Kritik: Republique


 

Die junge Hope hatte nicht unbedingt die schönste Kindheit: Statt in einer liebevollen Familie ist sie im mysteriösen Zuchtprogramm eines totalitären SciFi-Staates aufgewachsen – und hier gibt's weder hübsche Kinderzimmer noch Geburstags-Parties, sondern nur weiße Wände und brutale Aufpasser. Doch es besteht Hoffnung: Mit elektronisch gefilterter Stimme meldet sich der Hacker 'Cooper' bei Hope, und zwar per Smartphone. Gleichzeitig kontaktiert er den Spieler auf dem selben Wege (eben per iPhone bzw. iPad) und bittet ihn um Zusammenarbeit bei der Rettung von Hope. Während Cooper seine Fähigkeiten als Hacker zur Verfügung stellt, sollen wir das von ihm programmierte Interface steuern, mit dem sich zwischen Smartphones und Kameras wechseln lässt – damit man Hope immer im Blick hat, während sie auf Smartphone-Marschkommandos reagiert und durch die 'Facility' schleicht. Auch mögliche Verstecke für die junge Dame und die Codes für Sicherheitsschlösser macht man auf diesem Wege aus: Sobald man ein Augen-Icon in der oberen rechten Display-Ecke tippt, friert das Bild ein, und man kann sich in aller Ruhe umsehen – denn obwohl der Rest der Welt still steht, lassen sich Kameras noch immer schwenken und Computer bzw. Türen hacken.

 

 

Obwohl "Republique" für einen Independent-Titel eine gehobene Präsentation und obendrein ein cleveres Konzept bietet, kann Hopes Geschichte nicht so recht fesseln: Umgebungsgrafik, Animation und Mimik sind trotz aller Bemühungen zu starr und uninteressant, um Emotionen zu wecken – auch die Erzählung dieser ersten Download-Episode lässt den Spieler unbewegt und ratlos zurück. Hinzu kommt die Kombination aus digitalem Überwachungs-Voyeurismus und Schleichspiel, die zwar zunächst fasziniert, aber zu unbequem und unbeholfen daher kommt, um auch auf Dauer zu fesseln. Vermutlich werden viele Spieler bereits nach dem ersten härteren Puzzle aussteigen – es besteht schlicht zu wenig Anreiz, um Hopes Geschichte voranzutreiben. Jammerschade übrigens, denn an sich bietet sie alle Zutaten für ein spannendes Abentuer, darunter vor allem die zu jeder Zeit präsente Sozial- und Politkritik. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten Episoden deutlich zulegen – dann könnte die Idee am Ende doch noch überzeugen. (6.5 von 10)

 


erhältlich für iPhone, iPod Touch und iPad • ca. fünf Euro • für Fortgeschrittene und Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut •

10 = legendär

Kommentar schreiben

Kommentare: 0