Das Spiel im Buch: So liest und spielt sich"Device 6" für iOS

Spielbuch, interaktives Typographie-Experiment oder echtes Game? "Device 6" von "Year Walk"-Macher Simogo lässt uns durch einen Irrgraten aus Buchstaben, Bildern und sparsam gesäten interaktiven Elementen scrollen, blättern und rätseln. Die ruhige Anmutung erinnert an Adventures wie "Myst", nur dass der erforschte Raum nicht drei-, sondern zweidimensional ist und die Hinweise nicht überwiegend durch pixelgenaues Absuchen einer Grafik, sondern durch aufmerksames Lesen aufgespürt werden.


 

Kein Spiel im eigentlichen Sinne, sondern eine ehrgeizige Kombi aus digitalem Schmöker, interaktivem Typographie-Experiment und verspieltem Rätsel-Exkurs ist „Device 6“ des schwedischen Indie-Entwicklers Simogo. Der hat vor einem Jahr bereits mit seinem ebenso ungewöhnlichen wie verstörenden Adventure „Year Walk“ die Mobile-Gemeinde im Sturm erobert – oder zumindest den Teil, der sich für kunstvoll verkopfte Appstore-Kuriositäten begeistert.

 

In die selbe Kategorie fällt „Device 6“: Anstatt die Geschichte seiner namlosen Protagonistin mit Hilfe eines etablierten Spielkonzepts und Charakter-Interfaces zu erzählen, schildert man ihre Odyssee durch ein mit reichlich Industrie-Romantik angereichertes Rätsel-Schloss im Stile eines Romans. Je nach Gemütszustand und Aufenthaltsort der Heldin wird die riesengroße „Seite“ beim Lesen nach links, rechts, oben oder unten gezogen. Außerdem dreht und wendet man allenthalben das Pad, um zunächst auf den Kopf gestellte Textpassagen zu studieren, Hinweise zu erkunden oder Bilder zu betrachten.

 

Auf diese Weise bekommt das digitale Buch tatsächlich den Charakter einer labyrinthischen Reise, bei der ein „Zurückblättern“ tatsächlich dazu führen kann, dass man sich zwischen all den Buchstaben, Ornamenten und Bild-Arrangements wie in einem Irrgarten verfranzt. Dabei ist Hin- und Her sowie Kreuz- und Quer-Lesen ein wesentliches Element des kunstvoll geletterten Adventures, denn viele der aus versetzt scrollenden Ebenen konstruierten Illustrationen und Fotos entpuppen sich im Nachhinein als teuflisch implementierte Rätsel-Mechanismen. Nur wer den Text ganz genau liest, jeden Hinweise verinnerlicht und auch audiovisuelle Elemente einer genauen Untersuchung unterzieht, der findet. z.B. die Zahlen für eine Kombination. Die aktiviert dann eine Linie, die sich wie ein aktivierter Schaltkreis über die Seite zieht und fix über das digitale Papier verfolgt werden möchte, denn sie führt zum Ausgang und ins nächste Kapitel.

 

Mit 3,59 Euro gehört „Device 6“ zu den teureren Spielen im App Store, doch wer nach innovativen Spiel- und Erzähl-Konzepten sucht, für den ist Simogos ehrgeiziges Projekt ein Pflichtkauf, in dem typographische Raffinesse, Abenteuer-Spielbuch und „Myst“-artige Adventure-Logik eine einzigartige und vor allem harmonische Koexistenz führen. Wer allerdings nach Gameplay im herkömmlichen Sinne sucht, der ist hier falsch. (8 von 10)

 

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