Alte Ninja-Liebe rostet nicht: STRIDER im Härtetest

Striders Feinarbeit wird im Interesse einer filmisch orientierten Dramatik manchmal aus der Nähe eingefangen – doch das eigentliche Spiel erleben wir wie in der guten alten 16Bit-Zeit aus der Horizontalen.


 

Nostalgiker denken beim Cyber-Ninja Strider an die frühe Arcade- und 16Bit-Ära von Traditionshersteller Capcom – und zwar Jahre bevor sich der durch "Street Fighter 2" zu einem der wichtigsten Zulieferer für Spielhallen, Super Nintendo und Mega Drive gemausert hat.

Die Neuauflage des altehrwürdigen Metzel-Infernos sollte ursprünglich von Grin kommen, die für Capcom bereits die Neuauflage von "Bioni Commando" entwickelt hatten, ging nach Schließung des Studios allerdings an 'Double Helix' ("Silent Hill Homecoming", "Killer Instinct"). Hier hat man sich schließlich dafür entschieden, das Klassiker-Revival inszenatorisch zwar dem Original anzunähern, den Spielmechanismen allerdings mehr Tiefe zu verpassen: So wetzt der rundum renovierte Cyber-Ninja wie gewohnt in der Horizontalen und erforscht dabei ein futuristisches Dystopia voller verspiegelter Kuppeldächer und schießwütiger Roboter-Legionäre – doch genießt er dabei wesentlich mehr Bewegungsfreiheit als sein Urahn. Hat 'Strider Hiryu' die ersten geradlinigen Level-Passagen einmal hinter sich gelassen, darf er mit jeder dazu gewonnenen Fähigkeit neue Regionen in der gigantischen Mega-City betreten: z.B. indem er sich mit Hilfe eines speziellen Schlittermanövers durch niedrig gelegene Luftschächte wurschtelt, mit einer Stampf-Attacke Bodengitter knackt oder per Licht-Adler-Express zwischen einzelnen Stadtvierteln reist.

Weil man die meisten Areale der SciFi-Metropole aber ziemlich dunkel gehalten hat, sind viele Geheimnisse eher schwierig zu lokalisieren: Ein regelmäßiger Blick auf die Übersichtskarte ist daher erst Ninja-Pflicht – sonst hat man sich in dem Wirrwar aus Sälen, Plätzen, Korridorfluchten, Bahnöfen, Aufzügen und Ruinen in Nullkommanix verfranzt.

 

 

Vor allem die aufdringlichen Widersacher sind es, die Strider ganz gezielt den Durchblick rauben: Obwohl die meisten Droiden, Dronen und Lastenroboter nach ein oder zwei gezielten Schlägen in Einzelteile zerfallen, kann ihre schiere Überzahl selbst kampferprobte Schwertkämpfer ins Schwitzen bringen – zumal die meisten Roboter-Genossen aus allen Rohren feuern und sich nur kurz nach ihrer fachgerechten Zerlegung schon wieder bester Gesundheit erfreuen. Auch hier hat man sich also an das Spielgefühl des Originals von 1989 gehalten: "Strider" war schon immer bockschwer.

 

Auch visuell kommt man dem 16Bit-Klassiker ziemlich nahe: Obwohl Figuren und Hintergrundgrafiken in 3D realisiert wurden, sorgen Kameraperspektive, Texturen und Ausleuchtung für einen angenehm retrospektiven Look. Auf diese Weise ähnelt das neue "Srider" dem Oldie zwar eigentlich nur marginal – aber dafür sieht es ziemlich genau so aus, wie sich die Fans des Ninja-Opas an ihn erinnern. Denn die Erinnerung foppt uns gerne: Sie spiegelt selten das wider, was wirklich einmal war – meistens wird sie so sehr mit Wünschen und aktuellen Eindrücken durchmischt, dass sie einem attraktiver erscheint als das Erlebte es eigentlich war.

 


 

So betrachtet haben Double Helix und Capcom mit "Strider" bei Look und Gameplay die bestmögliche Wahl für eine Klassiker-Neuauflage getroffen: Der neue alte Ninja scheint direkt den kuscheligen Retro-Fantasien seiner Fans zu entspringen und bewegt sich fast immer auf der Ideallinie aus dem, was scheinbar einmal war und was nach heutigen Maßstäben sein sollte. Zugegeben: Ein paar mehr Hintergrunddetails hier und da hätten der Neu-Inkarnation ebensowenig geschadet wie etwas mehr Feinschliff bei der mitunter zu konfusen Level-Struktur – doch echte Retronauten sind da noch ganz andere Chaoten-Kaliber gewöhnt. Will heißen: Operation gelungen, Patient erfolgreich wiederbelebt. (Wertung: 8 von 10)

 


ab sofort für PS4, PS3, XBox 360, Xbox One und PC (Steam) • Double Helix / Capcom • für Profis



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