Skylanders: Swap Force

 

Der fiese Lord Kaos kann's nicht lassen: Kaum hat der kleine, glatzköpfige Kröterich am Ende von "Skylanders Giants" eins auf die Nase bekommen, tüftelt er auch schon den nächsten Masterplan zur Eroberung von Activisions Märchenwelt aus. Darum kommt ihm eine fatale Sicherheitslücke im 'natürlichen Abwehrsystem' des luftigen Inselreichs gerade recht: Der mystische Vulkan im Zentrum der 'Wolkenbruchinseln' sorgt für einen ausgeglichenen Magiehaushalt der Skylands, indem er die Funktion eines 'Zauber-Abflusses' erfüllt. Will heißen: Wenn putzige Genossen wie die Skylanders ihre blitzenden, gleißenden und funkenstiebenden Zauber durch den Äther schießen lassen, dann fließt die dabei entstandene, überschüssige Zauberkraft durch den Vulkan ins Innere der Fantasy-Welt ab – wie durch einen gurgelnden Abfluss eben. Ist das Becken voll, dann kommt es wie es kommen muss: Der Abfluss läuft über, der Vulkan bricht aus – und ein Quintett aus freundlichen Elementarwesen sorgt dafür, dass die im Erdinnern frisch aufbereitete Magie nicht etwa unkontrolliert durch die Weltgeschichte zischt, sondern dorthin kommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Kaum verwunderlich also, dass Kaos eine ziemlich genaue Vorstellung davon hat, wo das ist: bei ihm!

Also mobilisiert der kleine Kotzbrocken seine Schergen, um die riesenhaften Elementargötter gefangen zu nehmen und sie mit seiner jüngsten Erfindung, dem 'Fiesinator' zu bestrahlen – denn die Opfer der lila leuchtenden Pest werden… nun ja… ganz schön fies eben. Selbst Kaos treuer Kobold-Diener Glumshanks wird auf diese Weise zum 'noch böseren' Glumshanks: Die treue Seele war ihrem Meister einfach nicht gemein genug.

Doch während Kaos' fiese Horden ihre Invasion der friedlichen Wolkenbruchinseln beginnen und sich daran machen, einen Elementar-Protz nach dem anderen zu fisinieren, trägt der Wind einen unerwarteten Retter in die bedrängte Region: Der passionierte Bruchpilot Flynn stürzt genau im richtigen Moment über den Wolkenbruchinseln ab – und mit an Bord sind natürlich wie gehabt die Skylanders. Zusammen (d.h. Flynn wartet, die Skylanders erledigen die Arbeit) schlägt man sich über den von kuscheligen Wäldern bewachsenen Wolkenberg bis nach Holzhausen durch: Von dieser Basis aus bereisen die Skylanders unter Anleitung ihres Portalmeisters (also uns) die unterschiedlichen Regionen, Ruinen und Westentaschen-Dimensionen der Wolkenbruchinseln, während Raubkatzen-Marktschreiter Rufus sowie seine Tochter Tessa mit Rat und Tat zur Seite stehen, uns die kauzige Schamanin 'Häuptline' über die Beschaffenheit der Skylands aufklärt und die hippen Hipo-Bros. die Infra-Struktur des Örtchens pflegen – der kleinere von beiden, indem er uns im ansässigen Shop nützliche Gegenstände verschachert, der andere durch die Wartung eines Netzwerks von magischen Eiern. In denen dürfen wir unsere Figürchen ordentlich aufmotzen (anstelle bei der aus den Vorgänger-Spielen gewohnten Fee), indem wir gesammelte Erfahrungspunkte und Reichtümer in stärkere Fertigkeiten verwandeln.

Damit ist die Ausgangssituation und Hintergrundgeschichte von Activisions neuem "Skylanders"-Spiel auch schon geschildert – und für alle, die es bisher versäumt haben, in die zauberhafte Spiel- und Figurenwelt des Herstellers abzutauchen, mag sich das all zu sehr nach infantilem Kinderspiel anhören… doch weit gefehlt!

