Runde für Runde durchs Wikinger-Land


 

Strategie- und Rollenspiel-Kost für Anspruchsvolle hält die mehrteilige "Banner Saga" von US-Entwickler Stoic bereit: Alle drei Teile der Kickstarter-finanzierten Wikinger-Saga um Menschen, Monster und Mythen sind jetzt als Trilogie zu haben. Konsolen-Spieler werden sogar mit einer günstigen "Bonus Edition"-Box für PS4 und Xbox One verwöhnt. Geübte Generäle mit einem Faible für vielschichtige Epen und knackige Taktik-Kolosse freuen sich über ein fettes Paket mit starken Retro-Einflüssen.

Gehörne Riesen, bärtige Axtschwinger, Zentauren, steinerne Giganten und jede Menge Figuren aus der nordischen Mythologie: Der Wikinger-Kosmos von "Banner Saga" kleidet sich in Edda-Epen und klassische Disney-Zeichentrick-Optik. Den spielerischen Unterbau dafür liefern Genre-Klassiker wie "Fire Emblem", das ebenso wie "Banner Saga" traditionelle Runden-Strategie mit Elementen aus dem Rollenspiel-Genre verheiratet. Außerdem mit dem Nintendo-Spiel gemein hat man die unverzeihliche Härte: Im Kampf gefallene Kämpen bleiben tot, darum verändert sich mit ihrem Ausscheiden auch der weitere Verlauf der dramatischen Fantasy-Geschichte, die Entwickler Stoic vor allem über ausschweifende Multiple-Choice-Dialoge erzählt. Beim bunt bebilderten Palaver zwischen Mensch, Riese und anderen übernatürlichen Verbündeten wird entschieden, in was für eine Schlacht die Truppe als Nächstes zieht und welche Allianzen man zugunsten von anderen in den Wind schießt.

Das Ergebnis ist ein bunter, aber auch stilvoller Genre-Cocktail, der vor allem aufgrund seiner Text-Lastigkeit an Genre-Titel aus den 80-er- und 90-er-Jahren erinnert - zumal die handgezeichnete "Banner Saga"-Welt weitgehend auf den Einsatz von 3D-Elementen verzichtet. Obwohl man zumindest die Untertitel-Bleiwüste ins Deutsche übersetzt hat, sind hier Spieler mit exzellenten Englisch-Kenntnissen am besten aufgehoben: Sie können die im Originalton belassenen Trickfilm-Sequenzen genießen, ohne dabei durch die langen Untertitel hetzen zu müssen. Außerdem trägt das blumige und epische Englisch in den Gesprächen wesentlich zur Atmosphäre des Abenteuers bei.



 

Ebenso ein Fall für Profis ist das spielerische Regelwerk, mit dessen Hilfe Genre-Haudegen ausgefeilte Angriffsserien und taktische Vorzeige-Stücke austüflten, das Einsteiger aber an seiner Vielfalt und mikro-kleinen Anzeigen verzweifeln lässt. So sind zum Beispiel "Lebensenergie" und "Angriffsstärke" in "Banner Saga" ein und derselbe Wert, weshalb jeder kassierte Treffer zugleich die Schlagkraft einer Figur reduziert. Andererseits wird die Intensität physischer Angriffe durch den Rüstungswert des Opfers gedämpft, den man zuvor durch gezielte Attacken klein kriegt - wenn man denn will. Eine besondere Stellung nimmt dabei ein Attribut ein, das sich in die verschiedensten Angriffs- und Bewegungsmanöver kanalisieren lässt, um deren Wirkung zu verstärken - so lange man dabei nicht den Wert eines anderen Attributs überschreitet. Alles klar?

Wem bereits bei dieser Schilderung der Kopf schwirrt, der sollte sich den Ausflug ins eisige Zeichentrick-Land lieber sparen. Spieler dagegen, die Regelschwarten von Bleistift- und Papier-Rollenspielen bereits zum Frühstück verschlingen, fühlen sich sofort heimisch.

Auch ein Faible für anspruchsvolle Erzählungen sollte man mitbringen, wenn man sich an Stoics Koloss heranwagen möchte: Die dreiteilige Geschichte um Menschen, Riesen und ihren Krieg gegen eine alte Rasse aus Felsen-Golems versteckt voller komplexer Beziehungs-Geflechte und Intrigen - "Game of Thrones" lässt grüßen. Nur wer all das willkommen heißt, bekommt mit der "Banner Saga"-Trilogie einen echten Leckerbissen serviert. Konsolen-Spieler greifen dafür übrigens am besten zur physischen Handels-Version mit dem Untertitel "Bonus Edition": Die ist in der Regel deutlich günstiger als die Download-Variante und kommt obendrein mit Extras wie Soundtrack oder Mini-Artbook.

 

 

Note: GUT