Resident Evil Revelations 2

Unterhaltsam, aber nicht gruselig: Mit "Resident Evil: Revelations 2" für PC sowie PlayStation- und Xbox-Konsolen will Capcom an alte Serien-Tugenden anknüpfen, doch für gepflegten Grusel ist das in Mini-Episoden aufgeteilte Download-Abenteuer zu schwach inszeniert.


PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360, PC

von Capcom

für ein bis zwei Spieler

für Fortgeschrittene und Profis


im Handel

ca. sechs Euro pro Episode, 25 Euro für Staffel-Pass bzw. 40 Euro für die physische Verkaufsversion (ab 20. März)

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Bekommt es Claire mit besonders dicken Brocken zu tun, dann hilft zwar auch Dauerfeuer – doch oft ist es schlauer, die Umgebung miteinzubeziehen. Dieser Koloss lässt sich z.B. mit einem drehbaren Flammenwerfer rösten



Barrys Mündel (links) bringt zwar übernatürlich geschärfte Sinne mit, doch im Gefecht ist die Kleine herzlich nutzlos. Ganz anders dagegen Claires Support: Moira (Bild rechts) blendet die Kreaturen mit ihrer Taschenlampe, um den Vormarsch der Meute zu bremsen. Außerdem zieht sie ihnen das Brecheisen über – nach entsprechender Skill-Verbesserung zwischen den Kapiteln macht das mächtig Aua!


Auf dem 3DS war das erste "Resident Evil Revelations" ein echter Überraschungshit: Nachdem sich die Hauptserie schon seit Jahren immer weiter vom ursprünglichen Survival-Horror-Konzept entfernte, bot das Handheld-Spinoff endlich die Serien-Tugenden, für den Fans den Klassiker so liebten. Versionen für Xbox 360, PS3 und PC ließen deshalb nicht lange auf sich warten – ebenso wie die Ankündigung des Nachfolgers.  

Der erscheint diesmal in vier nach und nach veröffentlichten Mini-Episoden, von denen jede um die fünf Euro kostet – das macht unter dem Strich ca. ein Euro pro Stunde Grusel-Erfahrung. Die nächste Überraschung: Alle vier Teilstücke der neuen Horror-Story kommen für ausschließlich für PlayStation- bzw. Xbox-Konsolen und den PC – das Handheld-System, auf dem die Serie vor drei Jahren debütierte, lässt man außen vor. 


So weit, so schrecklich. Das Problem dabei: Man sieht "Revelations" noch immer deutlich an, dass die Engine ursprünglich für ein Hosentaschensystem entstand – darüber können auch die höher aufgelösten Texturen und ein üppiger Grasbewuchs in den Außen-Terrais nicht hinwegtäuschen. Während in finsteren Korridoren und schön schummrig ausgeleuchten Verliesen noch so etwas wie Schauerstimmung aufkommt, da ist es unter offenem Himmel mit dem Fürchten vorbei – verzerrte Felstexturen, grob zusammengeklöppelte Bretterbuden und verpixelte Rasenflächen flößen zumindest nicht auf die Weise Angst ein, die man sich von einem Horrorspiel erhofft. 



Wer sich allerdings darauf einlässt, auf seiner Hochleistungs-Spiele-Hardware ein nur dezent aufgebohrtes Handheld-Game präsentiert zu bekommen, der erhält ein zumindest spielerisch solides Horror-Adventure: Claire Redfield und Barry Burtons Tochter Moria wurden auf eine geheimnisvolle Folter-Insel entführt. Den Weg in die Freiheit versperren wie gewohnt jede Menge grausam entstellte Mutanten, entgleiste Bio-Experimente, stachelbewehrte Apparaturen, seichte Puzzles und versperrte Türen. Spielerisch hat Capcom das Gemetzel und Gegrübel an klassischen Episoden angelehnt – Tempo, Objekt-Verwaltung und Level-Layout wurden zwar auf einen zeitgemäßen Komfort-Status gehievt, orientieren sich aber überdeutlich an Teil 1 bis 3. Moderner ist dagegen der Koop-Modus, bei dem eine Figur die Hauptarbeit übernimmt, während die andere ihr zuarbeitet. So ist Claire für das Gros der Monster-Tötung und der Knobel-Arbeit zuständig, während Moria ihr per Taschenlampe dabei heimleuchtet. Wechselt man auf Button-Druck zu Barrys Tochter, dann darf sie mit der Taschenlampe außerdem sonst unsichtbare Obekte wie Juwelen bzw. Munition austöbern oder allzu aufdringliche Monstrositäten mit dem Lichtkegel blenden. Kommen Ihr die Biester trotzdem zu nah, zieht sie ihnen kurzerhand das Brecheisen über. Wie effektiv Moira dabei zugangen ist – oder wie selbständig sich die derweil KI-gesteuerte Claire gegen Feinde wehrt – das bestimmt der Spieler zwischen den Kapiteln, indem er in Fertigkeiten investiert. 




Haben die beiden Damen die erste Flucht-Etappe hinter sich und einen Funkspruch ans Festland gesendet, darf auch Papa Barry ran: Der rückt mit stattlichem Waffen-Arsenal an, darf Mutanten außerdem hinterrücks erdolchen und ist auch sonst erheblich wehrhafter als das Duo Claire-Moira. Im Schlepptau hat der bereits aus dem ersten "Resident Evil" bekannte Anti-Zombie-Kämpfer ein geheimnisvolles Mädchen im Nachthemd: Die Kleine ist scheinbar schon seit einiger Zeit auf der Horror-Insel und kann sich an keinerlei Detail aus ihrem Vorleben erinnern – doch als Ausgleich hat sie einige nützliche Fertigkeiten in petto. So kann nur das Barrys zierliches Mündel anrückende Monster bereits auf Distanz "spüren" unn durch Löcher in der Wand krabbeln. 


Die über weite Strecken mangelhafte visuelle Inszenierung und die dürftige Geschichte verhindern zwar, dass echt Schauer-Atmosphäre aufkommt, doch als launiges Action-Adventure funktioniert das zweite "Revelations" allemal. Spieldynamik- und gefühl sind näher am Original als die letzten Inkarnationen der großen Serie – auch wenn das Resultat nicht so herausfordernd oder stimmungsvoll geworden ist wie der jüngst neu augelegte Grusel-Oldie. Serien-Fans bekommen hier zwar kein Spektakel, aber immerhin Marken-gerechte Unterhaltung. Für den Test standen uns die erste und zweite Episode zur Verfügung, die Wertung für das Komplettwerk kann also abweichen.



6.5

befriedigend

Grafik: ausreichend

Sound: gut

Steuerung: gut

Spielspaß: befriedigend



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