Dass die kleinen "Skylanders" seit ihrem Jungfernflug Ende 2011 rasant zu Activisions zweitem Standbein neben der prominenten Baller-Reihe "Call of Duty" avancierten, das hat seinen guten Grund: Die clevere Kombination aus Spielzeug- und Videospiel (mehr dazu und zur grundlegenden Funktionsweise des Spiels im Anhang 'Skylanders – Das Phänomen') wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie eine plumpe Gelddruckmaschine, doch tatsächlich wurden die Figuren so organisch und harmonisch ins Spiel-Design integriert, dass man zu keiner Zeit das Gefühl hat, für nichts und wieder nichts zur Brieftasche zu greifen. Wer für seinen Sammlertrieb ein nur begrenztes Buget zur Verfügung hat, der kann die Investition zwar auf ein Minimum reduzieren, indem er sich auf ein oder zwei Figuren pro Element beschränkt – doch so richtig spaßig wird's, wenn man während des Spiels den 'fliegenden Wechsel' zelebriert, also zwischen zahlreichen einzelnen Figuren hin und her springt, um jeder Situation mit der angemessenen Taktik begegnen zu können. Dazu zählt aber längst nicht nur die Unterteilung der kleinen Kerlchen in unterschiedliche Element-Klasse – vor allem die vielen, vielen Spezialfertigkeiten der Skylanders sind es, die jeden Charakter individuell und auf seine ganz eigene Art und Weise besonders nützlich machen.

 

 

Hat man das Angebot an unterschiedlichen Figuren im Vorgänger "Giants" vor allem durch die namengebenden Riesen erweitert, so sind es jetzt die Mitglieder der "Swap Force", die auch das neue "Skylanders" zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen, das weit mehr ist als nur ein bloßes Update: Als Wächter der Wolkenbruchinseln und ihres magischen Vulkans sind diese besonders tapferen Skylanders ins Kreuzfeuer geraten, als eine dunkle Macht den vorzeitigen Ausbruch des Bergs provoziert hat. Das Resultat: Jeder Swap-Forcler (die ihre Bezeichnung eigentlich erst seit diesem Ereignis verdienen) wurde in der Mitte zerteilt – wie beim Zersäge-Trick eines Variete-Magiers, dem sein Kunststück misslungen ist. Doch die unfreiwillige 'Zersägung' hat auch ihr Gutes: Ab sofort können alle 16 Kämpfer ihre Ober- und Unerteile unter- bzw. miteinander vertauschen: 'Swapped' der Robot-Blaster 'Magna Charge' (Element: Technik) z.B. mit dem -feurigen Bombenschmeißer 'Blast Zone' das Unterteil, dann wird aus ihm 'Magna Zone'. Vorteil der Verwandlung: Die Neu-Kreation behält Erfahrungspunkte, Levels und Spezialfertigkeiten des Oberteils, profitiert jetzt aber zugleich von denjenigen 'Skills', die im… nun ja… Hinerteil und Fahrgestell des Kollegen geseichert sind. Während der Original-'Magna Charge' auf einem grünen Energie-Rad durch die Gegend braust, schwebt sein Kollege auf Raketenstiefeln durch die Pampa, die ihm kurzzeitig eine sagenhafte Beschleunigung und natürlich ein stattliches Set an besonderen Talenten bescheren – und die leiht er jetzt bereitwillig seinem Mitstreiter.

Aber auch anders herum wird ein Schuh draus: Aus 'Magna Charge' und 'Blast Zone' kann auch genauso gut 'Blast Charge' werden… ein Bombenwerfer auf einem super-schnellen High-Tech-Rad.

Doch noch mehr raffiniert ausgetüftelte Charaktere motivieren zu einer von satten 256 Swap-Möglichkeiten, die nicht nur die individuellen Talente der am Körpertausch beteiligten Charaktere, sondern auch ihre Element-Klassen miteinander verbinden: Stehen wir z.B. vor einem der bereits aus Teil 1 und 2 bekannten Element-Portale, dann kann es bei "Swap Force" auch mal vorkommen, dass wir statt eines gleich ZWEI spezielle Elemente brauchen, um die Pforte zu knacken. Wer zusammen mit einem anderen "Skylanders"-Fan vor der Konsole sitzt, der ist in diesem Fall immer auf der sicheren Seite – denn auch der Mitspieler kann dieses zweite Element liefern. Sind wir dagegen auf uns allein gestellt, dann können es nur zwei passende Swappler richten: Unsere Beispiel-Kombination 'Magna Zone' bzw. 'Blast Charge' könnte demnach eine Pforte öffnen, auf der Feuer' und 'Technik' abgebildet sind.

