Ich wär so gern ein Zelda: "Oceanhorn" für iOS schippert ins elektrische Test-Dock

Die an klassische 16Bit-Titel wie "Landstalker" erinnernde Iso-Grafik ist für ein iOS-Abenteuer ungewöhnlich detailliert und fein gezeichnet. Leider bringt sie Orientierungs- und Kontroll-Probleme mit sich.


 

Vom Aufbau der Spielwelt und seiner Bewohner bis hin zur Spielmechanik haben sich die Finnen so ausgiebig beim Klassiker bedient, dass man nicht so recht weiß, ob man eine gut gemeinte Hommage oder eine dreiste Kopie vor sich hat: Nun trägt der namlose „Oceanhorn“-Held zwar nicht die charakteristische grüne „Zelda“-Tracht. Doch die für Nintendos Reihe typische Kombi aus Schild und Schwert ist ebenso präsent wie ein geräumiger Heldenrucksack, der nach und nach mit Spezial-Werkzeugen wie Pfeil und Bogen, Bomben oder einem Paar magischer Schuhe gefüllt wird. Ohne diese Extras bleiben wie gewohnt viele Regionen des putzigen Fantasy-Universums verschlossen: Mit den Bomben werden verschüttete Passagen freigesprengt, und die Schuhe lassen den sonst Sprung-unfähigen Held kleine Hopser ausführen, mit denen er endlich kleine Höhenunterschiede überwinden kann.

Letztere spielen in dem mobilen Möchtegern-“Zelda“ nämlich eine entscheidende Rolle: Anders als beim Vorbild ist die Kamera in einer isometrischen „von schräg oben“-Stellung festgetackert. Dabei fängt sie eine Spielwelt ein, in der man 3D-Kisten zu hübsch illustrieren Wüsten-, Wald-, Vulkan- und Hügel-Landschaften aufgeschichtet hat. Die machen visuell zwar eine Menge her, sorgen aber auch für viel Frust und Desorientierung: Zwischen all den „Kistenbergen“ doch noch den richtigen Weg zu finden – das soll wohl einen wesentlichen Reiz des Abenteuers ausmachen, doch dafür fehlt es den konfusen Level-Layouts an Kompaktheit und Übersichtlichkeit.

Ebenfalls wenig geschickt ist das Zusammenspiel von Perspektive und Touchscreen-Steuerung: Eigentlich verlangen Action-Adventures mit Iso-Kamera nach Kontroll-Präzision – mit dem Touchscreen ist das ein echtes Problem.

 

Hommage oder Kopie? Die meisten Spielelemente hat man aus Nintendos "Zelda"-Kosmos übernommen – darunter die Kämpfe mit Schwert, Schild und Pfeil plus Bogen. Die Irrfahrten übers Adventure-Meer widerum hat man aus "Wind Waker" importiert.


 

Obwohl sich die Entwickler sichtlich darum bemühen, durch die Koppelung der Helden-Fertigkeiten an Gegenstände, knuffig präsentierte Echtzeit-Gefechte und ein bisschen Dungeon-Denksport an den selben Spielspaß-Schrauben zu drehen wie ein „Zelda“, so kommt „Oceanhorn“ niemals richtig aus den Motivations-Startlöchern: Weder der Anime-Held von der 0815-Wuschelfrisur-Stange noch die austauschbare Anordnung von Level-Bausteinen, Protagonisten und einer unmotivierten Gegner-Population verströmen die Sorte Charme, die man anfangs hinter der hübsch arrangierten 3D-Fassade vermutet. Auch die aus „Legend of Zelda: Wind Waker“ geklauten Schiffsfahrten helfen nicht eben dabei, das diffuse Bild zu verdichten: Eigentlich sollen die wie beim Vorbild das kleine Inselreich zusammenhalten, doch auch hier hat man sich beim Klassiker bedient, ohne dessen Mechanismen richtig zu verstehen. So wird aus dem kreativen Wasserspielplatz der Japaner eine krude Mixtur aus verbugtem Karten-Navi und langweiliger Boots-Tour, die man eher ungeschickt aufgesetzt als organisch integriert hat.

 

Bleibt unter dem Strich ein wunderschön illustriertes und ambitioniertes Abenteuer, das sich leider zu sehr an einem mächtigen Genre-Vorbild orientiert, ohne es dabei attraktiv nachzubilden, zu imitieren oder gar neu zu erfinden. Ein bisschen mehr Eigenständigkeit hätte ebenso wenig geschadet wie mehr Verständnis für die ungeschickt miteinander vernähten Elemente der Vorlage. Bei nur knapp acht Euro bietet „Oceanhorn“ zwar viel Spiel für wenig Geld – aber auch nur wenig Spaß. Da kann selbst der Soundtrack von den berühmten japanischen Rollenspiel-Maestros Nobuo Uematsu („Final Fantasy“) und Kenji Ito („Romancing Saga“) nicht helfen – zumal beide hier nur Durchschnitts-Geklimper abliefern.

