Spartanische Action: "Halo – Spartan Assault" rückt zum Test aus

Wegen seiner 'Top-Down-Persppektive' erinnert "Spartan Assault" zunächst an Ensembles "Halo Wars", doch anders als beim RTS-Titel für die Xbox 360 spielt Strategie hier keine große Rolle.


 

Vor über einem halben Jahr sollte die handliche Erweiterung des prominenten „Halo“-Universums die Verkäufe von Windows-Tablets und Smartphones befeuern, jetzt darf Entwickler 343 Industries den wuseligen Shootout auf die Xbox One bringen. Das ursprünglich für Touchscreens konzipierte „Halo: Spartan Assault“ wurde dabei zur Twinstick-Ballei umfunktioniert: Mit dem linken Analog-Knüppel manövriert man den schwer gerüsteten „Halo“-Spartaner durch die dreidimensionale Spiele-Landschaft, die wie bei einem Echtzeit-Strategie-Spiel von schräg oben eingefangen wird. Der rechte Stick dagegen bestimmt, in welche Richtung der Weltraum-Wüterich großkalibrige Projektil-Geschosse, zuvor aufgelesene Alien-Wummen und Granaten abfeuert.

 

Ansonsten hat man die Spiel-Mechanismen und Pad-Belegung der großen Ego-Shooter-Vorbilder fast eins zu eins auf die Iso-Action übertragen: Die Kollegen des legendären „Masterchiefs“ durchlöchern bekannte Allianz-Einheiten wie die keckernden kleinen Grunts, schleudern aus der Deckung heraus Granaten auf anrückende Alien-Vehikel oder klemmen sich selber hinter das Steuer von Schwebe-Panzern und den Buggie-artigen „Warthogs“.

Ein kurzes Tutorial hilft dabei, das Regelwerk der Ballerei zu verinnerlichen: Die besteht zwar ausnahmslos aus kurzen Mini-Missionen (selten mehr als zehn Minuten), doch zumindest einige davon haben es in sich: Während die Genre-typischen „Ballere Dich von A nach B“-Aufträge meist anspruchslos und stressfrei verlaufen, so können die gelegentlichen Survival-Missionen ganz schön frustig werden. Hier muss sich der Spartaner zusammen mit seinen Computer-gesteuerten Kollegen gegen ganze Angreifer-Wellen und nebst schwerem Fuhrpark verteidigen: Ein kleiner Fehltritt bzw. Fehlschuss reicht, und der explosive Tanz geht von vorne los.

 

 

Obwohl die ursprünglich für kleine Mobile-Screens konzipierte Grafik auch auf großen TV-Geräten noch eine ordentliche Figur macht und z.B. einen Tick detailreicher aussieht als das visuell verwandte „Halo Wars“ (2009 für Xbox 360), so ist sie doch niemals Next-Gen-würdig. Auch überdeutliche Probleme bei der Spielbalance machen das mit 20 Euro unverhältnismäßig teure Zwischendurch-Gefecht nicht eben zu einem Must-Have-Download: So ist die an den Ego-Inkarnationen der Serie orientierte Steuerung zwar gewohnt intuitiv und präzise, doch im Angesicht strohdummer Computer-Gegner und eines willkürlich erscheinenden Schwierigkeitsgrades lässt sie sich niemals richtig ausreizen. Das eine Mal läuft man herzhaft gähnend und ungerührt durchs gegnerische Mündungsfeuer, das andere Mal stirbt man im Minutentakt.

 

Hätte sich Entwickler Vanguard außerdem die Mühe gegeben, die Einsätze durch eine Geschichte aus dem reichhaltigen „Halo“-Universum sinnvoll miteinander zu verquicken, dann könnte „Spartan Assault“ zumindest die Rolle des Lückenbüßers und „Halo 5“-Appetizers übernehmen. Leider hat man sich dafür entschieden, den 25 Single-Spieler-Missionen den Charakter von virtuellen Trainings-Einheiten für Nachwuchs-Spartaner zu geben: Das Resultat ist ein Baller-Aufgebot, das sich bestenfalls wie ein halbherzig umgesetzter Pausen-Snack anfühlt, der auf einer echten Konsole höchstens zum Miniaturpreis etas zu suchen hat. Darüber hinaus reihen sich die einstigen Handheld-Krieger in die wenig rühmliche Reihe derjenigen Microsoft-Titel ein, die auch nach dem Kauf noch zur Kasse bitten: Die schmale Summe der im Gefecht ergatterten Erfahrungspunkte reicht kaum aus, um all die verfügbaren Gadgets und Gimmicks zu kaufen. Ergo: Hier muss man unweigerlich den Geldbeutel zücken und mit ganz realen Euro zahlen – die Preise reichen dabei von 99 Cent für 200 Ingame-Credits bis hin zu 14,99 Euro für 4.000 Credits, wobei letztere immerhin für einen ausgedehnten Shopping-Trip durch die Waffen- und Rüstkammer reichen. (6.5 von 10)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0