Doch neben den bekannten Elementen bringen die Mitglieder der 'Swap Force' noch ein neues Attribut mit, das immer an das Unterteil des jeweiligen Kämpfers gebunden ist: Darauf prangen dann z.B. eine Leiter (für talentierte Klettermaxe wie das Davy-Jones-artige Tentakel-Tierchen 'Wash Buckler'), eine Rakete (für fliegende Skylanders wie 'Blast Zone') oder eine Feder für besonders springfreudige Kollegen wie Klapperschlange 'Rattle Shake' bzw. ein Bohrer – und ja, Angehörige dieser Fraktion sind besonders gut darin, sich in den Erdoben zu drällern. So z.B. Drehwurm-Primat 'Grilla Drilla', der außerdem für das Element 'Leben' seine gepanzerten Fäuste sprechen lässt. Oder Eulenschnabel 'Hoot Loop': Der verrückte Vogel (Element 'Magie') verschießt obenrum Blitze mit seinem Zauberstab, untenrum dagegen teleportiert er sich durch die Gegend, indem er einen mystischen Hula-Hoop-Reifen dort hin bewegt, wo er Sekundenbruchteile später wieder auftauchen möchte. Auf diese Weise beamt sich der blitzgescheite Magus auch gerne mal in den Rücken besonders dicker und widerstandsfähiger Gegnerbrocken, um ihnen dann gemein von hinten eins über zu braten: Nicht fair, aber effektiv!

Doch auch abseits der 'Swap Force' hält das neue "Skylanders" wieder jede Menge neue Figuren bereit: Die neu gestalteten Varianten altbekannter Kampfgefährten sehen diesmal besonders schick aus – so reitet der durchgeknallte Kobold 'Trigger Happy' jetzt auf einer Rakete in die Spielzeug- bzw. Spiele-Abteilung und Schraubenschlüssel-Schwingerin 'Sprocket' fährt gleich auf einem Panzer vor. So wird aus 'Trigger Happy' der neue, verbesserte 'Big Bang Trigger Happy', aus der normalen 'Sprocket' die brachiale 'Heavy Duty Sprocket'. Der skeletettierte Schwertschwinger 'Chop Chop' mutiert zu 'Twin Blade Chop Chop' (jetzt mit der 'Doppelklinge' für noch mehr Power) und Fischkopf 'Gill Grunt' wird zu dem mit einem schweren Anker-Geschütz bewaffneten 'Anchors Away Gill Grunt'.

Bis dato ganz und gar unbeschriebene Blätter gibt's natürlich auch: So lässt die lebende Bombe 'Countdown' kurzerhand ihren hochexplosiven Kopf aufs Schlachtfeld kullern, während der Skorpions-artige 'Scorp' mit seinem Scheren grüne Giftbällchen verschießt und sich der spukig-transparante 'Grim Creeper' mit kreisender Sense wie ein leibhaftiger Tornado um die eigene Achse dreht. Auch die Fisch-Fraktion hat Zuwachs bekommen: Kiemen-Kämpe 'Rip Tide' (Abb. rechts unten) hat nicht nur eine schicke Rückenflosse als Kopfputz, obendrein ist er ein Meister des Sägefisch-Schwerts. Oder genauer: Er kämpft nicht mit einem Schwert, sondern mit einem leibhaftigen und lebendigen Sägefisch! Außerdem darf er das Tierchen auf die Gegner schleudern – und ist der Sägefisch erstmal weg, greift er alternativ zu einem Hammerhai. Macht auch ordentlich Aua!

