Baller Dir einen: Resogun

Modernisierter Klötzchen-Chic: Bei "Resogun" zeigt die PS4 ihre Grafikmusckis, indem sie unzählige kleine Kuben zu komplexen Gebilden formt. Bei einem Treffer trennen sie sich in grellen Explosionen wieder voneinander.


 

Der vielleicht beste und hübscheste Exklusiv-Titel zum PlayStation-4-Start ist kein superteurer Blockbuster, kein "Killzone" und kein "Knack", sondern ein kleiner Action-Download des finnischen Independent-Studios 'Housemarque': "Resogun" kombiniert die Tradition altehrwürdiger Spielhallen-Shooter á la "Defender" mit der Mechanik eines 'Twinstick'-Baller-Infernos. Will heißen: Wie bei Williams' Arcade-Klassiker von 1980 geht es darum, kleine Pixel-Männlein vor einer bösen Alien-Armada zu retten, indem man in der Horizontalen durch abstrakte SciFi-Welten düst und ordentlich den Abzug malträtiert. Der liegt hier allerdings nicht wie bei den meisten Raumschiff-Ballereien üblich auf einem Button des Controllers, sondern wird vielmehr mit Hilfe des rechten Analog-Sticks betätigt: Linker Steuerknüppel fliegen, rechter Steuerknüppel ballern – und zwar immer in Richtung des Stick-Kommandos.

 

Auch der Rest klassischen Action-Regelwerks wird pflichtbewusst abgehakt: Smartbombe, die auf Button-Druck alle Gegner vom Schirm putzt und dann erstmal eine Weile nicht mehr verfügbar ist? Check. Pfiffige Feindformationen, die man am besten mit katzenhaften Reflexen und geduldigem Auswendiglernen umschifft? Check. Fette, bildschirmfüllende Bosse, die aus allen Rohren feuern und die Spielergriffel schweißnass machen? Check.

 

Kurzum: "Resogun" vereint das Beste aus retrospektiver Action-Polung und Shooter-Moderne, obendrein haben die findigen Finnen ihre futuristischen Raumschiff-Tummelplätze stilecht aus kleinen 3D-Bauklötzchen gebaut, die dem Baller-Inferno einen Pixel-artigen Retro-Look verleihen. Passend dazu gibt's treibende Techno-Mucke – das Ergebnis ist eine suchtverdächtige Mixtur von fast schon medidativer Qualität, die nur dann für einige Augenblicke vom Gas geht, wenn man das entsprechende Zeitlupen-Manöver einsetzt, das nach einigen Flugmeilen in einer bunten Super-Explosion gipfelt.

 

 

Obwohl wenig eigenständig, so ist "Resogun" in seiner Ausführung doch außergewöhnlich innovativ: Steuerung, Timing und Gegner-Einsatz zeugen von einem tiefen Verständnis des klassischen Shooter-Genres und seiner Urväter – hier hat jemand seine Action-Hausaufgaben gemacht! Sogar die Eigenart vieler antiker Action-Aufgebote, das Raumschiff des Spielers nach Passieren der Level-Grenze am anderen Ende wieder auftauchen zu lassen, wurde clever aufgearbeitet: In "Resogun" werden die Welten zwar von links nach rechts (oder umgekehrt) durchflogen, doch dabei dreht sich das Spielgeschehen um eine zentrale Level-Säule im Kreis – es gibt also keinen Anfang und kein Ende.

Ergo: Würden die frühen Meister der Spielhalle heute die kollektive Quintessenz ihrer Schöpfungen auf einen gemeinsamen, fulminant inszenierten Nenner bringen, dann würde dabei vermutlich "Resogun" rauskommen.

 

Trotzdem: Wer mit Ballereien der alten Horizontal-Schule nichts anfangen kann, der wird auch "Resogun" nichts abgewinnen. Denn der hemmungslose Genuss des kleinen Ausnahme-Titels setzt profunde Kenntnis der zitierten Klassiker voraus. Während sich Retronauten also im Siebten Himmel wähnen, schütteln junge Action- und "Call of Duty"-Egomanen nur verwundert mit dem Kopf. (7.5 von 10)

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