Captain Toad: Treasure Tracker

Ein Spin-Off verweist das Original in seine Schranken: In "Super Mario 3D World" war der kleine Pilzkopf "Captain Toad" nur ein Pausen-Snack für launige Bonus-Knobelspiele – doch jetzt bekommt er mit dem WiiU-exklusiven "Treasure Tracker" die Chance auf eine Solo-Karriere. Und die startet so furios, dass es Altstar Mario Angst und Bange wird! 

WiiU

von Nintendo

ein Spieler

für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis


ab 2. Januar 2015

ca. 40 Euro

ab 0 Jahren



OBEN: Die schicke Kopffunzel ist laut Online-Handbuch Toads ganzer Stolz. Gegner wie die im Spukhaus (links) reagieren äußerst allergisch auf den Lichtkegel der Mini-Lampe.



"Von schräg oben" ist aktuell der angesagte Ton im Mario-Universum. "Super Mario 3D Land" hat die Kamera zum ersten Mal in eine isometrische Perspektive geschubst, danach folgte sein großer WiiU-Bruder "Super Mario 3D World" – und jetzt kommt "Captain Toad". Marios kleiner, pilzköpfiger Kumpel versucht sich in "Treasure Tracker" nämlich zum ersten Mal an einer Solo-Karriere – und in dieser Rolle gibt er eine so gute Figur ab, dass selbst dem altgedienten Super-Klempner die Spucke wegbleibt. Dabei fing der Trubel um den kleinen Kerl als eine Serie schlichter Bonus-Aufritte an: In Marios letztem WiiU-Abenteuer durfte der knuffige Schatzjäger durch Miniatur-Levels wetzen, von denen jeder so handlich war, dass er gleich komplett auf die Mattscheibe passte. Das überschaubare Terrain wollte dann so gedreht und gewendet werden, dass man möglichst alle Gegner, sämtliche verborgenen Winkel und jedenGeheimgang einsehen konnte, um den selig grinsenden Helden dann vorsichtig hindurchzumanövrieren. 


Bossgegner wie dieser kapitale Feuerdrache werden nicht wirklich 'bekämpft' – man geht ihnen einfach so lange aus dem Weg, bis sie sich selber erledigen. 


OBEN: Kämpfe sind dem kleinen Helden ebenso fremd wie Mario-mäßige Hopser und Hosenboden-Attacken. Der pilzköpfige Entdeckter umgeht seine Feinde lieber.

OBEN: Die meisten Levels passen komplett auf den TV-Schirm und können mit Hilfe des rechten Analogsticks oder des Gamepad-Gyroskops von allen Seiten betrachtet werden. 

Das Konzept kam bei den Spieler so gut an, dass Nintendo prompt ein eigenes Spiel draus gemacht hat: Das Konzept ist zwar das selbe, wurde aber aber um jede Menge Details ergänzt. Wieder kann Toad nicht viel mehr als laufen und Leitern emporklettern, außerdem rupft er Blümchen aus, hinter denen sich häufig Klunker oder aber Knollen verbergen. Erstere landen im Säckel, letztere werden mit Schmackes dem nächsten Gegner an die Birne geschleudert. Damit hat sich das Angriffs- und Verteidiungspotential von Marios herzigem Kumpel nämlich auch schon erschöpft – Hopser beherrscht der rundliche Abenteurer nicht. 

Dafür hat er es aber mit der Orientierung: Obwohl die meisten "Treasure Tracker"-Levels auf einen einzigen Bildschirm passen, stecken sie so voller Details und heimtückisch verborgener Winkel, versteckter Passagen oder Geheim-Grotten, dass man sich ruckzuck darin verfranzt. Oder man glaubt, das Szenario bereits aus dem Effeff zu kennen – nur, um dann auf seiner Rückseite doch noch eine Geheimnhis zu finden. Wie z.B. eine unter Wasser stehende Schatzhöhle, die von einer fleischfressenden Ranken-Pflanze eifersüchtig bewacht wird. 

