Ether One

Gedankenvoller Trip durch einen in Scherben liegenden Verstand: Indie-Entwickler White Paper Games hat seine ganz eigene, Adventure-lastige Interpretation vom Alzheimer-Behandlung. Nachdem die PC-Version von "Ether One" bereits seit einigen Monaten vorliegt, dürfen jetzt auch PS4-Spieler los-therapieren.


PS4, PC (Download)

von White Paper Games

für einen Spieler

für Fortgeschrittene und Profis


im Handel

ca. 20 Euro (für PS-Plus-Kunden kostenlos)

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Neben Krebs ist Alzheimer vermutlich die Krankheit, die jeder am meisten fürchtet – denn sie kommt unerwartet, ist unkontrollierbar, unheilbar und zerstört genau das, worüber wir uns als Individuum definieren. Unseren Geist. Unsere Erinnerungen. Unsere Persönlichkeit.

In der Zukunftsvision des britischen Independent-Studios 'White Paper Games' gibt es endlich Aussicht auf Heilung – vorausgesetzt, das Forschungsprojekt "Ether One" schafft es, seine Methoden unter Beweis zu stellen, bevor ihm das Budget gestrichen wird.
Die Taktik im Kampf gegen den Gedanken-seitigen Kahlschlag: Man erschafft ein virtuelles Abbild vom Gedächtnis-Chaos des Patienten, dann schicken man einen Spezialisten – den 'Restorer' – in die inszenierte Erinnerungs-Landschaft, um aufzuräumen und die verstreuten Bröckchen wieder in die korrekte Reihenfolge zu bugsieren. Auf diese Weise durchstreift der 'Restorer' (also der 'Wiederhersteller') egoperspektivische Landschaften wie eine stillgelegte Mine nebst angeschlossener Kumpel-Siedlung und Miniatur-Hafen.
Adventure-Profis fühlen sich unwillkürlich an "Myst" erinnert, weil "Ether One" ebenfalls auf entschleunigtes Stillleben ohne jede Population setzt. Allerdings spielt sich der Gedächtnis-Gang deutlich zahmer als der knallharte Adventure-Klassiker: Die meisten Puzzles in "Ether One" sind optional und sollen vor allem dabei helfen, das Leben der 'Patientin' besser zu verstehen. Die zentrale 'Marschroute' verläuft dagegen halbwegs Puzzle-frei: Um "Ether One" zu lösen, muss man nur hin und wieder eine Schloss-Kombination in Erfahrung bringen oder einfach alle Schriftstücke begutachten – bereits hierdurch drängen sich die meisten Rätsellösungen förmlich auf.



Doch ganz gleich ob erforderliche Grauen-Zellen-Übung oder optionaler Knobeltest: Fast alles läuft in der "Ether One"-Welt über das Aufnehmen, Austauschen und Platzieren von Objekten – und nicht wenige davon symbolisieren Erinnerungsfragmente der Patientin. Weil der "Erinnerungs-Doktor" aber zu jeder Zeit nur einen Gegenstand mitschleppen darf, positioniert er andere Objekte regelmäßig auf einem Regal in seiner persönlichen 'Zuflucht': Die markiert eine Rückzugsmöglichkeit in die eigenen Gedanken des 'Restorers' und wird als eine Art archaisch eingerichteter Wohnung dargestellt, in die er jederzeit – auf simplen Button-Druck – zurückkehren darf. Gemütlicher Ohrensessel, Bett und Küchenecke inklusive.

Dass der fantasievoll erzählte "Mindfuck" von White Paper Games trotz all seiner großartigen Ideen und der lobenswert pedantischen Portraitierung der Demenz-Erkrankung nicht so recht zünden will, das liegt vor allem an der mittelmäßigen Präsentation: Hübsch gezeichnete Texturen und einige ansehnlich gestaltete Räume können leider nicht dafür entschädigen, dass der Großteil des gemütlichen Adventures grob gezimmert erscheint, ausgesprochen rucklig daherkommt und von Grafik-Bugs verunziert wird. Wer "Ether One" vor allem um seiner Botschaft Willen spielen möchte, der wird den liebevoll aufgefädelten Gedanken- und Hinweispfad genießen – doch wer es auf ein rundes Gesamterlebnis abgesehen hat, der wird u.U. an der inszenatorischen Hürde scheitern. Immerhin: PlayStation-Plus-Abonnenten bekommen die jüngst veröffentlichte PS4-Version des Abenteuers kostenlos.



6.5

befriedigend

Grafik: befriedigend

Sound: befriedigend

Steuerung: befriedigend

Spielspaß: befriedigend



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