Kritik: Hitman Go

 

Bei Square Enix' jüngstem Smartphone/Tablet-Output ist der Name Programm – und das in gleich zweifacher Hinsicht: Der Titel "Hitman Go" spielt nicht nur auf die Mobilität und Unterwegs-Tauglichkeit des griffigen Spielkonzepts an ("to go"), sondern erinnert gleichzeitig an das prominente japanische Brettspiel "Go", mit dem sich im Mittelalter bereits japanische Feldherrn in taktischer Finesse geübt haben.

 

Ganz so strategisch wie der fernöstliche Boardgame-Klassiker ist das Mini-"Hitman" zwar nicht, doch die kosmetischen und spielerischen Parallelen sind kaum zu übersehen: In jeder Mission sind grafisch reduzierte Details wie Büsche, Bäume, Hecken, Mauern oder Swimmingpool (Wasserball inklusive) auf einem dreh- und schwenkbaren Holzbrett angeordnet. Ein durchgehendes Muster wie auf einem klassischen "Go"-Brett fehlt, doch auch die möglichen Marschrouten für den Hitman sind durch feine Linien vorgegeben – und die kreisförmigen Verbindungspunkte erinnern nicht von ungefähr an die Spielsteine des Originals. Denn wie im Brettspiel wird die Figur (in diesem Fall Killer 47) rundenweise von Knoten zu Knoten gezogen, dann sind die Gegner an der Reihe. Der Trick dabei: Wenden feindliche 'Spielsteine' wie Wächter, Gärtner oder andere Bedienstete der eigenen Figur die Vorderseite zu, dann putzen sie den Hitman beim nächsten Zug vom Brett. Sicher ist der Profi-Abmurkser nur, wenn sie ihm die kalte Schulter zeigen bzw. den Rücken zuwenden: Dann darf 47 entweder unbehelligt weiter- oder seinerseits auf das vom Feind besetzte Feld ziehen. Letzterer landet daraufhin wie der Rest der 'Gekillten' auf der Spielsteinhalde neben dem Brett.

 

 

Nach der selbsterklärenden Einführung (bei der alle Feinde brav auf der Stelle verharren), zieht der Schwierigkeitgrad allmählich an: Bonusziele ("Hol den Koffer!", "Töte niemanden!"), Ablenkungsmanöver (Steinchen schmeißen) und bewegliche Feinde bringen den Go-Spieler zunehmend ins Schwitzen – nur die kühlsten Strategen bringen alle Missionen erfolgreich hinter sich.

 

Nicht jeder "Hitman"-Fan wird der Go-Adaption des Action-Spiels etwas abgewinnen können, doch tatsächlich hat Square Enix mit seiner fantasievollen Brettspiel-Variante einen potentiellen Mobile-Klassiker geschaffen: Zugänglich, handlich, heraufordernd, motivierend und perfekt für den ganz kleinen Spielehunger zwischendurch. Der Versuch, das Action- und Schleich-Konzept der Originalserie auf den Touchscreen zu bringen, hätte nie und nimmer so vorbildlich funktioniert. (8,5 von 10 / "sehr gut")

 


Square Enix • ab sofort für iOS • ca. vier Euro • für Fortgeschrittene und Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut

10 = legendär

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