Never Alone (Kisima Ingitchuna)

Indie-Schmiede Upper One will uns die Eskimo-Kultur näherbringen: In seinem Jump'n'Run-Adventure "Never Alone" begleitet man ein herziges Mensch-Tier-Pärchen durch frostige Gefahren – doch die sind für Spieler aus echtem Schrot und Korn meist zu simpel geraten. 

PS4, Xbox One, PC

von Upper One Games

ein Spieler

für Einsteiger und Fortgeschrittene


im Handel

ca. acht Euro



Uper Ones' "Never Alone" knüpft an die Tradition von Hupf-Adventures wie "Flashback" und "Another World" an. Inszenatorisch erinnert es dezent an das ebenalls mit der Unity-Engine realisierte "Max: Curse of the Brotherhood", allerdings ist es spielerisch weniger komplex als der Horizontal-Scroller von Press Play. 



Wo sich Polarfuchs und Schneehase Gute Nacht sagen – da ist die Heimat der Inuit oder 'Eskimos'. Die gelten als die Ureinwohner der arktischen Gebiete in Kanada, Grönland, Sibirien sowie Alaska und sind auf das Leben im Ewigen Winter spezialsiert: Brüllende Schneestürme und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sind für die hartgesottenen Naturburschen nicht mehr als für uns ein laufes Lüftchen. 

Wie die Inuit mit diesen harschen Lebensumständen klarkommen und wie ihre besondere Beziehung zur Natur ihre Kultur geprägt haben, will "Never Alone" vermitteln: Während der Spieler in dem knobeligen Jump'n'Run-Adventure voranschreitet, werden allmählich kleine Video-Dokumentationen freigeschaltet. In denen berichten die Eingeborenen höchstpersönlch von der traditionellen Lebensweise ihres Volkes, von Mythen, Legenden und dem alltäglichen Überlebenskampf. Wie stellen die Jäger Fallen? Wie überlebt man bei besonders harscher Witterung? Was tut man, wenn man auf einer abtreibenden Eisscholle gefangen ist? Was hat es mit dem mysteriösen kleinen Volk aus den Sagen der Inutit auf sich? 


Mythologischen Elemente wie dem Eulenmenschen-Trommler und dem 'Kleinen Volk' begegnet die Heldin mit überraschender Selbstverständlichkeit.Eine Erklärung der kulturellen Hintergründe gibt's in den passenden Begleit-Videos.



Doch "Never Alone" ist auch dann noch ein rundes Gesamtpaket, wenn einen der lehrreiche Mehrwert des Adventures buchstäblicht kalt lässt: Der Erzähler trägt die interaktive Interpretation einer bekannten Eskimo-Sage vor (in untertitelter Inuit-Sprache), inzwischen sind ein oder zwei Spieler damit beschäftigt, die kleine Nuna und einen niedlichen Polarfuchs durch das Ewige Eis zu dirigieren. Bei zwei Spielern übernimmt einer die Rolle des Eskimo-Mädels, der andere schlüpft in den Fuchspelz – ein Spieler allein dagegen wechselt auf Button-Druck zwischen den beiden hin und her. Und beobachtet den jeweils anderen dabei, wie er – soweit möglich – treudoof hinter dem gespielten Charakter herdackelt. Über poröse Eisschollen hupft, Abhänge emporkraxelt und sich dicht an den Boden presst, um nicht von einer Sturmböe erfasst zu werden. Gerät die aktive Figur an ein unüberwindbares Hindernis, dann gibt sie an ihren Gefährten ab – denn der hat vielleicht das passende Spezialtalent in petto. So kann nur die kleine Inuit-Dame mit ihrer magischen Bola Eisblockaden zerbröseln. Ihr kleiner Kumpel dagegen darf von gegenüberliegenden Wänden abhupfen und kann seine "Sprungreichweite§ einen Tick vergrößern, indem er sich mit den Krallen ins Eis gräbt und die letzten paar Zentimeter kletternd überwindet. 


"Never Alone" ist um Sprünge, simple Klettereien und Flucht-Sequenzen aufgebaut. Witterung und Naturgeister lockern das konservative Gameplay etwas auf. 



Mit allerlei magischen Wesen wie Luftgeist-Schwebeplattformen sorgt Entwickler Upper One für Abwechslung, die Spannungskurve lässt man durch Verfolgungsjagden mit einem hungrigen Eisbären ansteigen. Trotzdem konzentriert sich das etwas zu kurz geratene "Never Alone" so sehr darauf, seine kulturlelle Botschaft charmant zu transportieren, dass es darüber die Komponente 'Herausforderung' fast vergisst. Wer damit allerdings kein Problem hat, der genießt einen zauberhaft schönen und emotionsgeladenen Jump'n'Run-Trip mit zärtlich erhobenem Schulmeister-Zeigefinger. 



7.5

gut

Grafik: gut

Sound: gut

Steuerung: gut

Spielspaß: gut



GRAFIK: Hübsch und stilsicher, aber weitgehend unscheinbar. Das putzig animierte Füchslein ist ganz klar der Blickfang des Abenteuers.

 

SOUND: Der atmosphärische und angenehm druckvoll abgemischte Soundtrack verlässt sich vor allem auf eine folkloristisch angehauchte Instrumentation, ansonsten gibt's vor allem voluminöses Sturm-Gedröhne, knirschenden Schnee und sphärische Klänge zu hören. Alles in allem extrem passend – aber nichts, was im Gedächtnis bleibt.

 

STEUERUNG: Rechts gehen, links gehen, springen, den Charakter wechseln oder die Bola schleudern – das Manöver-Repertoire ist überschaubar, lässt sich jederzeit zuverlässig abrufen und fügt sich stimmig ein. Passt.

 

SPIELSPASS: Müssten Spiel und Video-Botschaft jeweils für sich alleine stehen, dann wäre das etwas dünn – doch beide zusammen schaffen es tatsächlich, Faszination für die Kultur, Vergangenheit und Gegenwart des tiefgekühlten Völkchens zu vermitteln. Als Spiel ist "Never Alone" nur obere Mittelklasse, aber das weitgehend stressfreie Gesamtpaket aus Entertain- und Education-Werten überzeugt. 



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