 

 

Und wem diese Beispiele noch nicht reichen, der sollte schleunigst zum Games-Dealer seines Vertrauens oder aber zu Toys'r'Us, Müller, Saturn oder Media Markt flitzen und sich selber ein Bild machen – zumal jeder der genannten Märkte über exklusive Farbvarianten der Wolken-Streiter verfügt. So gibt es nach wie vor die schwarz-goldenen 'Legendary'-Versionen ausschließlich bei Toys'r'Us. Zugegeben: Das ist nur ein Sammler-Gimmick für die ganz großen Fanatiker – denn auch wer sich alle 'normalen' Fassungen der Bildschirmkrieger besorgen will, der hat so einiges vor sich.

 

Dass sich die Anschaffung lohnt, dafür sorgt aber nicht allein die theoretische Anzahl unterschiedlicher Fertigkeiten pro Charakterkopf – vielmehr ist es die Tatsache, dass sich all diese Talente auch wirklich unterschiedlich ANFÜHLEN, die dafür sorgt, dass sich jeder Skylander anders spielt als seine Kumpanen… und das in "Swap Force" mehr denn je. Nicht ganz 'unschuldig' ist daran der Entwickler-Wechseln: Obwohl 'Toys for Bob' als Erfinder der Serie noch immer beratend eingreift und beim Charakter-Design mitmischt, so war es diesmal jedoch Branchen-Veteran und Techik-Profi 'Vicarious Visions', der das Spiel selber entwickelt und dafür gesorgt hat, dass die Skylands jetzt noch schöner und größer sind. Die Engine hinter Activisions Serie stammte zwar schon immer von den New Yorkern, doch angewendet wurde sie bis dato von den Erfindern der Serie.

Und der Umstieg auf die Technik-Profis hat sich gelohnt: Geschmeidige Animationen, kolossale Weitsicht und nicht zuletzt ein plastischeres Lichtmodell lassen die Serie jetzt auch visuell und inszenatorisch endgültig in die Oberliga aufsteigen. Vor allem das modernere 'Lighting' sorgt dafür, dass nicht nur die neuen Charaktere eine Menge hermachen, sondern auch die alten Bekannten eine bessere Figur machen. Ob alter Core-Charakter, 'Reposed'-Variante, einer der massigen 'Giants' oder aber die verzauberten Gegenstände: Jede Figur und jedes Objekt wurde aufwändig neu modelliert und texturiert – darum bereitet es jedem Fan ein diebisches Vergnügen, neben den neuen auch seine ganzen alten Schätze auf dem Portal zu positionieren – denn die neue Kosmetik sorgt für jede Menge positive Überraschungen! Ob es nun der auf dem Walbauch durch die Levels schlitternde Ankerschmeißer 'Thumpback' ist, der von seinen kleinen Ebenbildern umschwirrte Eingeborenen-Schamane 'Double Trouble' oder Pilzmännlein 'Shroomboom' – es lohnt sich in jedem Fall, die alten Helden in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Trotzdem ist die größte mit dem Entwickler-Wechsel einhergegangene Veränderung nicht kosmetischer, sondern spielerischer Natur – und das durch einen im Grunde simplen Eingriff: Obwohl die "Skylanders" ihre Ursprünge beim prominenten Jump'n'Run-Schuppentier Spyro hatten, konnten sie selber nicht springen wann und wo sie wollten – lediglich die eigens zu diesem Zweck in der Level-Landschaft postierten Sprungfelder halfen den Charakteren dabei, Höhenunterschiede zu überwinden.

Das hat sich jetzt dramatisch verändert: Zwar gibt es die Sprungfelder noch immer – doch die werden nur noch betreten, wenn man BESONDERS hoch hinaus will. Normale Hopser beherrschen alle Skylanders ab sofort selber: Die kleinen Kämpfer springen wie Hupf-Helden aus echtem Schrot und Jump'n'Run-Korn über all die Erhebungen, Hügel und Simse, die das Terrain der Wolkenbruchinseln prägen. Oder sie hopsen über Abgründe – auch wenn ein Absturz nicht mehr zur Folge hat als die spontane Reinkarnation am Absprung- bzw. Zielpunkt.

