Kritik: Donkey Kong Country – Tropical Freeze


 

Für ein totgesagtes Spiele-Genre ist das Jump‘n‘Run in letzter Zeit ganz schön lebendig. Und das ist vor allem Nintendos Verdienst: Mit schöner Regelmäßigkeit versorgt der japanische Hersteller seine Plattformen mit Inkarnationen seiner Vorzeige-Hupfer. Gerade die zweidimensionalen Abenteuer von Mario & Donkey Kong vermitteln in letzter Zeit zwar ein wenig den Eindruck von Fließband-Arbeit – doch bei Nintendo sind Routine-Jobs bekanntlich noch immer besser als der Rest der Jump‘n‘Run-Welt.

 

Ein Naturgesetz, das auch beim jüngsten Abenteuer des plüschigen Dschungelkönigs greift: Donkey Kongs Kampf gegen eine Bande frostiger Wasser-Vögel und -Säuger aus dem hohen Hüpfspielnorden birgt keine großen Überraschungen und pflegt vor allem etablierte Standards aus dem horizontalen Hupf-Gewerbe. Gerade durch die zeitliche Nähe zur 3DS-Neuauflage von "Donkey Kong Country Returns" wirkt der neue Affenzirkus zunächst etwas uninspiriert. Grafische Elemente wie Dschungel-Vegetation, Urwald-Ruinen, freche Papageien und Selbstschuss-Fässer scheinen dem Vorgänger spielerisch wie optisch fast aufs Haar zu gleichen: Der Dschungelkönig springt, krallt sich mit den muskulösen Fingern in Kletterflechten fest, bringt durch urgewaltiges Trommeln den Boden zum Beben, erledigt Feindgetier mit dem obligatorischen Köpper oder kullert sie wie Kegel-Pins einfach um.

Außerdem grabscht er nach versteckten Henkeln, Mechanismen oder Fässern: Die beherbergen den gewohnten Sidekick, der nicht nur als Lebensversicherung fungiert (Donkey kann jetzt mehr Treffer einstecken), sondern außerdem ganz eigene Talente mitbringt. Je nachdem ob der Jump'n'Rilla seinen Neffen Diddy, Nichte Dixie oder Opa Cranky Kong dazu einlädt, auf seinem Rücken Platz zu nehmen, ändert sich das Sprungverhalten. Während der Jetpack-gerüstete Diddy die Hopser verlängert, steigert der Haar-Propeller von Dixie kurzzeitig die Hupf-Höhe. Cranky wiederum ist mit einem Pogostock unterwegs, der sich zwar etwas zickig verhält, aber dafür besonders hoch springt und das Duo z.B. Bodenstacheln unbeschadet passieren lässt.

 


 

Wem das alles altbekannt vorkommt, der wird sich aber trotzdem nicht langweilen: Spätestens ab der zweiten Insel kommen Affenfamilie und Gegner derart in Fahrt, dass man nur noch für den Sprung lebt – die Tatsache, dass er sich in den letzten paar Jahren nur marginal verändert hat, erscheint in Anbetracht der geballten Ideen-Explosion nicht mehr wichtig. Lorenfahrten, Wildwasserbahn-Parcours, prachtvolle Höhlensystem, einstürzende Ruinen, durchgeknallte Wikinger-Uhus und bayerische Herbstwälder, in denen man von Blatt zu Blatt gleitet oder unbeschwert im Laub herumtollt, während im Hintergrund gewaltige Blashörner Wind durch den Level pusten: Kein anderes "Donkey Kong" hat bisher so viele verschiedene Hintergrundthemen, aberwitzige Hinderniskurse, heimtückische Feindformationen oder hartnäckige Boss-Gegner aufgefahren.

 

"Tropical Freeze" ist also vielleicht nicht die Neuerfindung der Marke, aber dafür die bestmögliche Version dessen, was ein "Donkey Kong Country" alles auszeichnet. Und dazu zählt nicht zuletzt der barbarisch hohe Schwierigkeitsgrad: Sogar geübte Spring-Spieler verbrennen hier von Anfang an selbst in normalen Levels so unverhältnismäßig viele Leben, dass es ihnen Tränen in die Augen treibt. Dass "Tropical Freeze" den Spieler trotzdem zu motiviert, es wider besseren Wissens immer und immer wieder zu versuchen, ist gewissermaßen das Genre-Gütesiegel: Nur die allerbesten Jump'n'Runs schaffen diesen schwierigen Spagat aus unmenschlicher Herausforderung und Sucht-ähnlicher Motivation. Tatsächlich gerät hier selbst das Bananen-Sammeln zum Kunststück: Die vitaminreichen Leckerli fungieren im Dschungel als Zahlungsmittel und im Laden von Funky Kong werden sie gegen Extras wie Instant-Fässer (für den richtigen Begleiter in allen Lebenslagen), einen Spür-Papageien (sucht im Level versteckte Bonus-Gegenstände) oder Extra-Leben (rote Luftballons) eingetauscht. Doch Spielabschnitte, die wie früher zur stressfreien Bananensuche taugen, gibt es kaum noch – auch hier hat Entwickler Retro Studios den Zeiger auf 'Superschwer' gestellt.

 

Trotzdem ist "Tropical Freeze" nicht nur für Masochisten erste Jump'n'Run-Wahl: Spaß hat hier jeder. Nur ein robustes Nervenkostüm sollte er mitbringen. Aber immerhin hat der Kong-Clan jetzt ein besonders beruhigendes Äußeres: Das kuschelige Flausche-Fell der munteren Primaten lädt zum Kraulen und Liebhaben ein – da ist gerade bei kleinen Nachwuchs-Zockern der Ruf nach dem passenden Plüschtier nahezu unausweichlich.

 

Dass sich Nintendos ehrwürdigster Hupf-Promi dabei vor allem auf Altbekanntes verlässt und dem Genre weniger neue Impulse gibt als z.B. Ubisofts schrilles "Rayman Legends" kann man doof finden, muss man aber nicht: Dieser Affe darf ruhig bleiben wie er ist. (8.5 von 10)

 


ab 21. Februar für WiiU • Retro Studios / Nintendo • zwei Spieler (an einer Konsole) • für Profis • ab 0 Jahren 


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