Mit Flaggen und Trompeten: Bannert testet "Banner-Saga"


Die Gefechte in "Banner Saga" laufen klassischem Rundenkonzept ab. Neu ist das griffige Zug-um-Zug-System der ehemaligen Bioware-Mitarbeiter allerdings nicht: Bereits Anfang 2013 hat man den auf Multiplayer-Gefechte beschränkten Free2Play-Titel  "Banner Saga: Factions" veröffentlicht.


 

Eis, Schnee, sturmgepeitschte Berggipfel und Riesen: Mit "Banner Saga" legen ehemalige Bioware-Entwickler ein imposantes Debüt-Werk ab, das sich an nordischen Sagen, aber auch am frühen Trickfilmwerk von Disney und Don Bluth orientiert. Mit feinem, gelegentlich skizzenhaftem Strich und raffinierter Kolorierung illustriert das Entwickler-Trio die Geschichte einer Fantasy-Welt, deren Bewohner – Menschen und die riesenhaften, gehörnten 'Varl' – sich nach dem Tod ihrer Götter allein durch die lebensfeindliche Welt schlagen müssen. Eine bereits seit Jahren währende Nacht und bitterkalter Dauer-Winter tragen ebenso wenig zu den Überlebenschancen der Völker bei wie die sich häufenden Attacken der 'Dredge' – stählerne, von den verblichenen Göttern geschaffene Kunstwesen, die ohne die eiserne Hand ihrer Schöpfer unkontrolliert und wahllos mordend durch die Landschaft marodieren.

 

Durch diese unwirtliche Welt kämpfen sich zwei zunächst unabhängig voneinander agierende Heldentruppen: Die einen flüchten mit den Bewohnern ihres Dorfes durch Eis und Schnee, um dem Ansturm der Dredge zu entkommen – die anderen ziehen mit ihrer Armee durchs Land, um einen zickigen Thronfolger zu eskortieren, von dessen Wohl die fragile Allianz zwischen Varl und Menschen abhängen könnte. Solange die beiden Heereswürmer durch die Spielwelt marschieren, sieht man den Trickfilm-artigen Tross von der Seite durch Wälder, Gebirge und über gurgelnde Bächlein marschieren. Schlägt man ein Lager auf oder kehren die Truppen in einer Stadt ein, dann weicht die Landschaft einer Frontal-Ansicht des Ortes: Während man Handlungs-Elemente und Entscheidungs-Situationen mit Hilfe von Charakter-Portraits und Textboxen löst, lassen sich begehbare Gebäude und Standard-Elemente wie Heldenhalle, Trainingsgefilde, Läden oder die Lagerstatt der Kämpen per Mausklick ansteuern.

Obwohl "Banner Saga" hier nur wenig Interaktion und noch weniger Bewegungsraum bietet, werden auf diese Weise Entscheidungen von einiger Tragweite getroffen: Nicht selten bestimmt die Wahl der einen oder anderen Option über den weiteren Weg und das Leben eines lieben Freundes.

 

Die wunderschön gestalteten und mit reichen Ornamenten verzierten Schauplätze von "Banner Saga" suggieren eine tiefgründe Mythologie der Plätze. Wer sich detaillierter über die Spielwelt informieren will, nimmt sich die interaktive Karte (rechts) zur Brust.


 

Doch ganz gleich mit wie viel Bedacht und Vorsicht man bei der Wegfindung vorgeht, so führt sie doch früher oder später aufs taktische Feld der Ehre: Die handgezeichneten Schlachtfelder zeigen von schräg oben, wie sich Varl, Mensch und Dredge gegenseitig Schwert, Axt oder Streitkolben um die Ohren hauen, surrende Pfeile ins Zeil sausen lassen und mit viel strategischer Rafinesse ihre Spezialfertigkeiten abrufen. Z.B. um Gegner zu blockieren, die eigenen Skills aufzubohren oder mit einem mächtigen Rundum-Hieb mehrere Feinde auf einmal weich zu klopfen. Ein Schachbrett-artiges Feldraster erleichtert dabei die Orientierung und hilft, die Bewegungsweite eigener bzw. feindlicher Kombatanten und die Reichweite ihrer Attacken einzukalkulieren.

 

Obwohl Spezialfertigkeiten, nach Rüstung bzw. Lebensenergie geteilte Schadenskonten und Schicksals-Punkte für das kalkulierte Aufbohren der Waffenwirkung die nötige taktische Tiefe garantieren, laufen die meisten "Banner Saga"-Gefechte angenehm flott und unkompliziert ab – ein Umstand, der nicht zuletzt der handlichen Menüführung, zugänglichen Regelmechanismen und der überschaubaren Größe der Schlachtfelder gedankt ist. Wer episches Schlachtengetümmel sucht, der ist hier falsch – doch Freunde von klassisch präsentiertem Zug-um-Zug-Gerangel, in dem sich kleine bis mittelgroße Einheiten Saures geben, der wird "Banner Saga" lieben. Zwar werden die vielen nach ähnlichem Schema ablaufenden Gefechte mit einiger Zeit ein wenig zu abwechslungsarm, doch dieses Defizit ist angesichts der meist knackig-kurzen Kampfdauer verschmerzbar. Zumal die im Scharmützel gewonnene Ehre genügend Spielraum für eine individuelle Ausgestaltung der Helden lässt, denn mit Hilfe der 'Honor'-Punkte werden Aufstiegschancen und Ausrüstung optimiert. Klarer Fall: Wer die mangelnden Möglichkeiten zur freien Erforschung der Spielwelt verknuspern kann, greift unbedingt zu, denn für rund 20 Euro ist das prachtvoll inszenierte, dezent verrollenspielte 'Tactical' ein echtes Schnäppchen (Robert BANNER-T) • (8 von 10)

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