Am liebsten Weihnachtsplätzchen verbrennen: "Wii Fit U" im Abspeck-Test

Die sportive Funktionsweise seines interaktiven Fitness-Programms erklärt Nintendo am liebsten mittels Promo-Shots. Hier chargieren sportliche und junge Schönmenschen rund ums Balance-Board – mal mit den Füßen, mal mit dem Podex voraus. 


Außer namlosen Knack-Models stellt sich auch Ex-Tennis-Fräulein-Wunder Steffi Graf aufs Balance-Board, um für dessen Bewegungs- und Abspeck-förderliches Trainingsprogramm zu werben. Die noch immer durchtrainierte Promi-Sportlerin verdeutlicht dabei u.a. das Konzept hinter dem kleinen 'Wii Fit Meter': Das Zubehörteil zählt den Kalorienverbrauch während des Tages – ob beim Joggen und Sporteln oder beim normalen 'Rumlatschen'. Später werden die derart gesammelten Daten mit der WiiU und dem persönlichen "Wii Fit U"-Fitness-Plan abgeglichen.


 

 

Videospieler sind bewegungsfaul und fett – dieses Vorurteil hat sich über Jahrzehnte hartnäckig gehalten… und mal ehrlich: So ganz aus der Luft gegriffen ist es nicht. Wer zahllose Stunden damit verbringt, bei "Assassin's Creed" Erinnerungs-Fragmente zu sammeln oder bei "Mario" Sternchen-Extras hinterherzulaufen, der trainiert dabei bestenfalls Finger- und Sitzmuskeln.

 

Entsprechend viel Aufmerksamkeit erntet Nintendo, als man 2008 mit der sportiven Minispiel-Sammlung "Wii Fit" die Couch Potatoes zum Schwitzen bringt: Damit gehört die launige Kreuzung aus Game, Home Trainer und interaktivem Fitness-Video zwar nicht unbedingt zu den Wunschtiteln der jüngeren Nintendo-Fans, aber sehr wohl zum erklärten Pflichtprogramm für deren Eltern, die ihre kleinen Dauerhocker damit endlich mal für ein gesundes Ganzkörper-Bewegungsprogramm begeistern möchten.

 

Bei so viel Lob und positivem Presse-Echo ist eine Fortsetzung der beliebten Strampel-, Hampel- und Abspeck-Aktion für den Wii-Nachfolger vorprogrammiert: "Wii Fit U" für WiiU soll die einstigen Nintendo-Athleten dazu motivieren, das zusammen mit dem Vorgänger erstandene 'Balance Board'-Zubehör wieder aus dem Schrank zu holen und abermals unliebsame Rettungsringe zu bekämpfen. Wem das Zubehör noch abgeht, der bekommt die Kombi aus Spiel, Board und dem neuen 'Wii Fit Meter' für rund 90 Euro im Handel – wer die clevere Kombi aus Waage, Bewegungs-Controller und Fitness-Zubehör dagegen schon besitzt, der lädt sich in Nintendos Online-Store die kostenlose Probeversion runter. Für das Freischalten der Vollversion benötigt er lediglich das 'Fit Meter', das für günstige 20 Euro zum ständigen Begleiter im Alltag wird, um dabei den Kalorienverbrauch aufzuzeichen. Der tiefere Sinn dieser Aktion: Beim abendlichen "Wii Fit U"-Workout werden die tagsüber gesammelten Daten mit dem Traingsprogramm abgeglichen.

 

 

Diese Aufnahmen verdeutlichen Unterschiede zwischen dem Spielgeschehen auf dem TV- und dem Gamepad-Screen. Bei vielen eher konventionellen Übungen wird das Gamepad schlicht abgelegt, hin und wieder unter dem Fernseher platziert, um den Spieler bei seinem Workout zu beobachten und zu spiegeln. Auf diese Weise kann der kontrollieren, ob seine Körperhaltung mit der vorgegebenen übereinstimmt.


 

 

Letzteres beherbergt inzwischen immerhin stolze 77 Mini-Games, mit denen Pfunde vernichtet und der Bewegungsapparat gestärkt bzw. diszipliniert werden sollen: Die Aufgaben dabei reichen wieder mal von simplen Jogging- und Stepper-Workouts bis hin zu anspruchsvollen Yoga-Verknotungen oder drolligen Reaktions-Tests, die die Grenzen zwischen Sport und Spiel mal mehr, mal weniger geschickt verwischen. Das Balance Board fungiert dabei wie gehabt als Allzwecks-Werkzeug, das nicht nur das Gewicht misst, sondern außerdem Druck- und Gleichgewichtsschwerpunkte registriert und entsprechend in die jeweilige Übung überträgt. Auch die Position der Füße wird verhältnismäßig akkurat aufgezeichnet, sodass der Trainierende z.B. beim 'Auf der Stelle laufen' sogar Haken schlagen und Kurven beschreiben kann. Das WiiU-Gamepad erweist sich dabei je nach Übung mal als hinderlich, mal als äußerst nützlich: Während der Controller meist nur der Menü-Navigation dient und deshalb kurz vor dem eigentlichen Training zur Seite gelegt wird, so fungiert er bei einigen gymnastischen Tests zur Selbstkontrolle: Dann wird das mit einer Kamera ausgestattete Gamepad so unter bzw. vor dem Fernseher positioniert, dass es den Spieler bei seinen Übungen aufnimmt und ins Spielumfeld hinein kopiert. Auf diese Weise kann man beobachten, ob die Körperhaltung der Programm-seitig vorgegebenen Ideal-Linie entspricht.

 

Ansatz und Ausführung des verspielten Fitness-Trainers sind also einmal mehr überwiegend positiv zu bewerten: Obwohl "Wii Fit U" schwerlich den Besuch in einem Fitness-Center oder die Anschaffung ordentlicher Trainingsgeräte ersetzen kann, so ist es doch eine ansprechende und dabei verhältnismäßig günstige Alternative zu weniger interaktiven Trainings-Methoden wie Videos. Oder bloßem Rumsitzen. Die Ausgestaltung des 'individuellen Trainingsprogramms' (das übrigens vom Wii-Vorgänger übernommen werden darf) ist allerdings mit einiger Vorsicht zu genießen, weil das Programm z.B. nur Gewicht und Größe in Relation zueinander setzt, ohne dabei Aspekte wie das Körperfett einzubeziehen: Nach "Wii Fit U"-Logik ist auch ein durchtrainierter Body Builder mit schwerer Muskelmasse ein Fettklops, der dringend abspecken muss.

 

Auf einen echten Mehrspieler-Modus müssen verschwitzte WiiU-Sportler aber nach wie vor verzichten: Die Online-Anbindung dient lediglich dem Vergleich der Trainingspläne. Immerhin garantiert dieses Feature zusätzlichen Ansporn – und der ist beim Fitter-werden ja nicht gerade unwichtig. (7.5 von 10) 

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