Etwas unangenehmer wird's da schon, wenn man mitten während eines Kampfes ins (mittlerweile unglaublich flauschige) Gras beißt: Dann muss der bezwungene Skylander bis zum nächsten erholsamen Tripp nach Holzhausen 'vom Brett' genommen und gegen einen frischen Mitstreiter eingetauscht werden.

Wer es gar nicht erst so weit kommen lassen will, muss clever taktieren – und das bedeutet diesmal nicht nur, die richtigen Spezialfähigkeiten im richtigen Moment einzusetzen, sondern vor allem viel zu springen! Ob man nun mit einem beherzten Satz über feindliche Schuss-Salven hinwegsetzt oder sie einfach nur nutzt, um entweder schneller auf den Gegner zu bzw. von ihm weg zu hoppeln – viel zu springen, das ist im Eifer des Gefechts immer eine gute Idee!

Was allerdings nicht bedeutet, dass diese Gefechte wegen der neu gewonnenen Bewegungsfreiheit jetzt ein Zuckerschlecken wären: Der Schwierigkeitsgrad der Konfrontationen wurden entsprechend angehoben – -allerdings nicht auf die plumpe "Wir sind jetzt alle viel stärker und gemeiner!"-Weise, sondern vor allem bei Anspruch und Gegner-KI.

Kurzum: "Skylanders" – das ist jetzt auch etwas für den echten Vollblutzocker. Selbst wer bisher einen mangelnden Spielumfang bzw. die verhältnismäßig kurze Kampagne beklagt hat, der wird im neuen "Skylanders" voll auf seine Kosten kommen: Nicht nur, dass der Story-Modus gehörig in die Länge (mehr Spielzeit) und in die Breite (mehr zu erforschen) gegangen ist – obendrein ist der neue Teil mit so vielen Extras, Spezial-Modi und Sammler-Goodies gespickt, dass man schwerlich unter 40 Stunden Spielzeit auskommen wird, wenn man die angebotenen Extras auch nur halbwegs beackern möchte. Oder sollte man ernsthaft auf die launigen -seitwärts scrollenden Jump'n'Run-Levels verzichten, die im 'Holzhausen'-Level-Hub verborgen sind? Oder die bereits eingangs erwähnten Levels, die wir nur dann betreten können, wenn wir einen Swappler mit dem passenden Attribut zur Hand haben? Dahinter verbergen sich nämlich ausgebuffte Geschicklichkeits- und Reflex-Tests nach altem Arcade-Vorbild: Ausweichen, fliegen, zwischen den Bumpern eines Flipper-artigen Aufbaus herumtitschen – das ist gerade für Zocker der alten Schule ein Fest.

 

Und obwohl die nach wir vor intakte Hut-Logik (d.h. wir setzen anstelle von Helmen oder Rüstungen Hüte auf) längst nicht bei jedem Spieler auf Gegenliebe stoßen dürfte, so gibt es doch inzwischen eine wirkungsvolle Methode, die Werte unserer Figuren aufzumöbeln, ohne dabei auf die oft wenig kleidsamen Kopfbedeckungen angewiesen zu sein – den Portal-Meister-Level! Den heben wir vor allem durch Fleißarbeit an – d.h. wir erfüllen so viele Bonus-Parameter wie möglich, meistern die unterschiedlichen Herausforderungen am besten im Dutzend und stellen uns auch sonst so engagiert und clever wie möglich an. Haben wir unser Portal-Meister-Level schließlich weit genug angehoben, dann dürfen wir auf den passenden Sockeln (alle mit Mindeststufen ausgezeichnet) jeweils einen 'Legendären Schatz' platzieren – und dessen magische Boni wirken sich nicht auf einen einzigen Skylander, sondern gleich auf unsere komplette Truppe aus.

Und wem das noch immer nicht reicht, um seine Mannschaft in Bestform zu bringen, der darf sich endlich wieder über Bonus-Level-Zuwachs in greifbarer Form freuen – die 'Battle Packs' sind zurück! In Teil 2 glänzten die Dreierpacks aus ein bzw. zwei Figuren, einem Level-Add-On und einem oder mehreren Gegenständen leider durch Abstinenz… doch für "Swap Force" warten Modelle wie die 'Fiery Forge' und der 'Tower of Time' darauf, ihren Weg auf das Portal zu finden, um im Spiel einen neuen, besonders extravaganten Spielabschnitt freizuschalten.

