Kritik: Sniper Elite 3


 

Während in Kriegs-Shootern wie "Call of Duty" vor allem wild geballert wird, da ist bei "Sniper Elite" vom englischen Traditions-Entwickler Rebellion Präzision gefordert. Zumindest meistens. Anders als der 2005er-Titel "Sniper Elite" (Xbox) und das Remake "Sniper Eite V2" (Xbox 360, PS3, WiiU, Windows) will Teil 3 die taktische Komponente des Originals mit der Hollywood-nahen Kawumm-Inszenierung eines "Battlefield" kombinieren. Das Ergebnis wird zwar weder dem einen noch dem anderen Ziel völlig gerecht – doch durch die Neu-Orientierung wird das ehemals knackschwere und Simulations-gepolte "Sniper Elite" auch für Normalsterbliche halbwegs spielbar.

Zumal Rebellions Scharfschützen-Leben nicht durch sperrigen Hightech-Schnickschnack erschwert wird: Der Held aus "Sniper Elite 3" legt sich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf die Lauer, wo er zwischen afrikanischen Sanddünen und Wehrmacht-Panzern mal durchs Zielfernrohr, dann wieder über Kimme und Korn heißes Blei gen Horizont pustet.

 

Für den absoluten 'Sniper'-Kick soll ein Schadensmodell sorgen, das die grauenvollen Verletzungen der Scharfschützenprojektile mit filmischer, fast schon perverser Genauigkeit inszeniert: Die in Zeitlupe heranrauschende Partrone fährt durch einen Röntgenbild-artigen Echtzeit-Querschnitt des Opfers, während sie Knochen und Organe durchtrennt, die Schädeldecke zersplittern oder die Augen aus den Höhlen treten lässt. Und ja, das ist genauso eklig wie es sich anhört: Wer "Sniper Elite" genießen will, der braucht einen starken Magen und außerdem eine zumindest dezente Portion digitaler Skrupellosigkeit – denn der Killer-Fetisch ist zwar stilvoll, hinterlässt aber nicht selten einen faden Beigeschmack. Schade allerdings, dass Rebellion diesen bemerkenswerten Grad an technisch-inszenatorischer Detailfreude nicht überall hat walten lassen: Das afrikanische Hinterland mit Wüste, zerklüfteten Felsformationen, Relief-verzierten Ruinen und üppigem Palmenbestand ist zwar ansehnlich, aber kein wesentlicher Spiel-Motivator. Der verbirgt sich nach wie vor in den taktischen Möglichkeiten, mit denen der Elite-Schütze seine Opfer möglichst lautlos meucheln darf: z.B. indem er den Atem anhält, um seinen Schuss nicht zu verwackeln. Oder Maschinen der Deutschen sabotiert, damit ihr Lärm den der Sniper-Schüsse überdeckt. Denn die arischen Gegner sind nicht auf den Eierkopf gefallen: Auf Silvester-ähnliches Geknalle reagieren die Wachen allergisch – darum sollte der Schütze so oft wie möglich seinen Standort wechseln.

 


 

Die offen begehbaren Einsatzgebiete lassen kreativen Spielern genügend Freiraum für Experimente – oder für das Zurechtlegen ausgefuchster Routen und Schleichwege. Etwas eigentümlich mutet dabei an, dass weder die Steuerung noch die Umgebung die Sorte flexibler Verkrümel-Möglichkeiten anbietet, die man sich für diese Sorte Spiel wünscht: Wieso kann der Charakter nicht auf Felsen klettern, sich in ihrem Schatten in Deckung kauern oder um Ecken herumspähen? Oder an Simsen und Kanten entlang kraxeln, um dann die oben stehenden Gegner nach unten zu reißen? Durch die Wahl der "Third-Person-Perspektive" (man schaut dem Helden also über die Schulter) und der Heimlichtuer-Thematik legt Rebellion nämlich Manöver nahe, die das Spiel leider nicht bietet: Das schmerzliche Gefühl von einer nur stark eingeschränkten Bewegungsfreiheit ist die Folge.

 

Wer sich daran und an dem chronischen Mangel an Dramaturgie allerdings nicht stört, der bekommt mit "Sniper Elite 3" eine angenehm offene Kombi aus Weltkriegs- und Präzisions-Shooter. Die wurde zwar nicht in jeder Hinsicht konsequent zu Ende gedacht, ist aber ausgereift genug, um als willkommene Alternative zum geradlinigen Baller-Einerlei aus der Anti-Terror-Retorte zu funktionieren.

 

(7.5 von 10 / "gut")

 


Rebellion, 505 Games • PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One • ca. 50 Euro • ab 18 Jahren • für Fortgeschrittene und Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut

10 = legendär

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