Kritik: Lords of the Fallen

Fantasy-Blockbuster made in Germany: Deck 13, CI Games und Koch Media bescheren geduldigen Rollenspielern mit "Lords of the Fallen" einen Genre-Vertreter der ganz besonders harten Art. Besitzer von PS4, Xbox One und PC bereiten sich auf ein Grafik-Feuerwerk mit hoher Sterberate vor. 



für PS4, Xbox One, PC

von Deck 13 und CI Games

1 Spieler

für  Profis


im Handel

ca. 60 Euro (Konsole) bzw. 45 Euro (PC)

ab 16 Jahren





Das Verderben wartet! Der Schurke Harkyn hat einen Deal mit dem Gesetz: Weltrettung gegen Pardon. Aber der Tod lauert so oder so hinter jeder Ecke.


Vor einigen Jahren hat der japanische Entwickler From Software eine Bewegung losgetreten, die kaum einer für möglich gehalten hätte: Mit ihrer "Dark Souls"-Reihe stemmten sich die Asiaten erfolgreich gegen den Trend der allgemeinen Vereinfachung im Reich der Computerspiele. Und das Beispiel hat schnell Schule gemacht: Mit seinem Action-Rollenspiel "Lords of the Fallen" begibt sich der Frankfurter Entwickler Deck 13 bewusst auf den selben Pfad, beschert Freunden der erbarmungslosen Metzel-Wut ein Fantasy-Aufgebot, bei dem jedes auch nur dezent verspätete Ausweichmanöver das Ende bedeuten kann. Held des brutalen Action- und Daten-Aufgebots ist der Schwerverbrecher Harkyn: Als eine Gruppe vergessener Götter die Spielwelt angreift, bekommt der Gauner eine Chance auf Wiedergutmachung. Seine Aufgabe: Die Invasion beenden – und als Belohung werden die Runen aus seinem Gesicht getilgt, die ihn als veurteilten Kriminellen brandmarken. Zusammen mit seinem Mentor – dem alten Magier Kaslo – bricht der stiernackige Antiheld auf, um von Monstern besetzte Bollwerke der Menschen zu befreien und schließlich sogar einen Trip in die dämonische Heimatwelt der Kreaturen zu wagen. 


Wie bei "Dark Souls" ist die Steuerung gezielt schwerfällig. Etwas Abhilfe schafft die Wahl einer leichten Ausrüstung. Dann findet die Waffe spürbar schneller ins Ziel.


Anders als bei den meisten Echtzeit-Rollenspielen mit Action-inspiriertem Kampfsystem keilt sich der Spieler-Avatar in "Lords of the Fallen" nicht mit ganzen Heerscharen aus sabbernden Kreaturen. Stattdessen bekämpft er kleine Gegner-Gruppen oder trägt mit einzelnen Widersachern regelrechte Duelle aus. Hier geht es darum, den feindlichen Attacken so oft wie möglich mit eine Hechtrolle auszuweichen, sie mit dem Schild zu blocken oder im richtigen Moment zuzuschlagen – nämlich dann, wenn in der gegnerischen Defensive eine riesige Lücke klafft. Wer die Angriffs- und Ausweich-Chancen regelmäßig verpasst, der wird in der finsteren Fantasy-Welt von Deck 13 nicht alt: Die Waffen der Widersacher machen mächtig Aua, die Energie-Leiste des Helden ist knapp bemessen und der Vorrat an Heiltränken auf drei Stück beschränkt  – hier wird also schnell und oft gestorben. 


Doch so richtig hart wird's, wenn sich Harkyn mit einem Endgegner konfrontiert sind: Das sind riesenhafte und schwerfällige, aber auch extrem Schmerz-resistente Brocken, die selbst gestandenen Rollenspielern die Tränen in die Augen treiben. Abhilfe schaffen hier nur die richtige Taktik und die clevere Nutzung des Erfahrungssystems: Die recht großzügig über die Festungen und Verliese verteilten Speicher-Kristalle fungieren nämlich nicht nur als Rücksetzpunkte, sondern außerdem als eine Art Bank für die im Kampf verdient Erfahrung. Wann immer Harkyn einem Widersacher erfolgreich die EP aus dem ungewaschenen Monsterleib gedroschen hat, steht er vor der Wahl, die eroberten Punkte entweder weiter mit sich rumzuschleppen, oder sie zur späteren Verwendung am Rücksetzpunkt 'einzuzahlen'. Der Vorteil der Überweisung an die Savepoint-Götter: Diese Punkte hat der Held sicher. Vorteil des Mitnehmens: Je mehr Punkte der Schwert- und Axtschwinger mit sich führt, desto üppiger wird die EP-Ausschüttung bei künftigen Siegen. Auf diese Weise belohnen die Game-Designer die Risiko-Bereitschaft des Spielers: Denn beißt der Held ins Gras (und das wird er verdammt oft), dann lässt er alle bis dahin verdienten EP in Form eines 'Geists' an Ort und Stelle zurück. Die kann er zwar zurückholen – doch der Weg vom letzten Rücksetzpunkt bis zu seinem Sterbeplatz ist unter Umständen so lang, dass sich der Geist bis dahin verflüchtigt hat. Und dann sind die kostbaren Punkte für immer verloren – die ganze Mühe war umsonst!

Doch auch fürs Hochleveln der Figur gibt es einen Kniff: Einfach die Erfahrungspunkte immer schön risikofrei am Speicherpunkt bunkern, sich dann abmurksen lassen und die wiederaufgetauchten Gegner noch einmal erledigen. Und das so oft, bis Harkyn eine schöne Stange Punkte gesammelt hat, die er dann in höhere Attributspunkte oder neue Zaubersprüche ummünzen kann. Auf diese Weise verlieren auch die furchtbaren Boss-Gegner allmählich ihren Schrecken. Gestandene Fans von Froms "Dark Souls" wird das gnädigere "Lords of the Fallen" als deutsche Entsprechung zur japanischen Erfolgsserie bereits einen Tick zu einfach sein, doch die meisten anderen Genre-Freunde werden an der Seite von Harkyn ordentlich ins Schwitzen kommen. Deck 13 bietet mit seinem Metzel-Aufgebot aber nicht nur eine knackige Herausforderung, sondern vor allem einen der ersten Titel für die neue Konsolengeneration, der genau den Detailreichtum und die Effektdichte zeigt, die man von einem echten Next-Gen-Spiel erwartet. Damit ist das Action-RPG made in Frankfurt außerdem eines der ersten Spiele, das mit internationalen Standards und vor allem technisch mit Grafik-Schwergewichten aus Übersee konkurrieren kann. Die meisten Bugs werden durch den ersten großen Patch bereinigt, dann läuft "Lords of the Fallen" auch angenehm flott und ohne lästige Bildfehler.

 

LINKS: "Lords of the Fallen" gehört zu den wenigen Titeln, die wirklich nach Next-Gen aussehen. Für ein RPG, das in Deutschland und mit vergleichsweise kleinem Budget entstand, mehr als beachtlich!



8.5

sehr gut

Grafik: sehr gut

Sound: gut

Steuerung: gut

Spielspaß: sehr gut


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