 

Wer die Extra-Stages, die wundervoll ausgearbeitete Kampagnen-Welt und all ihre neckischen Kämpen überdies auf einer der für Ende November anstehenden Next-Gen-Konsolen bespielt, der steigert den Genuss- und Erlebnis-Faktor noch weiter: "Skylanders Swap Force" auf Xbox One bzw. PS4 gehört zu den schönsten Starttiteln für die neue Generation, schniekere Helden und eine plastischere Spielwelt hat aktuell kein anderer Titel zu bieten. Zugegeben: An der Seite von Washbuckler, Blast Zone (beide rechts), Free Ranger, Rattle Shake, Rip Tide, Grim Creeper, Grilla Drilla, Scorp & Co. auf Abenteuer auszuziehen – das ist nicht unbedingt das günstigste Spiel-Vergnügen, aber auf alle Fälle ein sehr befriedigendes. Wer eine Sammler-Ader hat, detailreiche Action-Figuren und tolle Spiele schätzt – für den spricht nichts dagegen, all diese Leidenschaften in einem einzigen Hobby zu vereinen. Obwohl mit Disneys "Infinity" bereits ein zweites Figuren-Spiel um die Gunst der Käufer buhlt, behaupten die Skylanders mit ihrem dritten Abenteuer souverän ihre Spitzen-Postion.

 

 

 

 

Skylanders: Das Phänomen

 

Über eine Milliarde Dollar haben die putzigen Spielzeug-Helden und ihr digitaler Abenteuerspielplatz bisher in die Kassen von Publisher Activision gespült – und der jüngste Serien-Spross "Swap Force" ist in dieser Kalkulation nicht mal berücksichtigt. Klarer Fall: Die Action-Helden sind ein echter Verkaufsschlager – verrückte Fans, die mit prall gefüllten Einkaufswägen/tüten die Kassen belagern oder die Auslagen bei Toys'r'Us & Co. nach den begehrten Spezial-Varianten durchforsten, sind dieser Tage längst keine Seltenheit mehr.

Doch was macht das Abenteuer in den Skylands und die begleitende Spielzeug-Serie so erfolgreich, dass kindliche bis Kind-gebliebene Zocker hunderte Euro in ihre Sammlungen investieren und sich selbst Unterhaltungsriese Disney ("Disney Infinity") an einem Konkurrenzprodukt versucht, um in dem lukrativen Markt mitzumischen?

Im Grunde ist die Erklärung so simpel und naheliegend, dass die Eröffnung dieses neuen Markt-Segments durch einen potenten Spiele-Publisher früher oder spät unausweichlich war: Wer bereit ist, so viel Zeit in sein Hobby und nicht zuletzt in ein einziges Produkt zu investieren wie Spieler – der indentifiziert sich derart intensiv mit dem Objekt seiner Begierde, dass er fast schon zwangsläufig auf Idee kommt, seine Behausing mit figurinen Abbildern seines Hobbys zu verzieren. Die florierende Merchandise- und Begleitprodukt-Branche ist der beste Beweis für dieses Nerd-Naturgesetz: Bereits seit frühen PSOne-Zeiten häufen sich in den Angeboten von Fachändlern Sammlerfiguren zu "Resident Evil", "Final Fantasy", "Tomb Raider" und anderen beliebten Spiele-Titeln – denn das Bedürfnis, eine Umgebung nicht nur zu sehen oder zu hören, sondern auch 'greifbar' zu erfahren, die erstreckt sich auf das Welten-simulierende Medium Spiel ebenso wie auf die es umgebende Wirklichkeit.

Was wäre also naheliegender und vor allem natürlicher als die endgültige Symbiose aus Spiel- und Spielzeug-Ebene? Wenn sich Spieler sowieso Figuren kaufen, warum ihnen dann nicht im Game selber eine Rolle zukommen lassen?

