Klotzköpfe auf Zeitreise: LEGO Marvel Superheroes 2


 

Die "Guardians of the Galaxy" verbünden sich mit Wasp, Valkyrie, Grandmaster, Medusa, Spider-Man, Black Panther, Ant-Man und anderen Marvel-Größen, um den zeitreisenden Super-Schurken "Kang" von seinem fliegenden Diskus zu stoßen. Durch das Element "Zeitreise" dürfen die Helden in vergangene, künftige und alternative Zeit-Linien sausen - darunter sogar eine stilvolle Film-Noir-Version von Marvels Cinematic Universe sowie eine skurrile Mittelalter-Dimension. Hier begegnen die Helden auch eher unbekannten Heroen wie dem schrillen "Squirrel Girl", She-Hulk, Spider-Gwen, einer Cowboy-Version von Captain America, Howard the Duck und dem Spiel-exklusiven "Carnom" - eine Charakter-Fusion aus "Venom" und "Carnage". Aber kann das Element "Zeitreise" darüber hinwegtäuschen, dass Entwickler TT Games wieder mal seine seit über zehn Jahren bekannte Design-Schablone angesetzt hat?

Aus zuvor zerdepperten LEGO-Konstruktionen neuen Apparaturen bauen und anschließend mit Helden-spezifischen Spezialfähigkeiten versiegelte Level-Bereiche zugänglich machen: Das ist seit rund zwölf Jahren der zentrale Spiel-Mechanismus in allen LEGO-Spielen aus der britischen Bauklotz-Schmiede TT Games. In dieser Zeit konnte das vorher für seine Lizenz- und Hüpfspiele bekannte Studio mehr als 30 LEGO-Games auf den Weg bringen - darunter Klötzchen-Interpretationen von "Krieg der Sterne", "Indiana Jones", "Harry Potter", "Herr der Ringe", "Batman" und Marvels umfangreichem Helden-Kader. Das Besondere an den Titeln von TT Games: Sie sind in der Regel merklich besser als die jeweiligen Film-Umsetzungen ohne LEGO-Hintergrund. Durch die Abstraktion des Baustein-Universums bekommen die Entwickler den nötigen Abstand zur Film-Vorlage, können den Kino-Kosmos kritisch reflektieren und dann gnadenlos durch den Kakao ziehen.



 

Inzwischen produziert TT Games aber schon so lange nach diesem Konzept, dass es allmählich zum Selbstzweck verkommt: Steinchen-Konstruktionen zertrümmern, dann wieder über ein paar eher bemühte als zielsicher pointierte Kalauer schmunzeln - das hat früher besser funktioniert als in "LEGO Marvel Super Heroes 2", weil es noch unverbrauchter war. Obendrein fehlen in diesem Marvel-Abenteuer die Original-Kinostimmen und erledigen die Behelfssprecher einen eher zweifelhaften Job. LEGO-Versionen der "Guardians of the Galaxy", von Wasp, Captain America, She-Hulk, Valkyrie oder dem "Grandmaster" zitieren die Vorlagen-Figuren zwar, verkörpern sie aber nicht. Ging es in frühen LEGO-Games noch darum, die Charaktere gekonnt abzubilden, geht es jetzt vor allem um die schiere Menge an freispielbaren Leinwand- und Comic-Ikonen.

Immerhin bietet TT Games dabei gewohnt hochwertigen Fan-Service: Abgesehen von den putzig animierten "Mini"-Protagonisten sind es vor allem die liebevoll ausstaffierten Schauplätze und bis auf den letzten Noppen originalgetreu nachgebauten LEGO-Modelle, die den Reiz des Szenarios ausmachen. Ein Szenario, das durch die zahlreichen Zeit- und Dimensionen-Sprünge in dieser Episode noch abwechslungsreicher, lustiger und fantastischer wird - für Vorlagen- und Bauklotz-Fans ein echtes Festessen. Klarer Fall: Von der Präsentation des niedlichen "Marvel Cinematic Universe" könnte sich manch ein ernsthafter Spiele-Blockbuster getrost eine Scheibe abschneiden.

Am Ende ist das zweite "LEGO Marvel Super Heroes" ein Umfangs- und Grafik-Monster, das treue Fans halbwegs glücklich macht, seine etablierte Erfolgsformel aber allzu routiniert und uninspiriert abspult. Außerdem werden gerade Neuankömmlinge im Sub-Genre des superheldischen Bauklotz-Staunens eher abgeschreckt als willkommen geheißen: TT Games setzt die Kenntnis um sein spielerisches Regelwerk inzwischen so sehr voraus, dass man die ursprüngliche Absicht dahinter längst aus den Augen verloren hat - nämlich Einsteigerfreundlichkeit.