Kritik: Shovel Knight


 

Inzwischen ist die in vielen Independent-Spielchen gepflegte Pixel-Optik schon wieder abgedroschen: Anfangs wirkte die bewusst grobkörnige Remineszenz an alte 8Bit- und 16Bit-Spiele noch charmant, doch mittlerweile nervt sie. Eine von wenigen Ausnahmen ist der Schaufel-schwingende "Shovel Knight" von 'Yacht Club Games': Das an Klassiker wie "Wonderboy" und "Castlevania" erinnernde, horizontal scrollende Action-Adventure wurde so liebevoll gepixelt und an den Stilmitteln alter NES- bzw. Super-NES-Spiele orientiert, dass man sich fast in die Zeit der Klassiker zurückversetzt fühlt. Aber eben auch nur fast: So viele Objekte und versetzt scrollende Bildebenen gleichzeitig hätten die altehrwürdigen Modul-Konsolen nicht hinbekommen. So betrachtet zeigt das dezent verrollenspielte Fantasy-Jump'n'Run nicht direkt, wie es früher zuging – vielmehr will es illustrieren, wie sich die Spiele-Welt weiterentwickelt hätte, wenn man der farbarmen Pixel-Ästhetik treu geblieben wäre.

 

 

Das Resultat ist ein stilvolles und selbstironisches Märchenreich, in dem der Titelheld mit Schmackes die Schaufel schwingt, um seine verschwundene Freundin 'Shield Knight' aus den Klauen einer bösen Zauberin zu befreien. Wichtiger als der wuchtige Schaufel-Schlag ist allerdings der Schaufel-Hupfer: Dann hält der blaue Rittersmann das Buddel-Werkzeug gerade nach unten gerichtet, um darauf wie mit einem Pogo-Stock herumzuspringen und Steine bzw. Monsterschädel zu bearbeiten.

Obwohl der wackere Spaten-Krieger keine Erfahrungsstufen hat, darf er sich durch das Aufsammeln passender Gegenstände etwas steigern: Fressalien bessern das Energie-Maximum auf – andere Objekte wiederum erhöhen die Magie-Skala, über die Mr. Schaufel gefundene Artefakte mit Saft versorgt.

 

Die wundervoll grobkörnige Hupf- und Dresch-Orgie funktioniert zwar ganz hervorragend und versprüht gerade während der ersten Spielstunden einen zauberhaften Retro-Charme, doch mit der Zeit verliert die bockschwere Pixel-Lehrstunde entschieden an Reiz. Trotz vieler interessanter Bildeinfälle, tollen Gegner-Designs und teuflisch genialer Hüpf-Passagen wiederholt sich der Buddel-Ritter einfach zu stark – außerdem steigert sich der ohnehin schon saftige Schwierigkeitsgrad schließlich ins Absurde: Selbst altgediente Pixel-Profis beißen sich an "Shovel Knight" die Zähne aus.

Passionierte Retronauten investieren die rund 15 Euro gerne, alle anderen können sich den Pixel-Junker sparen. Die 3DS- und WiiU-Version des PC-Titels ist in den USA bereits zu haben, die Europa-Veröffentlichung steht noch aus.

 

(6.5 von 10 / "befriedigend")

 


Yacht Club Games • ab sofort für PC, später für WiiU und 3DS • ca. 15 Euro • für Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut

10 = legendär

 

 

 

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