Kritik: The LEGO Movie Videogame


 

Der Bauklotz-Kosmos des dänischen Spielzeugriesen LEGO hat sich in den letzten 30 Jahren radikal verändert: Wo man früher mit einer Hand voller Grundbausteine selber kreativ werden musste, da dominieren heute komplizierte Spielzeug-Sets voller Spezialteile das Bild. Raumkreuzer, Piratenschiffe, Burgen und Flugzeuge ähneln längst eher komplexen Modellbausets als echtem Kinderspielzeug. Populäre Lizenzen wie "Star Wars", "Harry Potter", "Der Herr der Ringe", "Marvel Super Heroes", "Indiana Jones", "Fluch der Karibik" und sogar "Prince of Persia" haben wunderschöne Sammlerstücke hervorgebracht, doch die Kreativität haben sie nicht beflügelt. Heute wird mit LEGO eher gesammelt als gespielt – denn die meisten Fans sind zusammen mit ihrer liebsten Spielzeugmarke gealtert und heute keine vier, sondern eher 40 Jahre alt.

 

Genau diese Problematik nimmt der LEGO-Kinofilm aufs Korn: Der war in den USA schon ein echter Überraschungshit, und anders als Computer-animierte Serien wie "LEGO Ninjago", "LEGO Chima" oder "LEGO Atlantis" dient er nicht dazu, eine bestimmte Serie des Herstellers zu promoten. Der "LEGO Movie" entstand zwar ebenfalls im Computer, sieht aber aus als hätte man sämtliche Sets und Effekte mit echten Bausteinen realisiert. Die berühmten Männlein bewegen sich, als hätte man echte 'Minis' per Stop-Motion-Verfahren abgefilmt: Eingeschränkt, abgehackt und als würden sie von Kinderhand durch die knuffigen Playsets geführt. Feuer, Regen und sogar Qualm – alles besteht aus LEGO.

Die Story ist so simpel wie genial: Früher wurde das Klötzchen-Universum von den 'Baumeistern' gestaltet, die nach Gutdünken zwischen den Welten wechseln und alle Elemente beliebig miteinander kombinieren konnten, um fantastische Meisterwerke zu schaffen. Doch LEGO-Obermotz 'Lord Business' ist ein echter Ordnungs-Fanatiker und hat mit Kreativität nicht viel im Sinn: Um die Vermischung der Welten und ihrer speziellen Bau-Elemente zu verhindern, lässt er zwischen ihnen unüberwindbare Grenzen errichten – und lullt ihre Bewohner so sehr mit seinen Kommerz-Botschaften ein, dass sie sich bald nicht mehr an die Welt vor der Trennung erinnern können. Dazu gehört auch Filmheld Emmet: Der brave Bewohner von LEGO City geht jeden Tag auf die Baustelle, wo er strikt nach Anleitung allerlei komplexe Konstruktionen zusammen fummelt. Als er dort der wüsten Revolutionärin Wyldstyle begegnet, gerät sein Weltbild tüchtig ins Wanken: Die hübsche Rebellin kommt aus einem Versteck zwischen den Welten, reist ebenso wie ihr greiser Mentor von Spielzeug-Set zu Spielzeug-Set und kann LEGO-Kunst ganz ohne Bauplan erschaffen – für Emmet undenkbar.

 

 

Damit ist Wyldstyle zugleich der klassische LEGO-Videospielcharakter: Wann immer etwas so zerdeppert wird, dass die für ein pfiffiges Konstrukt nötigen Bausteine dabei sind, kann sie tätig werden – und das in Windeseile. Und als echte Baumeisterin kann die Rebellin sogar in Action-Szenen improvisieren: Grün umrandete Level-Elemente werden dann fix mit dem eingeblendeten Cursor markiert und anschließend in einen schicken Flitzer oder einen Helikopter verwandelt, mit dem man z.b. eine rasante Verfolgungsjagd bestreitet.

Ist dagegen ein Bauplan erforderlich, dann muss Emmet ran: Zuerst sucht das stetig wachsenden Heldenteam nach den nötigen Plan-Fragmenten – dann wird los gebastelt. Anders als bei Wyldstyle funktioniert das aber nicht auf Knopfdruck: Emmet muss erst auf dem Plan markierte Elemente des fertigen Konstrukts mit den zur Verfügung stehenden Bauteilen abgleichen – erst danach wird gebastelt. Doch auch abseits ihrer Klötzchen-Kunst sind die putzigen Minis aus "LEGO The Movie" talentiert: So darf Emmet kaputte Mechanismen reparieren, Wyldstyle an speziell markierten Wänden und Stangen herum turnen, ihr alter Meister dagegen seinen Zauberstab schleudern und unbeeindruckt über eine Schlucht voller züngelnder Flammen balancieren. Wie bei allen LEGO-Games ist der fliegende Wechsel zwischen den Figuren also erste Spielerpflicht.

 

Obwohl die meisten Szenarien merklich enger abgesteckt sind als z.B. die Adventure-artigen Schauplätze in "Fluch der Karibik", entschädigen die für LEGO-Spiele ungewöhnlich rasanten Action-Sequenzen für diese kleine Einschränkung. Der auffälligste Unterschied ist allerdings visueller Natur: Bei allen anderen Klotz-Games stammen in erster Linie Figuren, Fahrzeuge und Accessoires aus dem LEGO-Katalog, die Umgebung ist dagegen meist filmisch und fotorealistisch gestaltet. Beim "LEGO Movie"-Spiel allerdings stammt wie in der Filmvorlage alles aus dem Baukasten: Das Ergebnis ist ein filigran aus den bekannten Steinchen aufgeschichtetes und interaktives Universum. Das sieht zwar naturgemäß nicht ganz so eindrucksvoll aus wie die meisten anderen LEGO-Titel – aber ausgesprochene Fans des Original-Spielzeugs freuen sich dafür umso mehr und spielen fröhlich "Bausteine wiedererkennen".

 

"THE LEGO Movie Game" ist weder so umfangreich noch so launig umgesetzt wie manche seiner Lizenz-Kollegen – aber Traveller's Tales liefert einmal mehr einen rundum soliden und vor allem detailverliebten Job ab, um den kein LEGO-Fan herum kommt. Zumal die kritische Botschaft des Films ähnlich geschickt transportiert wird wie in der Vorlage. (7.5 von 10 / "gut")

 


Traveller's Tales und Warner Int. • ab 11. April für Xbox 360, Xbox One, PS3, PS4, WiiU und PC  • ca. 30 Euro (PC), 40 Euro (Xbox 360, PS3, WiiU) bzw. 60 Euro (Xbox One, PS4) • ab 6 Jahren • für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut

10 = legendär

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