Assassin's Creed Rogue!

Besitzer von Next-Gen-Konsolen klettern mit "Assassin's Creed Unity" durchs Paris der französischen Revolution. Wer dagegen noch mit PS3 bzw. Xbox 360 (oder PC) unterwegs ist, der reist an Bord eines schicken Schoners nach Amerika: "Assassin's Creed: Rogue" macht's möglich.

für Xbox 360, PS3, PC

von Ubisoft

für Fortgeschrittene und  Profis


im Handel

ca. 60 (Konsole) bzw. 45 Euro (PC)

ab 16 Jahren



"Assassin's Creed Rogue" ist vor allem eines: Fan-Service pur. Cameos von bekannten Figuren wie Adewale sollen wohlige Erinnerungen abrufen sowie erzählerischen Lücken zwischen Teil 4 und 3 schließen.



Zwar hat Ubisoft "Assassin's Creed: Unity" ausschließlich für Next-Gen-Konsolen entwickelt – doch trotzdem schauen Hobby-Meuchler mit Xbox 360 bzw. PS3 auch in diesem Jahr nicht völlig in die Röhre: "Rogue" wurde exklusiv für die 'alten Systeme' entwickelt, außerdem schließt es die Handlungslücke zwischen Teil 3 und 4. Der Leisetreter der Stunde ist diesmal Shay Patrick Cormacs, der zur Zeit des Siebenjährigen Krieges in die Führungsriege des Assassinen-Ordens aufsteigt, aber schon bald dessen Motive und den erbarmungslosen Krieg gegen die Templer zu hinterfragen beginnt. Schließlich verlässt Shay die Meuchler, um selber zum Templer zu werden – und seine ehemaligen Brüder gnadenlos zu jagen. Dabei ist er ebenso wie Connor und sein Großvater Edward Kenway am liebsten mit seinem schicken Zweimaster unterwegs, hinter dessen Steuerrad er mit Vorliebe solche Schiffe auf den Grund schickt, die fette Beute geladen haben. Die wird dann am nächsten Hafen fix in Verbessrungen für den schwimmenden Untersatz investiert: Eine Eisenverstärkung der Planken macht die 'Morrigan' resistenter gegen feindlichen Beschuss, ein Rammsporn wiederum zerbröselt andere Schiffe oder das Packeis, unter dem das Meer an den nördlichsten Zipfeln des amerikansichen Kontinents bedeckt ist. Zusätzliche Kanonen dagegen verwandeln das anfangs noch schüchterne 'Piff-Paff' des wendigen Potts in eine donnernde Breitseite, die selbst große Schlachtschiffe von den Wellen pustet. 



Obwohl "Rogue" fast alle Spielmechanismen von Teil 3 und "Black Flag" in sich vereint, ist es sparsamer inszeniert und weniger episch als die Vorgänger. Außerdem betreibt es schamlos Figuren- und Schauplatz-Recycling: Unter dem Strich wirkt "Rogue" eher wie ein besonders großes Add-On als ein neues Spiel.


So gerüstet laufen der Assassinen-Youngster und seine Manschaft nicht nur Hafenstädte, sondern auch kleine Inseln und Hinterwäldler-Forts an: Hier verfolgt Shay die nächste Story-Mission, erforscht die Ruinen der sagenhaften Vorläufer-Rasse, macht sich auf die Suche nach den Serien-typischen Sammler-Extras oder zieht Fuchs, Elch und Hase bei der Jagd das Fell über die Ohren. Denn nur so bekommt er die für Ausrüstungs-Upgrades nötigen Materialien zusammen. Auch menschliche 'Opfer' massakriert der gedungene Mordbube im Dutzend: Anders als in "Unity" sind die Gefechte in "Rogue" keine allzu große Herausforderung – hier springen die Widersacher vergleichsweise bereitwillig über die Klinge, während sich ihre Genossen brav hinten anstellen. Und keine Sorge: Wenn Shay das kombinierte Waffen-Sammelsurium aus Episode 3 und 4 sprechen lässt, dann bekommt jeder seit Fett weg! Z.B. wenn der Assassine wie Edward Kenway die Säbel kreisen lässt und Giftpfeile verschießt (diesmal nicht per Blasrohr, sondern Luftgewehr) oder sie im 'Connor-Stil' mit Hilfe des Seilankers buchstäblich aufknüpft. 


Obwohl alle Spielmechanismen intakt sind, die bei "Assassin's Creed 3" und "Black Flag" für verzückte Gesichter und Höchstwertungen gesorgt haben, kann "Rogue" seinen Vorbildern nicht ganz das Wasser reichen: Die Charaktere sind schwächer, die Szenarien unscheinbarer und das Spiel selber weniger individuell als seine beiden Kollegen. Trotzdem macht der Titel nach wie vor einiges richtig, an dem das technisch progressivere "Unity" auf PS4 und Xbox One gerade scheitert – darunter vor allem das Bestreben, Steuerung und Spiel-Logik neu zu erfinden, ohne dabei die Grundformel der Serie anzurühren. Da "Rogue" unter keinerlei Innovations-Zugzwang steht, darf es sich ganz auf das konzentrieren, was die Assassinen gut können. Das Ergebnis ist entsprechend berechenbar, aber dafür auch rundum funktionell.


Kurzum: Hier betreibt Hersteller Ubisoft Fan-Service für all jene, die noch keine Next-Gen-Hardware besitzen. Das Ergebnis fühlt sich zwar ein wenig wie ein überteuertes Level-Add-On an, in dem zu viele Elemente und Settings aus den beiden direkten Vorgänger recycled werden – aber Spaß machen Shays Abenteuer allemal. 


7.5

gut

Grafik: befriedigend

Sound: gut

Steuerung: gut

Spielspaß: gut


Kommentar schreiben

Kommentare: 0