Kritik: Counterspy

James Bond würde sich langweilen

Horizontale Schleich-Action im Kalten Krieg: Dynamightys Download-Agentenspielchen für PS4, PS3 und PS Vita will an Genre-Klassiker wie "Mission Impossible" erinnern, entpuppt sich aber als uninspiriertes Standard-Aufgebot.

 

 

Betrachtet man die aktuellen Spannungen in und um die Ukraine, dann wirkt Dynamightys "Counterspy" auf gruselige Art und Weise aktuell – und das, obwohl der Titel in den 60er-Jahren angesiedelt ist. Also zur Zeit des eigentlichen Kalten Krieges: Aus den USA macht der Entwickler die 'Imperialistischen Staaten', aus Russland wird prompt die 'Sozialistische Republik' – und beide haben den Finger am Raketenabzug, während sie gleichzeitig das bekannte Wettrennen zum Mond starten.

Die perfekte Ära für ein spannendes Agentenleben also: Der unabhängige Geheimdienst 'Counter' schickt seine Spione mal ins eine, mal ins andere Lager – die Missionsplanung obliegt allein dem Spieler. Spielerisch hat die Wahl des Einsatz-Ortes allerdings keinen Einfluss – lediglich der Look unterscheidet sich von Ost- zu West: Während man im Osten durch sterile Korridore latscht, durchs Sibirien-artige Schneegestöber hechelt oder vor mobilen Raketenabschussrampen (Marke "böser Russe") in Deckung geht, da ist man im Westen in typischen US-Bürokomplexen der damaligen Zeit unterwegs. Die Art der Darstellung ist dabei der größte Trumpf von "Counterspy": Der im Computer gerenderte Trickfilm-Look des Titels spielt auf Werbe-Illustrationen der damaligen Zeit an und ist herrlich plakativ – zumindest wenn es um die Darstellung der Umgebung geht. Nicht ganz so gelungen sind der Agent und seine Feinde: Die sind zwar ebenfalls stilisiert, bergen aber weder sonderlich viel Persönlickeit noch fügen sie sich homogen ins übrige Bild.

 

 

 

Das größte Manko von "Counterspy" ist allerdings sein eintöniger Spielmechanismus: In der Horizontalen durch feindliche Korridore laufen, dabei vorsintflutliche Computer hacken, Safes knacken und Soldaten ausschalten – das wird schnell dröge und bietet weder spielerische noch visuelle Highlights. Auch das berechenbare Kampfsystem kann das Spiel kaum tragen: Die Soldaten werden entweder per Handkante ausgeschaltet, von hinten erwürgt oder mit der Bleipuste durchsiebt. Die wird nach Shooter-Art zuerst mit einem Stick ausgerichtet, bevor man dann schließlich den Schuss auslöst. Das funktioniert entweder spontan und beim Seitwärts-Wetzen – oder aus der Deckung heraus: Dann wechselt die Kamera von der seitwärts scrollenden Totalen schräg hinter den Helden und zeigt aus einem filmischeren Blickwinkel, was der Spion vor sich sieht. Das funktioniert zwar reibungslos, ist aber dermaßen anspruchsfrei, dass sich auch hier keinerlei Höhepunkt oder dynamischer 'Flow' ergibt.

 

Kurzum: "Counterspy" bietet hübsche, aber leider ernüchternd ideenlose Action von der Genre-Stange. Funktioniert, sieht gut aus – und ist leider total laaaaangweilig. Für 15 Euro gerade noch akzeptabel.

 

(5.0 von 10 / "ausreichend")

 


Dynamighty • ab sofort für PS4, PS3 und PS Vita • ca. 15 Euro • für Fortgeschrittene und Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut

10 = legendär

 

 

 

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