NEWS • Offenbar sind wir an einem Punkt in der Videospielgeschichte angekommen, an dem es nicht mehr so sehr um die Spiele selber geht – sondern vielmehr um die Angriffsfläche, die sie bieten. Und damit die Möglichkeit, sie für den eigenen Kulturkampf zu vereinnahmen – gegen Menschen anderen Geschlechts oder anderer Hautfarbe zum Beispiel. Ach ja: und eine geometrische Form sollten die Helden und ihre Begleiter besser auch nicht haben. Wie die Gallertwürfel bzw. "Gelatinous Cubes" zum Beispiel, wie sie im Bestiarium des Pen-and-Paper-Rollenspiels "Dungeons & Dragons" bis heute heißen. Denn für ihr neues "God of War"-Abenteuer haben sich die Entwickler von Sony Santa Monica nicht nur die Ungeheuerlichkeit getraut, den muskelbepackten Wüterich Kratos gegen seine verstorbene Frau – die Riesin Laufey – auszutauschen, außerdem wird die Heldin dabei vom geheimnisvollen Glibber-Kubus "Frank" begleitet … und der wurde ganz offensichtlich stark vom Design des klassischen "D&D"-Monsters inspiriert. Und das vermutlich aus gutem Grund: Immerhin ist Schauspielerin Deborah Ann Woll, die Laufey Stimme und (zumindest ein bisschen) ihr Gesicht leiht, nicht nur eine gefeierte Serien-Darstellerin ("Daredevil", "True Blood"), sondern gerade in den USA auch als prominente "D&D"-Spielleiterin bekannt– ein Umstand, der die Wahl des ungewöhnlichen Sidekicks umso passender erscheinen lässt. Und klar: Natürlich hat nicht nur die neue Heldin misogyne Wut-Wichtel und irrlichternde Incels im Quadrat springen lassen – auch ihr kantiger Kampfgefährte hat die Gemüter erhitzt.
"God of Wokeness" und "God of Laundry" waren da noch zwei der harmloseren Verunglimpfungen, mit denen das neue Spiel attackiert wurde – auch von einer "Disneyfication" des "God of War"-Franchises war mehr als einmal die Rede. Da verwundert es kaum noch, dass sich sogar Spiele wie das Ur-"Tomb Raider"-Remake "Legacy of Atlantis" und selbst das possierliche "Rayman Legends Untold" dem Vorwurf übertriebener Wokeness ausgesetzt sehen – wegen des angeblich zu flachen Vorbaus ihrer Protagonistinnen. Mal ehrlich: Wer nicht nur ein Problem damit hat, dass anstelle eines Testosteron-Monsters mal eine Frau das Schwert schwingt, sondern obendrein noch Lara Croft für zu "unsexy" hält und sogar bei knuffigen Cartoon-Damen die Körbchengröße analysiert, der sollte sich unbedingt ein neues Hobby und vielleicht sogar ein neues Leben suchen.
Und wenn wir schonmal dabei sind: Auf noch unveröffentlichte Spiele einzudreschen, macht generell wenig Sinn – dafür ist immer noch genug Zeit, wenn sie verfügbar sind und sich die eine oder andere Design-Entscheidung tatsächlich als Reinfall entpuppen sollte. Uns jedenfalls hat die ganze Debatte – wieder einmal – die Spaß an einem (wenn auch nur virtuellen) Event genommen, auf das wir uns eigentlich sehr gefreut hatten. Immerhin gab es neben dem großartig präsentierten "God of War: Laufey" noch ein (immerhin ausgesprochen blutiges) "Wolverine"-Open-World-Abenteuer von "Spider-Man"-Macher Insomniac zu sehen, durfte man das explosive "Ace Combat 8" bestaunen, hat Capcom seinen "Onimusha"-Neustart "Way of the Sword" gezeigt, Remedy weitere Einblicke in das extrem abgedrehte "Control Resonant" gewährt und Saber Interactive für "Stuntman Hollywood" die Motoren von prominenten Film-Kutschen wie "Knight Rider"-K.I.T.T. oder dem "Zurück in die Zukunft"-DeLorean aufdröhnen lassen. Auch das fast schon geistesgestört grusel-brutale "ILL", das Eastern-Action-Rollenspiel "Phantom Blade Zero" und die vespätete Konsolenumsetzung des Genre-verwandten "No Rest for the Wicked" aus der österreichischen "Ori and the blind Forest"-Schmiede haben klar Hit-Potential. (rb)























































