Kritik: Bayonetta 2

Effekt-Schlacht vor den Toren von Himmel und Hölle: Mit dem WiiU-exklusiven "Bayonetta 2" zeigen Action-Experte Platinum Games, Sega und Nintendo, was die Wiiu kann. Und das ist augenscheinlich… eine Menge.

für WiiU

von Platinum Games, SEGA und Nintendo

ein bis zwei Spieler

für Fortgeschrittene und Profis


im Handel

ca. 45 Euro

ab 16 Jahren



Bei dieser Hexe verzückt nicht nur die neckische, meist in knappes Latex gehüllte Rückfront – auch die Kulissen können überzeugen. 



Auf den Konsolen der letzten Generation gehörte die extravagante Ballerei "Bayonetta" zu den erklärten Lieblingen der unterversorgten Japano-Gemeinde: Die in hautenges Latex gehüllte und mit geballter, mutierender Haarpracht um sich dreschende 'Bullet Witch' war eines der besonders ausgeflippten Action-Aufgebote der letzten Jahre. Außerdem war die ballernde, prügelnde und Zaubersprüche-klopfende Fetisch-Hexe fast schon aufdringlich erotisch. 

Beinahe wäre die Dame mit den dicken Bleipusten und den schmerzhaften Stöckelschuh-Attacken in der Versenkung verschwunden – denn Publisher SEGA wollte im Alleingang keine Fortsetzung finanzieren. Doch dank Nintendo-Millionen geht "Bayonetta" nach fast vierjähriger Entwicklungszeit jetzt doch noch in die zweite Runde: Die Erzählung um zwei verfeindete Hexen-Clans, mechanisierte Dämonen, Cyber-Engel und zwei machtvolle Artefakte – die 'Augen Gottes' – ist wie gewohnt wirr und kaum nachvollziehbar – nimmt sich aber auch nicht all zu ernst. Die dralle Kämpferin und clowneske Sidekicks wie der weinerliche Geschäfte-Macher Enzo, der von Bayonetta besessene Journalist Antonio oder der infernalische Waffen-Dealer Rodin sind purer Pulp. Denn letztlich reflektiert auch "Bayonetta 2" die bisherigen Arbeiten von Projekt-Chef Hideki Kamiya, kondensiert sie auf einen gemeinsamen, ultra-japonophilen Prügelspiel-Mythos und dreht sie dann humoristisch überdreht durch den Kakao. Ein bisschen "Devil may cry", ein wenig "Resident Evil", ein Hauch "Viewtiful Joe", ein paar Pinselstriche "Okami" (alles Spiele, bei denen der Designer federführend war) – und fertig ist ein augenzwinkernder, Action-geladener Klischee-Cocktail, in dem gerade inhaltlich deutlich mehr steckt, als es der flippige Look auf den ersten, überreizten Blick verrät. 


Bayonetta ist Meisterin des übernatürlichen Haar-Kung-Fu! Will heißen: Die ungebändigte,kilometerlange Haarpracht wird kurzerhand per Vortex in eine andere Dimension gebeamt, umd dann an anderer Stelle in Gestald eines gigantischen Drachen oder anderen Monsters wiederaufzutauchen.


Surfin' Bitch… äh… Witch! Die furios inszenierten Endgegner-Gefechte sind nicht nur inszenatorisch, sondern auch dramaturgisch der Fokus des Spiels. Denn im Grunde… kömpft unser knackiges Alter Ego IMMER gegen irgendeinen Boss!




Doch auch für Kamiya-Unkundige, die mit den unzähligen Referenzen, Zitaten und Seitenhieben nichts anzufangen wissen, hat "Bayonetta 2" einiges auf dem Kasten: Bereits während der ersten halbe Stunde kloppen sich die Heldin und eine befreundete Hexe mit einer gigantischen Drachen-Bestie, während sie die Fassaden eines Wolkenkratzers umrunden, dabei sämtlichen Gesetzen der Physik mit Anlauf ins Gesicht treten und schließlich eine weitere Monstrosität beschwören, um die erste in die Hölle zu saugen. Und bis zum Ende wird das Tempo kaum gedrosselt: Riesige, robotische Teufelsrochen und geflügelte, Hammer-schwingende Mechs sind noch die kleineren Exemplare, mit denen es die quirlige Heldin zu Lande, zu Wasser und vor allem in der Luft aufnimmt – während sie aus allen Rohren mit denen an ihren schlanken Fußfesseln befestigten Bleipusten feuert. Und ihre seidige Haarpracht in riesenhafte Höllen-Bestien oder überdimensionierte Damenschuhe verwandelt, mit denen sie ihre Widersacher dann förmlich zerquetscht oder zerreisst. 

Die gute Nachricht dabei: Im ersten Teil waren die graziösen und nicht selten wunderbar anzüglichen Verrenkungen der Hexe nur für ausgesprochen geübte Prügelspiel-Profis abrufbar – doch dank dem neuen Einsteiger-Modus schafft Bayonetta jetzt auch in den Händen von solchen Spielern imposante Manöver, die sich bei all den hochkomplexen Knöpfchen-Kombinationen sonst die Griffel verheddern. 


Klarer Fall: Wer auf imposante, schamlos Effekt-geladene Action steht und endlich mal sehen will, was tatsächlich in Nintendos WiiU steckt, der ist bei "Bayonetta" goldrichtig. Das furiose Knackpo-, Klopp- und Kawumm-Aufgebot von Platinums Haudrauf-Hexe ist genau das Spiel, das Nintendo zum Start der WiiU-Konsole gebraucht hätte. Jetzt auch mit Zweispieler-Modus – und einer Disc mit der Wii-Version des ersten Teils. Genau das richtige für den kleinen (oder auch großen) Action-Fetisch also. 



BILDER LINKS: In der Welt von Bayonetta sind die meisten Engel und Dämonen riesenhafte, kybernetische Organismen – oder schlicht hulkige Mechs und feuerbetriebene Riesenroboter.



9.5

sehr gut

Grafik: sehr gut

Sound: sehr gut

Steuerung: sehr gut

Spielspaß: sehr gut



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