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Kommentare: 4
  • #1

    Ralf (Donnerstag, 09 Januar 2014 22:22)

    Oh Mann, selten so ein schlechtes uninformiertes Review gelesen. Vermutlich nur ne Stunde gespielt und Nintendo Fanboy. Was man hier für 8 Euro geboten wird geht weit über "Durchschnitts Geklimper" hinaus. Geh heim!

  • #2

    Stefan (Donnerstag, 09 Januar 2014 22:37)

    Ich finde Ralfs Ton nicht sehr höflich muss aber dennoch leicht zustimmen. Die Kritik an dem Spiel liest sich unseriös und plump. Da wird doch tatsächlich ein Indie Team direkt mit Nintendo verglichen, nur weil man sich an Zelda (im übrigen auch Final Fantasy und weitere Klassiker) heranwagt und eine Hommage an diese Spiele aus alten Zeiten produziert. In modernem Gewand, für kleines Geld und das auf einem iPhone und iPad zurück bis iPhone 3GS. Eine grossartige Leistung und ein wunderbar gemachtes Spiel. Pfui Elektrospieler.

  • #3

    Max (Freitag, 10 Januar 2014 09:22)

    Meine Güte lasst bitte keinen 14 Jährigen Spielereviews schreiben das ist ja wirklich peinlich. Jede Wette dass hier nicht einmal bis zum ersten Bossgegner gespielt wurde.

  • #4

    Robert Bannert (Montag, 13 Januar 2014 20:11)

    Aha, und weil Ihr meine Meinung über den Titel nicht teilt, ist der Beitrag natürlich gleich Müll, ja? ;) Bitte echauffiert Euch nicht nur über das Reveiw, sondern lest es RICHTIG! Ich kritisiere nicht den Versuch der Entwickler, eine Zelda-Hommage zu bauen, sondern die Tatsache, dass sie die "Vorlage" einfach nicht richtig verstanden bzw. adaptiert haben. Sie haben allerlei Versatzstücke aus der "Zelda"-Reihe in das Game geklatscht, ohne ihr Zusammenspiel im Original richtig zu verstehen. Es gibt auch eine "Zelda"-Hommage, die hervorragend funktioniert: "Little Dew" - gibt's über Steam und im OUYA-Store. Dem Spiel merkt man ganz klar an, dass sich der Macher das Original GANZ genau angesehen hat – darüber hinaus stimmt hier die Spielbalance. "Oceanhorn" ist für ein iOS-Action-Adventure zwar ambitioniert und hübsch – aber für mich persönlich funktioniert es ganz einfach nicht. Und schließlich handelt es sich hier um meine PERSÖNLICHE Kritik. Ich hätte natürlich auch den leichteren Weg gehen und die auf Meta Critic widergespiegelte Durchschnittsmeinung übernehmen können – denn natürlich weiß ich, dass der Titel auf vielen Plattformen sehr, sehr gut weggekommen ist. Aber bedeutet das denn, dass ich deren Tests deshalb einfach nachplappern muss? Oder keine eigenen Meinung mehr haben darf? Ist es nicht eigentlich Sinn und Zweck von unterschiedlichen meinungsmachenden Plattformen, dass sie für unterschiedliche Stimmen und Diversität sorgen anstatt für einen dummen Einheitsbrei? Wenn Ihr nicht für eine weitere und daher evtl. auch ANDERE Meinung offen seid, warum habt Ihr diesen Test hier dann überhaupt gelesen? Wollt Ihr einfach Eure eigene Meinung bestätigt sehen oder einen KRITIK lesen? Im letzteren Fall müsst Ihr eben auch mal damit leben, wenn die Meinung des Kritikers Eurer eigenen nicht entspricht. Das macht sie aber nicht zwangsläufig falsch. Oder ist eine Meinung nur dann richtig, wenn sie der mehrheitlichen Meinung entspricht und mit dem Rest der Kritiker-Gemeinde gleichgeschaltet ist? Wenn dem so wäre, dann bräuchten wir keine unterschiedlichen Plattformen, die über Spiele berichten… Ich spreche Euch Eure Meinung über den Titel ja nicht ab – aber meine eigene darf ich deshalb ja wohl trotzdem noch haben, oder?