorgt zu werden. Da zählt nicht nur das Spiele-Angebot zum Start, sondern auch wer den längeren Atem hat. Daher tendiere ich im Moment ganz klar zu Sony. Die haben mit allen drei Vorgänger-Konsolen bewiesen, dass sie für regelmäßigen Spiele-Support sorgen - bis zum Ende des "Lebenszyklus" einer Konsole und darüber hinaus!

  • #2

    Robert Bannert (Samstag, 31 August 2013 19:12)

    Es ist sicher kein Fehler, bis zum Kauf eines neuen Systems erstmal ein Jahr abzuwarten, bis sich beide durch exklusive Must-Haves bewiesen haben und die Multiplattform-Entwicklungen auch so aussehen, wie man es eben von einem Next-Gen-System erwartet – ganz gleich, ob man jetzt mit XBox One oder PS4 liebäugelt. Mich persönlich hat die Xbox auf der Messe einen Tick mehr überzeugt, weil sie a) das zumindest dezent bessere Exklusiv-Start-Lineup hatte, b) das Joypad deutlich besser ist (das neue Dual Shock finde ich einfach nur furchtbar), c) die organische Integration von Kinect in die Oberfläche extrem überzeugend war und d) bei Multiplattform-Titeln die Xbox-One-Fassungen bis dato homogener ausgesehen haben… aber der Eindruck kann natürlich auch getäuscht haben. Prinzipiell ist das aber Geschmacksache und davon abhängig, welche Exklusiv-Marken Dich mehr ansprechen… oder eben davon, welches Joypad sich in Deinen Händen besser anfühlt. Mein Eindruck ist eben aktuell: Wer UNBEDINGT zum Start ein neues System haben will und z.B. kein fanatischer "Killzone"-Fan ist, der kriegt mit der Xbox die Konsole, die sich anfangs einen Tick fortschrittlicher anfühlt. Sony braucht vermutlich wieder etwas länger, um richtig aufzudrehen. Aber nach wie vor gilt: Warte noch ein Jahr, freu Dich so lange weiter über geile Multiplattformspiele (die wie gesagt auf PS4 und Xbox One nicht so dramatisch besser aussehen)… oder z.B. auch über eine WiiU (die in den nächsten Monaten ein fantastisches Exklusiv-Lineup kriegt)… und entscheide dann später, was Du Dir lieber kaufst, wenn Du für die Entscheidung mehr Fakten zur Hand hast.

  • #3

    Rolf (Freitag, 06 September 2013 11:49)

    Zur Zeit spiele ich am meisten auf der PS3. Das hat folgende Gründe:
    1.) die Bedienoberfläche gefällt mir ganz gut und diese wird nicht ständig geändert
    2.) mit der Zeit habe ich mich an den Controller gewöhnt
    3.) weniger Aufwand bei der Installation von Games
    4.) die Prepaid-Karten auf Euro gefallen mir besser als die Points auf der Xbox360
    5.) ich habe mir gerade eine Vita gekauft - da kann ich Spiele zocken, die ich auch auf PS3 habe (minis)
    6.) da meine Freundin auch lieber auf der PS3 zockt, kaufen wir Games, die wir beide nutzen für die PS3

    Exklusiv-Titel spiele ich natürlich auf der entsprechenden Konsole (Wii U, Xbox 360 - sogar PS2 daddel ich noch gelegentlich). Auf welchen System ich die meisten Exklusiv-Titel habe, kann ich im Moment gar nicht sagen. Produktionen von Nintendo liegen aber bei mir in der Gunst sehr weit oben. Als letzten exklusiven Titel habe ich Uncharted gespielt.

    Also: da ich im Moment mehr mit der PS3 mache, wird es wohl als nächstes die PS4 werden. Wahrscheinlich werden meine Freundin und ich uns auch die Xbox One holen.

    Aber mit beiden Neuanschaffungen können wir gerne noch ein Jährchen warten, wie Robert vorgeschlagen hat. Zur Zeit habe ich noch genug zum daddeln. Vielleicht werden die Dinger in einigen Monaten etwas günstiger? Außerdem waren die ersten Geräte der Xbox 360 und der PS3 gelegtlich mit Fehlern behaftet - wer weiß wie es mit den neuen Konsolen ist - also besser abwarten.

    Was kommt denn schönes für die Wii U raus? Was steckt in diesem "fantastisches Exklusiv-Lineup"? - Ich warte noch sehnsüchtig auf ein neues Zelda oder Paper Mario oder Fire Emblem oder Metroid.