Kritik: Hohokum

Ist das noch ein Spiel? Hohokum vom britischen Indie-Entwickler Honeyslug lotet auf PS4, PS3 und PS Vita die Grenzen des Spiele-Mediums aus – doch leider vergisst es darüber etwas ganz Entscheidendes: den Spaß

 

 

"Hohokum" von 'Honeyslug' und dem auf Vektor-Grafik spezialisierten Künstler Richard Hogg ist genau die Sorte Titel, die das Medium Spiel braucht. Denn es lotet seine Grenzen und Möglichkeiten aus – traut sich, eine wichtige Frage zu stellen: "Was ist das eigentlich, ein Spiel?" Eine Gratwanderung, die dem Titel zwar viele Liebhaber, aber noch mehr Kritiker bescheren wird, denn für die meisten wird es nicht mehr sein als ein nur dezent verspielter Bildschirmschoner – genau die Sorte interaktiver Drogen-Trip, den man von den Beatles erwartet hätte. Und auch die könnten vermutlich kaum beantworten, um was es bei "Hohokum" eigentlich geht oder wie man es denn 'spielt'. Nun schlüpft man zwar in die Rolle eines bunten 'Strangs' (erinnert an ein überlanges Spermium), der sich mal schneller, mal langsamer durch die knallige Vektor-Welt zwirbeln lässt, doch ein echtes Ziel verfolgt der 'Held' kaum. Manchmal geht es darum, einfach alle Objekte anzustupsen, ein anderes Mal soll man zusammen mit den übrigen 'Strippen' Kaleidoskop-ähnliche Muster bilden – oder eben auch nicht. Denn letztlich weiß man am Ende eines 'Levels' nie so recht, wie man es überhaupt erreicht hat.

 

Der Gag bei "Hohokum" sind also Zwangslosigkeit und Experimentierfreude. Ebenso wie der Versuch, den Spieler durch die meditative Inszenierung vollends in die eigentümliche 2D-Welt abtauchen zu lassen. Denn wo auch immer er seine 'Strippe' steuert, streckt und zwirbelt oder Gegenstände mit ihr anstupst, da passiert etwas Sehenswertes – gleichzeitig ändert sich der Sound, der irgendwo zwischen groovigem Trance und psychedelischer Meditations-Mucke changiert. "Hohokum" bezieht seine Faszination also nicht aus dem Hinsteuern auf irgendein Ziel oder das Abklappern eines festgeschriebenen Regelwerks, sondern der Lust auf Form und Bewegung bzw. dem Herumprobieren mit diesen Elementen. Wer also ein klares Ziel vor Augen braucht, den wird Honeyslugs Titel gelegentlich sogar frustrieren und abschrecken. Zumal knapp 15 Euro (bzw. um die zehn für PlayStation-Plus-Abonnenten) für einen besseren Bildschirmschoner ganz schön happig sind.

 

(6.0 von 10 / "befriedigend")

 


Honeyslug • ab sofort für PS4, PS3 und PS Vita • ca. 15 Euro • für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis


WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut

10 = legendär

 

 

 

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