Kommen dann auch noch bewegliche Teile und andere Mechanismen ins Spiel, wird's ernst: Per Gamepad-Touchscreen berührte Elemente verändern ihre Höhe oder bringen rotierende Brücken in Gang – an anderer Stelle wiederum wird nach "Mario Galaxy"-Art gleich der komplette Level auf den Kopf gestellt oder ein Kanonenturm geschwenkt. 


Auf diese Weise erschaffen Nintendos Level-Designer erstaunlich komplexe Meisterstücke – und das, obwohl ihr Held niemals von seiner eingeschränkten Bewegungsweise abweicht. Ausnahme: Hin und wieder krabbelt Toad in eine Lore, um dann nach Indiana-Jones-Art über einen Achterbahn-ähnlichen Minen-Parcours zu rattern. Währen die TV-Mattscheibe dann weiter den Helden in seinem Gefährt zeigt, spielt sich das eigentliche Geschehen in diesen Levels auf dem Touchscreen des Gamepads ab: Der Spieler (idealerweise stehend) steuert den Minenwagen nun aus der Ego-Perspektive – und zwar, indem er sich mit dem Gamepad um die eigene Achse dreht. Das funktioniert so gut und vermittelt dabei ein derart intensives Mittendrin-Gefühl, als hätte das Gamepad hier endlich seine längst überfällige Bestimmung gefunden. 




In den Minen-Levels steigt Toad auf eine Lore um. Auf dem Gamepad sehen wir die Achterbahn-artige Fahrt dann aus der Ego-Perspektive.



Seine Bestimmung gefunden hat außerdem das Männlein der Stunde: Obwohl im Grunde kaum mehr als ein SpinOff, so fühlt sich Toads Alleingang doch wesentlich frischer und runder an als das letzte Klempner-Abenteuer, in dem der "Treasure Tracker" seinen Ursprung hat. Hinzu kommt eine Inszenierung, die außer "Mario Kart" jeden anderen bisherigen WiiU-Titel locker in die Tasche steckt: Die wundervoll detailreichen Levels sind überraschend realistisch ausgeleuchtet, verblüffen mit plastischen Material-Strukturen und bringen außerdem so manchen Boss-Gegner mit, der in der Videospielwelt bisher seinesgleichen sucht. Klarer Pflichtkauf für alle WiiU'ler, die unter keiner ausgesprägten Knobel-Allergie leiden!



9.5

sehr gut

Grafik: sehr gut

Sound: gut

Steuerung: sehr gut

Spielspaß: sehr gut



GRAFIK: Die "Toad"-Levels sind nicht nur extrem knuffig, sondern auch technisch echte Hingucker. Perfekte Lichtsetzung und prachtvolle Shader lassen die Szenarien ungewöhnlich plastisch und realistisch erscheinen – gerade bewegliche und flüssige Oberflächen wie Wasser oder Magma sind echte Hingucker. "Treasure Tracker" warten mit all den neckischen und liebevoll ausgearbeiteten Miniatur-Details auf, die wir im wesentlich plakativer gestalteten "Super Mario 3D World" vermisst haben. Besonders die Boss-Gegner sind epochale Meisterwerke.

 

SOUND: Hier spielt Nintendo wie gewohnt niedlich bis verspielt-hektisch auf – allerdings fehlt es dem Soundtrack an einer individuellen Note. Auch bei der direktionalen Abmischung hat man sich nicht eben mit Ruhm bekleckert – im hinteren Surround-Bereich tut sich nur wenig.

 

STEUERUNG: Hier spielt Nintendo wie so oft seinen größten Trumpf aus. Das mehr als überschaubare Repertoire an Bewegungs- und Manöver-Möglichkeiten wird perfekt ausgereizt. Das Ergebnist ist ein typisches Nintendo-Spiel: Super-eingängig – aber trotzdem mega-komplex. Genauso müssen geniale Videospiele aussehen!

 

SPIELSPASS: Nachdem der Hersteller mit den letzten "Donkey Kong"- und "Mario"-Jump'n'Runs nur niveauvolle Pausenfüller ohne den gewohnten Schuss extravaganter und Innovations-geladener Genialität geliefert hat, ist "Captain Toad" endlich wieder eine Hupferei (oder zumindest so was ähnliches) mit der besonderen Nintendo-Note. Solche SpinOffs dürfen gerne öfter kommen!