Gesagt, getan: Indem Serien-Erfinder 'Toys for Bob' ("The Horde", "Pandemonium") und Activision jedem Starter-Pack von "Skylanders" ein USB-Portal für den Anschluss an die Konsole beilegen, erlauben sie die Kommunikation zwischen Spiel und Spielzeug. Und das geht so: Drollige Sammler-Figürchen wie der oben dargestellte Erd-Dino 'Bash', der schuppige 'Gill Grunt', der explosive Lava-Kopf 'Eruptor' oder der schießwütige Kobold 'Trigger Happy' werden auf dem Portal platziert, um daraufhin per Elektro-Magnetismus ins Spiel 'gebeamt' zu werden und mit ihm zu kommunizieren. Und weil Kommunikation immer in zwei Richtungen funktioniert, bewirkt die Platzierung des Figürchens nicht nur die Aktivierung seines entsprechenden Gegenstücks im Spiel – obendrein werden sämtliche Änderungen an seinem Datenpäckchen im Spiel in Echtzeit auf den Sockel des Plastik-Kollegen geschaufelt. Darum befindet sich die digitale Persönlichkeit (bestehend aus Erfahrungspunkten, Stufen, Fertigkeiten, angehäuften Reichtümern und todschicken Hüten anstelle von Helmen bzw. Rüstungen) eines jeden Helden nicht im Spiel, sondern in seiner Figur. Praktisch betrachtet hat das den Vorteil, dass die Helden durch diesen Kniff transportabel sind (wie ein Tamagotchi oder die schickere Version einer PS2-Memory-Card) und daher jederzeit im Rucksack verstaut und zum Zweispieler-Duell bei einem Kumpel abtransportiert werden können.

Philosophisch gesehen geht es jedoch vor allem darum, die Illusion eines echten, greifbaren Helden zu gestalten: Ein Kunststück, für dessen Umsetzung man die "Toy Story"-Autoren Alec Sokolow und Joel Cohen verpflichtet hat – schließlich haben die beiden jede Menge Erfahrung mit der narrativen Ausgestaltung einer Spielzeug-Welt, die parallel zu unserer eigenen existiert. Ihre Lösung: Die "Skylanders" sind echte Lebewesen, die beim Eintritt in unsere Dimension zur Salz… äh… Kunststoff-Säule gefrieren und sich nur mit Hilfe eines Portals wieder in ihre Heimat zurückschicken und 'auftauen' lassen.

Dabei war "Skylanders" längst nicht immer als das kunterbunte und familienfreundliche Figuren-Spektakel geplant, das wir heute kennen: Das ursprünglich als "Spyro the Dragon"-Teil konzipierte Spiel sollte statt des bekannten Teenie-Schuppentiers einen reiferen Drachen zeigen und deshalb als erwachsenes, blutiges Action-Geschnetzel angelegt werden – doch der Plan wurde schnell wieder verworfen und an seine Stelle trat der Plan einer Symbiose aus Action-Adventure und Merchandise-Produkt, während Spyro selber immer weiter in den Hintergrund trat. Immerhin: Der erste Teil hatte "Spyro's Adventure" zumindest als Untertitel, und das bekannte Flügeltier selber gehört bis heute fest ins Figuren-Repertoire der Serie – und zwar ins Element 'Magie'.

Apropos 'Element': Ein wesentlicher Bestandteil des Spielkonzepts ist die seit "Pokémon" gängige Unterteilung der Helden in unterschiedliche Klassen. Neben den klassischen Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft kommen noch 'Technik', 'Leben' und 'Gespenster' hinzu. Doch diese Unterteilungen sind mehr als nur kosmetischer Natur: Manche Passagen lassen sich nur öffnen, wenn ein Vertreter des angezeigten Elements vor der Pforte steht – wieder andere Gebiete verschaffen dem Kämpfer Status-Vorteile, wenn er zur empfohlenen Klasse gehört.

