AddOn für "Last of Us": "Left Behind" im Test

 

Mit seinem postapokalyptischen Zombie-Roadmovie "Last of Us" hat Naughty Dog für DEN Überraschungshit 2013 gesorgt – und einen der letzten großen PS3-Titel. Blockbuster dieses Formats dürfte die PS3 nicht mehr erleben – aber immerhin schiebt man mit "Left Behind" jetzt ein AddOn für die Geschichte von Noal und Ellie hinterher: Das schließt auch die letzten Story-Lücken in Ellies Geschichte. Man erfährt, wie die wehrhafte Teenagerin den tödlich verletzten Joel auf dem Universitätsgelände in einem Einkaufszentrum verschanzt, um dann verzweifelt nach Medikamenten zu suchen. In spielbaren Rückblenden darf man schließlich einen Blick zurück in die Zeit vor "Last of Us" riskieren: Eine etwas jüngere Ellie büchst zusammen mit einer Freundin aus dem Heim aus, um ein paar unbeschwerte Momente Kindheit zu erleben. Während ihr älteres Alter Ego infizierte 'Klicker' und Banditen mit Pfeilen durchlöchert und blutüberströmt durch den Schnee kriecht, spielt die anderen Ellie in einer verlassenen Mall. Reitet nach der Wiederinstandsetzung des Stromnetzes auf einem Pferde-Karussell, lässt vor einem defekten Videospiel-Automaten ihrer Teenager-Fantasie freien Lauf, spritzt die Freundin per Wasserpistole pitschnass und tauscht schließlich Zärtlichkeiten mit ihr aus. Der erste Kuss findet von Mädchen zu Mädchen statt – kurz bevor das aus dem Hauptspiel bekannte, unvermeidliche Schicksal seinen Lauf nimmt: Beide werden von Infizierten gebissen, doch nur Ellie überlebt.

 

 

Den Spoiler für den Ausgang von "Left Behind" stellt bereits "The Last of Us": Die erzählte Geschichte ist bekannt, nur die Details sind neu – und die emotionale Intensität, mit der sie vermittelt werden. Obwohl die Zeitebene mit Ellie und Joel die bekannten Action- bzw. Survival-Elemente bietet und das Teenie-Girl mit einigen knackigen Gefechten konfrontiert, ist die gänzlich Action-freie Vorgeschichte das eigentliche Highlight: Wie die beiden ihrer Jugend beraubten Mädchen die Überreste unserer untergegangenen Popkultur erleben und sich dabei verzweifelt um so etwas wie ein bisschen Normalität bemühen – das ist ungewöhnlicher, emotionaler und anspruchsvoller als die meisten Momente des im Idealfall bereits durchgespielten 'Originals'. Schade nur, dass man die großen Gefühle immer wieder plump durch Schleichgänge und Schusswechsel in der Gegenwart unterbricht. Diese Zwangs-Shootouts hätte man sich zugunsten eines ganz und gar erzählerischen Mini-Abenteuers getrost sparen können. Zumal der Spaß nach zwei bis drei Stunden schon wieder vorbei ist.

 

Wer sich mit dieser kleinen Unstimmigkeit anfreunden kann, wird allerdings hervorragend bedient, denn die inszenatorische Klasse des kleinen AddOns steht dem großen Spiel in nichts nach. (Wertung: 8.5 von 10)

 


ab sofort für PS3 • Naughty Dog / Sony  • für Fortgeschrittene und Profis • ab 18 Jahren


Kommentar schreiben

Kommentare: 0