Die "Flatter machen" auf Drachisch… oder so: "Crimson Dragon" für Xbox One bei der Flugprüfung

Eigentlich sind Drachen und die mit ihnen einhergehende Infektionskrankheit die Feinde der menschlichen Siedler – doch manche überleben die Seuche und bauen dadurch eine telepathische Verbindung zu den vermeintlichen Feinden auf. Die werden daraufhin zu ihren Verbündeten und lassen sich als Reittier dressieren.


 

Auf Segas kurzlebiger 32-Bit-Konsole "Saturn" (damals der direkte Gegenspieler der ersten PlayStation) war der Arcade-gepolte Drachen-Shooter "Panzer Dragoon" Kult – und zwar so sehr, dass Publisher SEGA nicht nur einen zweiten Teil, sondern gleich ein eigenes Rollenspiel nachschob. Für den einzigartigen Stil der Abenteuer sorgte neben der Design-Handschrift von Erfinder Yukio Futatsugi das Ausnahme-Talent des französischen Comic-Gurus Jean Giraud alias 'Moebius': Auf dessen Konzeptkunst basierten der Look des 'Panzer Drachen' und seiner bizarren Fantasy-Welt. 

 

Weil der 74jährige Giraud im Mai 2012 verstarb, konnte er zum geistigen Nachfolger "Crimson Dragon" leider nichts mehr beisteuern, doch Mastermind Futatsugi ist ebenso wieder mit an Bord wie Original-Komponist Saori Kobayashi. Entwickelt wurde diesmal allerdings nicht in Japan, sondern bei den Microsoft Studios: "Crimson Dragon" gehört zum exklusiven Start-Programm der Xbox One und soll der neuen Microsoft-Konsole die Sympathie von Insidern und Retronauten sichern. Schließlich hat man das an die Spielhalle angelehnte Gameplay des Vorbilds fast eins zu eins auf die NextGen-Hardware übertragen: Genauso wie "Panzer Dragoon" reiht sich "Crimson Dragon" in die heute unter-repräsentierte Zunft der 'Rail-Shooter' ein – d.h. der Spieler fliegt auf dem Rücken seines Schuppentiers über vom Programm vorgegebene Kurse. Von den unsichtbaren 'Rails' (Schienen) abweichen kann er nicht, lediglich Blickrichtung und Fadenkreuz zum Abschießen feindlicher Kreaturen darf er mit dem Pad bestimmen.

 

Auch hierbei verlässt sich "Crimson Dragon" auf das gleiche Zielen- und Abschießen-Prinzip wie der Saturn-Klassiker von 1995: Entweder feuert er manuell gezielte Einzelprojektile ab – oder er verschießt eine ganze Reihe zielsuchender Partikel, nachdem er zuvor mit dem Fadenkreuz gleich mehrere Ziele auf einmal markiert hat. 

 

Doch trotz der vorlagentreu erhaltenen Formel funktioniert der neue Drachenflug nicht annähernd so gut wie sein Urvater: Die Landschaften des von Echsen- und übergroßem Insekten-Getier bevölkerten Planeten ist frei von nennenswerten grafischen Überraschungen, die wenigen Höhepunkte sind dramaturgisch weder besonders klug gesetzt noch präsentiert. Hinzu kommt, dass sich Fans des antiquierten Action-Subgenres schwerlich gefordert fühlen dürften, denn das lebte stets vom Auswendiglernen raffiniert arrangierter Feindformationen: Doch die willkürlich durcheinander geworfenen Gegner-Haufen aus "Crimson Dragon" sind ebenso wenig erinnerungswürdig wie das sie umgebende Szenario. Das erweist sich obendrein als wenig hilfreich, um das Auftreten der feindlichen Schwärme oder Riesenmonster an einem bestimmten Punkt festzumachen und zu verorten. 

 

Die Möglichkeit, die unterschiedlichen Reitdrachen durch die Gabe von Erfahrungspunkten und leckerem Echsenfutter zu verbessern, motiviert zumindest kurzzeitig. Doch dem platten Szenario die nötige Würze verleihen kann auch dieses Feature kaum: Die Geschichte von den armen Siedlern, die auf dem unwirtlichen Drachenplaneten von einer Schuppen-Seuche entweder dahingerafft oder in telepathisch versierte Drachenreiter verwandelt werden, beschränkt sich auf anonyme Menütexte und belanglose Mission-Briefings. So baut man heutzutage keine Stimmung mehr auf.

 

Wer unbedingt einen Fantasy-Ausritt in ein fast ausgestorbenes Spiele-Genre erleben will, der gibt "Crimson Dragon" vielleicht eine Chance, doch seinem berühmten Vorbild wird der mit 20 Euro viel zu teure Download leider nicht gerecht. (6.5 von 10)

 

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