Doch darüber hinaus passen Figuren-Design und Angriffsform zu seinem jeweilige Elementar-Reich: Fischkopf 'Gill Grunt' verschießt Harpunen oder Wasserfontänen, Luftikus 'Warnado' reitet auf einem Tornado, Baumstamm-Männlein 'Zook' (benannt nach seiner durchschlagskräftigen Ast-Bazooka) lässt zur Verteidigung einen Wall aus Bambuspflanzen sprießen, Gespens-ter-Reiter 'Fright Rider' erkundet die Levels auf dem Rücken eines aggressiven Brathähnchens und Erdgolem 'Prism Break' schießt leuchtend grüne Strahlen aus seinen Samaragd-Armen.

 

Gerade mal ein Jahr später wird das Spiel- und Sammel-Konzept mit dem Nachfolger "Skylanders Giants" noch mal ein bisschen komplexer: Zu den bisher bekannten, kleinen Figuren gesellen sich die massigen 'Giants', die Entwickler Toys for Bob als kraftvolle Grobmotoriker inszeniert, die zwar arg langsam durch die Landschaft stapfen, dafür aber besonders kräftig zulangen. Doch die behäbigen Muskelprotze eignen sich nicht nur hervorragend für Massenkloppereien mit Kaos' Chaos-Wichten – außerdem können die dicken Brocken ohne Zuhilfenahme von Bomben Mauern und Hindernisse einreißen. Vor allem lassen sich aber nur die speziellen Stärke-Prüfungen mit Hilf eines Riesen erledigen: Die Kolosse zurren an schweren, rostigen Ketten ganze Inseln zusammen, wuchten schwere Kisten herum oder brechen mit Karacho durch eine poröse Stelle im Boden, um darunter liegende Höhlen-Komplexe und Extra-Levels zu erforschen.

Doch die 'Giants' sind nicht die einzigen Neuerungen, die der zweite Teil für den Sammler bereithält: Außer neu ins Szene gesetzten Varianten bereits bekannter Figuren ('Reposed'-Modelle) und neuen 'Core'-Charakteren verzaubern uns hier besonders die 'Ligthcore'-Varianten mancher Charaktere. Die posieren nicht nur anders als ihr 'normales' Gegenstück, außerdem benutzen sie die Saft-Versorgung über den ins Figürchen integrierten RFID-Chip (das steht für die mit Hilfe elektromagnetischer Felder funktionierende 'Radio Frequency Identification', der Publisher selber bezeichnet seine Technologie schlicht als 'Magie'), um die transparenten Teile der kleinen Kameraden aufglühen zu lassen wie die Kerzen an einem Weihnachtsbaum – ein ausgesprochen hübscher Effekt, der übrigens auch bei den 'Giants' funktioniert.

Wer's gerne noch bunter hat, der kann mittlerweile aus einem ganzen Sammelsurium unterschiedlicher Zusatzprodukte von Lizenznehmern wählen: 'Mega Bloks' als die US-Antwort auf LEGO liefert zusammen mit Kleinst-Varianten der Skylanders Baukästen, die Level-Landschaften und Vehikel mit allerlei Spezialfunktionen ins Kinderzimmer bringen, andere Hersteller bescheren uns Figuren-Tornister in Turmform oder Replika der Skylanders-Wummen, bei denen die kleinen und großen Fans mit Schaumstoff-Projektilen durchladen. Bettwäsche, Poster, leuchtende Kampfarenen, Rucksäcke, Begleitbücher, Plüschtiere und vieles, vieles mehr: Nintendo hat Ende der 90er mit seinen "Pokémon" ein aus dem Videospiel-Segment stammendes Medien- und Merchandise-Phänomen erschaffen, jetzt übernehmen Activisions Skylanders das Geschäft. Naja, zumindest fast: Die passende Animationsserie fehlt noch – ist aber vermutlich schon jetzt vorprogrammiert. Und schließlich haben wir mit den Spielen mehr als genug zu tun: Getreu dem US-Werbe-Slogan "The only videogame, where toys come to life" birgt jede Episode so viele Extras, dass man seine kleinen Freunde wieder und wieder Gassi führen zum Leben erwecken kann…

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Kommentare: 1
  • #1

    sprocket (Sonntag, 16 März 2014 10:00)

    Wie kann man im Panzer fahren